Denn: Nicht Wissen, Machen ist Macht – vor allem anders machen!

Wissen ist Macht. Sagt man so, aber wenn gewusstes Wissen nicht umgesetzt wird, passiert halt auch nix. Und Wissen wissen wir viel. Eher viel zu viel. Sind wir doch heutzutage „overnewsed but underinformed“.

Wir wissen zum Beispiel, was so auf der Welt los ist, im Vergleich zu unserer schönen und beschaulichen Region. Gerade sind wir zum Beispiel „wenigstens beunruhigt“ über die Negativ-Entwicklungen in der Türkei. Aber gleichzeitig vermelden Touristiker heuer wieder Türkei-Rekordbuchungen aus Deutschland. Hä?!

Wir wissen auch, dass stark verarbeitete Lebensmittel maximal ungesund sind. Neuerdings sogar, dass sie krebsverursachend-verdächtig sein können. Trotzdem vermelden unsere Hersteller des Tütensuppen-Clusters am See – also Hügli in Radolfzell, Maggi in Singen und Knorr in Thayngen – Spitzenumsätze. Kochsendung gucken und „schnelle Terrine“ instantlöffeln. Was?!

Wir husten Stadtoberhäuptern rund um den See eins, weil der Feinstaub sich mikrofein zunehmend über die Region legt. Doch gleichzeitig sind wir hocherfreut über die aktuellen „Wahnsinnspreisnachlässe“ bei den PS-starken V6 Dieseln, die jetzt endlich in preisgünstige Reichweite gerückt sind. Wie bitte?!

Urlaub in Diktaturen (weil‘s da ja so schön ruhig und sauber ist!) – da kann man auch die Militärdiktaturen in Ägypten und Thailand (Land des Weglächelns!), die Regime in China und Vietnam, diverse Korruptistans in Afrika und Südamerika dazuzählen und gleichzeitig Amnesty einen Dauerauftrag erteilen. Ablassbriefhandel reloaded? Stirnrunzel?!

Apropos: Wir schimpfen über korrupte FIFAs und Olympische Komitees (die übrigens NICHT in Afrika ihren Sitz haben!), verteufeln Doping-Sport und überkommerzialisierte Weltmeisterschaften, aber schauen dann brav und treiben Eintrittspreise und Einschaltquoten ebenfalls auf Rekordniveaus. Geht’s noch?!

Vielleicht glauben viele, man „kann ja nix machen“, das berühmte Kleine-Rädchen-im-großen-Getriebe-Achselzucken halt. Doch eins wissen wir sicher: Spätestens beim Geld hört der Spaß auf! Und umgekehrt wird eine Lebensmaxime draus: Einfach da Geld ausgeben, wo man noch Spaß dran hat, und nicht mehr dort, wo man keinen mehr haben kann.

Mal eine böse E-Mail an alle Olympia- und WM-Sponsoren schreiben, in der man ankündigt, deswegen auf deren Produkte zu verzichten (und es dann auch konsequent machen!). Das führt am Schnellsten zum Umdenken bei – klar, dann auch nicht anzuschauenden – Korruptions-Meisterschaften jeglicher Art. Wer über die Türkei meckert, sollte da nicht Urlaub machen und konsequenter auch seine Jeans nicht dort produziert erwerben (ersetze Türkei durch jedes andere unbeliebige Land!).

Konsumenten haben mehr Wissen und mehr Macht als je zuvor: Macht was draus!

Markus Hotz, Herausgeber

Alle „historischen“ Intros übrigens auch zum nachlesen und weitersenden online unter www.akzent-magazin.com/intro