Von Susi Donner

Bunt ist die Welt, so vielfältig sind die Menschen, LGBTIQ* sagt „Ja“ zu jedem Individuum: Queer Lake ist die News-Plattform für Lesben, Schwule, Bi-, Trans- und Intergeschlechtliche rund um den Bodensee. Queer Lake vernetzt grenzüberschreitend rund 60 LGBTIQ*-Organisationen, sammelt Termine, Veranstaltungen, Events und Nachrichten aus der LGBTIQ*-Community in den DACH-Ländern sowie dem angrenzenden Fürstentum Liechtenstein.

Ermöglicht wird Queer Lake unter anderem durch die Zeppelin Universität Friedrichshafen, die Würth Financial Services Rorschach und den gemeinnützigen Verein GoWest aus Bregenz. GoWest bietet als Teil seiner gemeinnützigen Arbeit einen wöchentlichen Treffpunkt im Trans* und Inter* Café s’freiräumle in Hohenems. Hier können sich Menschen für ein paar Stunden rundum wohl und sicher fühlen. Zudem geht es darum, wertvolle Erfahrungen und Informationen auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen und zu stärken. Weiter hat sich jeden Monat eine queere Filmreihe im Spielboden Dornbirn etabliert. Egal ob eine schwule Rugbyteam-Doku, ein lesbisches Roadmovie oder Porträts über starke Transfrauen – die Filme sind vielfältig und zeigen möglichst viele Facetten des queeren Lebens auf dieser Welt. Von GoWest ist unter anderem auch die „Mission Pride“ initiiert, die zeigt, dass die LGBTIQ*-Community in Vorarlberg reichlich Unterstützer findet, so ist beispielsweise von Alberschwende bis Zwischenwasser bereits in mehr als 20 Gemeinden die Regenbogenfahne gehisst – die Landeshauptstadt Bregenz ist eine davon. „Ich denke, GoWest konnte in der Vergangenheit viele Impulse setzen, sei es mit Mission Pride, unserem Schulprojekt, Beratungsangeboten oder den verschiedenen Kulturangeboten. Insgesamt gibt es in dem Bereich aber noch sehr viel zu tun“, sagt Philipp Vetter, stellvertretender Obmensch des Vereins. Er erzählt, dass es generell Kontakte über die Landesgrenzen hinweg gebe. Bedingt durch die Corona-Pandemie haben länderübergreifende Treffen in den letzten zwei Jahren natürlich weniger stattfinden können. Wichtige Themen seien, so Vetter, die Sensibilisierung und Information der Bevölkerung, Ausbau von Beratungsangeboten für LGBTIQ*-Menschen, Abbau von Diskriminierung. Gerade für transidente Menschen gebe es noch zahlreiche Barrieren in unserer Gesellschaft. Gemeinsames Ziel müsse es sein, das Leben von LGBTIQ*-Menschen auch außerhalb geschaffener Freiräume gelingend und diskriminierungsfrei zu gestalten. Auf die Frage, was die queere Community sich erhoffe, antwortet er: „Wir wünschen uns eine Welt, in der Menschen sein können, wer sie sind, und lieben können, wen sie lieben.“

Foqus e.V.

In der Region Bodensee-Oberschwaben setzt sich foqus e.V. für die Rechte und gegen die Diskriminierung von LGBTIQ*-Menschen ein. Der Verein will nachhaltige Strukturen etablieren, in denen Akzeptanz und das Erkennen von Unterschieden als gesellschaftliche Chance wahrgenommen werden. Der Schwerpunkt der Arbeit von foqus liegt in den Bereichen Bildung und Beratung, hauptsächlich durch Workshops in Schulen und Multiplikatoren-Schulung. Das gemeinsame Ziel sei es, gegen Vorurteile und Ausgrenzung anzugehen und die Sichtbarkeit von LGBTIQ*-Menschen im Alltag zu stärken. foqus ist Mitglied im Landesnetzwerk LSBTTIQ BadenWürttemberg und dort auch als Beratungsstelle aufgelistet. Was die Verantwortlichen von foqus freut: „Die Tatsache, dass heute so viele unterschiedliche Stimmen, die gesellschaftlich lange nicht wahrgenommen beziehungsweise unterdrückt wurden, ihre Rechte und ihre Gleichstellung öffentlich und selbstbewusst einfordern (nicht nur LSBTTIQ), zeigt, dass die gesellschaftlichen Entwicklungen insgesamt positiv verlaufen.“ Zumindest am Bodensee. Wenn man in andere Länder schaue (beispielsweise Ungarn, Polen, Russland), stelle man fest, dass diese Offenheit der Gesellschaft sehr schnell durch rigide Regierungssysteme gekippt werden könne und noch bestehende Vorurteile und Diskriminierungen sehr schnell wieder aufflammen können.

