Was symbolisiert den internationalen See mehr, als die weisse(n) Flotte(n), die majestätisch am Horizont ihre Bahnen ziehen?! Beim Näherkommen traut man allerdings oft seinen Augen nicht.

Langsam entdeckt man das Potential des fahrenden historischen Kulturguts auf dem See: In Vorarlberg etwa wird mit der historischen MS Österreich gerade das einzige Art Déco-Passagierschiff der Welt aufwändig restauriert. Mit der Urform von 1928 soll es als „als schwimmendes Museum“ den Bodensee befahren und die Kulturlandschaft bereichern. Damals leitete dieses Schiff übrigens die Ära der modernen, dieselbetriebenen Schiffstypen ein und beendete damit das Jahrhundert der Dampfschiff-Fahrt (passiert heute andersrum grad auf der Straße mit E-Mobilität). Die Hohentwiel – auch in Vorarlberg beheimatet, erinnert daran. Nicht zufällig werden beide dann als historische „Schwesterschiffe“ in enger Zusammenarbeit betrieben, ebenfalls im ehrenamtlichen Vereins-Konstrukt.  Auch die rund 7 Mio. Euro Renovationskosten werden so seeumspannend, international zusammengetragen, das Modell Hohentwiel stand hier auch Pate (apropos: Unterstützer&Paten übrigens willkommen!).

Die Restaurations-Arbeiten wollen vor Wintereinbruch mit Aussenhülle und Deckaufbauten in der Fußacher Werft beendet sein, so dass zum Winter dann mit Innenarbeiten begonnen werden kann – alles auf Kurs für Herbst 2018.  Damit lägen dann die drei spektakulärsten Schiffe des Sees in Vorarlberger Häfen: das schönste Dampfschiff der Welt, die Hohentwiel, mit der Österreich das einzige Art déco Schiff weltweit und mit der Sonnenkönigin als Kontrast das größte Event-Schiff auf europäischen Binnengewässern. Drei Ahoi!

Bei den Schweizern hat man vor gut einem halben Jahr den eher hässlichen 70er Jahre Pott „Säntis“ modernisiert; hier auf „historisch“ zu machen, wäre auch vergebene Liebesmühe. Die 70er waren bootsbaumäßig am ganzen See nicht gerade von revolutionär-quietschbunter Modernität geprägt, sondern eher von provinziell-zweckmäßiger Grobmotorik durchwirkt. Doch die Schweizer haben jetzt mit der neuen Säntis das wohlfeilstylischste Schiff am Start: an die 100 Leute können sich bei Champagner auf Ledergestühl räkeln, den Duft feinster Hölzer in der Nase und das Design einer hippen Großstadt-Lounge auf wogenden Wellen genießend. Auch so geht’s!

Und die BSB investieren dieses Jahr unter anderem in das denkmalgeschützte Motorschiff „MS Schwaben“: Es wird im Stil des Baujahres 1937 ausgebaut und entsprechend möbliert.

Hurra! Endlich werden die 30er Jahre Schiffe am See so behandelt, wie Oldtimer an Land: durch und durch authentisch daherkommend (gerne mal versteckt modernisiert, wo zweckmäßig). Aber eben nicht außen hui und innen pfui: mit Resopaltischchen, abwaschbarem Plastik-Holzfurnier und Karotischdeckchen nebst Vorhängen.

Statt allerdings wie die Schweizer eher unästhetische 70er Jahre Pötte einfach komplett umzugestalten wird bei der BSB ein neues Schiff bereits 2019 in Betrieb gehen. (Das wohl hässlichste Schiff aller Zeiten, die 1989 in Dienst gestellte Graf Zeppelin, das mit dem klobigen Charme eines Plastikbügeleisens die Wellen durchpflügt, dürfte bei den Überlegungen zu einer grundlegenden Modernisierung allerdings bestenfalls als Korallenriff für Tauchtouristen enden – Sink about that!)

Freuen wir uns also auf „neue“ alte Zeiten, in denen wir mit einem normalen Mainau-Ticket in mondänen Erinnerungen schwelgen können…

Markus Hotz

Herausgeber

 

Alle „historischen“ Intros übrigens auch zum nachlesen und weitersenden online unter www.akzent-magazin.com