Bunt wie das Leben

So lautet der Leitsatz von Queer Thurgau. Der Verein hat sich im Oktober 2021 offiziell gegründet, war aber schon zuvor aktiv. Mit Aktionen im Vorfeld der erfolgreichen Ehe-für-alle-Abstimmung hat die Organisation die gesellschaftspolitischen Karten im Kanton Thurgau aufgemischt. Co-Präsidentin Eva Büchi betont, das Ja zur Ehe für alle sei ein Ja für Gleichberechtigung – ein Ja für die Zukunft, ein großer Schritt zu einer modernen, liberalen Schweiz. Künftig dürfen Schwule und Lesben nicht nur genauso wie Heterosexuelle heiraten, sie werden auch in Bereichen wie Adoption, Witwenrente oder Samenspende gleichgestellt. Das habe eine riesige Signalwirkung vor allem für junge, homosexuelle Menschen. Sie erfahren ihr „Anderssein“ nicht als „Minderwertigsein“, sondern sie können mit der Zuversicht aufwachsen, dass sie gleichberechtigte Menschen sind. „Wie in anderen Ländern wird auch in der Schweiz die Selbstmordrate bei der LGBTIQ*-Community sinken. Was gibt es Schöneres als das?“, fragt Eva Büchi. Queer Thurgau setzt sich vernetzt für gleiche Rechte von LGBTIQ*-Menschen ein und fordert politische und gesellschaftliche Anerkennung, will Ansprechpartner für Fachstellen, Schulen, Politiker*innen und Medien sein. Getreu dem Credo: „Statt über uns zu reden – redet mit uns, wir sind Fachleute für LGBTIQ*-Anliegen.“

„Märchenland für alle“

Eine moderne Märchen-Interpretation aus Ungarn für Kinder und Erwachsene. Das Märchenbuch ab sechs Jahren zeigt, wie vielfältig die Welt ist und wie wir offen und tolerant mit unseren Mitmenschen umgehen können. Das Buch hilft sowohl Kindern als auch ihren Eltern, sich für mehr Diversität, Gleichberechtigung und gegen festgefahrene Rollenbilder einzusetzen. Es fördert Selbstvertrauen und Toleranz. Ein märchenhaftes Buch mit echtem Happy End. In Ungarn hat das Buch im Sommer 2021 hohe gesellschaftspolitische Wellen geschlagen und wurde gegen alle Widerstände ein Bestseller. Die Stiftung Stern spendet einen Euro pro Buch für Diversitätsprojekte, für mehr Vielfalt in Ungarn.

In welchen Ländern gibt es die Ehe für alle?

Aktuell ist die Ehe für alle weltweit in 39 Ländern erlaubt. In Deutschland ist die Ehe für alle bereits seit 2017 möglich. Jede 14. neu geschlossene Ehe in Deutschland wird seither unter gleichgeschlechtlichen Partnern geschlossen. Deutschland belegt im sogenannten Rainbow-Index für Europa den 15. von 49 Plätzen. Auch in Österreich ist die gleichgeschlechtliche Ehe nach einer Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes seit dem 1. Januar 2019 möglich. Die Schweiz hat erst kürzlich darüber entschieden. Am 17. November 2021 hat der Bundesrat beschlossen, die Ehe für alle ab dem 1. Juli 2022 in Kraft zu setzen. Weltweit die ersten waren übrigens die Niederländer. Im Jahr 2001 erlaubte der Staat dort die „Ehe für alle“. Dagegen gibt es im Fürstentum Liechtenstein die Ehe für alle noch immer nicht. Um den Forderungen der LGBTIQ*-Organisation „Flay“ Nachdruck zu verleihen, wird am 11. Juni in Vaduz unter dem Motto „Kumm oh – und trau Di!“ erstmals eine Pride in Liechtenstein stattfinden.

Viele Buchstaben und noch buntere Identitäten – was heißt LGBTIQ?

Liebe ist nicht gleich Liebe. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten dafür, wen man liebt, wie man fühlt und ob und welchem Geschlecht man sich zuordnet. Für die verschiedenen sexuellen Orientierungen wird die Abkürzung „LGBTIQ“ verwendet, die für die englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender, Intersexual und Queer stehen, also für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle/Transgender-, intersexuelle und queere Menschen. Manchmal wird diese Abkürzung noch um das Gendersternchen oder ein Plus ergänzt als Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.

www.queer-lake.net

www.gowest.or.at

www.mission-pride.at

www.queertg.ch

www.queertg.ch/community-vernetzt

www.foqus-online.net

www.csd-konstanz.de

www.netzwerk-lsbttiq.net

www.fly.li

Bildnachweis: Landeshauptstadt Bregenz hisste die Regenbogenfahnen am Rathaus als deutliches Zeichen gegen Hass, Ausgrenzung und Vandalismus. Bürgermeister Michael Ritsch (im Bild mit Vizebürgermeisterin Sandra Schoch) sagt: „Für uns ist klar, die LGBTIQ*-Community ist ein Teil unserer Gesellschaft, und das ist gut so.“ | Copyright: Stadt Bregenz