Nur weil die Türen für das Publikum derzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht geöffnet werden dürfen, heißt das nicht, dass sich die Macher des Theater Konstanz (www.theaterkonstanz.de)  hinter den Kulissen ausgeruht hätten. Im Gegenteil.

„Wir arbeiten nicht, weil wir müssen, sondern weil wir verschiedene Kunstformen in die Welt bringen wollen“, so Noch-Intendant Christoph Nix. Theater sei kein Medium, sondern die letzte Bastion der Unmittelbarkeit menschlicher Begegnung. Nachdem in den vergangenen Wochen einige der für die Bühne geplanten Stücke bereits als Hörspiel online gestellt wurden und Projekte wie „78462 Konstanz – die Theater-WG“ auch überregional (www.swrfernsehen.de/kunscht) Beachtung fanden, laufen jetzt die Vorbereitungen für das Freilichtspektakel auf dem Münsterplatz „Hermann der Krumme oder die Erde ist rund“. Nix hat das Stück vor über einem Jahr geschrieben. Mit seiner Handlung um den Wissenschaftler, Komponisten und Schriftsteller Hermann von Reichenau (1013-1054) hat er jetzt prompt ins Schwarze getroffen. „Wir haben kein Corona-Stück gemacht! Aber es ist jetzt in der Tat das richtige Stück zur richtigen Stunde“, so Nix, der auch Regie führen wird – gemeinsam mit weiteren Regisseuren um Schauspieldirektor Mark Zurmühle. Hermann habe unter erbärmlichen Bedingungen gelebt, aber stets Zuversicht vermittelt. Das Stück spielt im 11. Jahrhundert.

Gut gelaunt und mit Mindestabstand geht es in die Planungen des Münsterspektakels 2020

Theater in Zeiten der Pandemie

Nach dem Lockdown wird nun nach und nach das öffentliche Leben wieder hochgefahren. Politik und Medien stellen dabei derzeit Ladengeschäfte, Schulen, Hotels und Restaurants in den Mittelpunkt. „Aber über Kultur redet keiner!“, bemängeln unisono Christoph Nix, Mark Zurmühle und der stellvertretende Intendant Daniel Morgenroth.  Gerade jetzt müsse man Hoffnungszeichen setzen. „Wir wollen ein Exempel statuieren und wo geht das besser als draußen“, so Mark Zurmühle. Daher hat das Team des Theaters, darunter auch der technische Direktor Holger Bueb, seit Mitte April ein Konzept ausgearbeitet, wie das für den Münsterplatz geplante Stück nun doch öffentlich aufgeführt werden könnte. Dass Christoph Nix neben seiner Arbeit am Theater auch aktiv als Rechtsanwalt tätig ist, kommt der Idee zugute. „Wir wollen Theater machen, ohne dass uns fahrlässiges Handeln vorgeworfen werden kann“, so Nix. Und ohnehin möchte er nicht in die Geschichte eingehen als einer, der unbedingt spielen wollte und sich dabei infiziert habe. Er gehöre selbst zur Risikogruppe „und ein Hypochonder bin ich zudem“.

Einrichtungsplan für den Münsterplatz

So wurden verschiedene Universitätskliniken mit virologischen Abteilungen angefragt, um die Frage zu klären, wie in aller Vorsichtigkeit doch Menschen zusammenkommen könnten. In Freiburg stieß man bei Hartmut Hengel auf einen theaterinteressierten Wissenschaftler, der in sich in seiner Funktion als Leiter des Virologischen Instituts gerne den Plänen der Konstanzer Theatermacher annahm. Er bewertete das Modell, in welchem sämtliche hygienischen, infrastrukturellen, technischen und künstlerischen Aktionsmöglichkeiten berücksichtigt wurden, als schlüssig und gab aus medizinischer Sicht grünes Licht. In einem offenen Brief vom 24. April bittet das Theater Konstanz zudem Staatsministerin Monika Grütters um Unterstützung.

Momentan stehen die Zeichen gut, dass die 20 Aufführungen im Juli stattfinden können. Das Theater Konstanz wäre, Stand Ende April, damit Vorreiter in Deutschland. Klar ist jedoch: „Wir gehen jetzt erstmal in den Prozess hinein. Sollten die Infektionszahlen aber steigen, dann sagen wir es eventuell ab“, so Christoph Nix. Es wäre übrigens das letzte Stück unter seiner Intendanz. Nix wird das Theater Konstanz nach dieser Spielzeit nach 14 Jahren verlassen. Mit seiner Nachfolgerin Karin Becker pflege er bereits, wie er sagt, einen sehr guten Umgang. Sie ist bereits jetzt mit im Boot. Sollte das Münsterstück jedoch nicht gespielt werden können, wäre das für Nix auch ok: „Ich würde den Hermann sehr gerne machen, aber mein Lebensglück hängt nicht davon ab.“

Hier der Plan für das Münsterspektakel 2020 in Stichworten:

  • Es wurde von 690 auf 228 Plätze reduziert
  • Es wird drei statt bisher nur eine Zuschauertribüne geben
  • Einlasspersonal trägt und verteilt Schutzmasken
  • Sechs Eingänge statt einem, Einlass gestaffelt
  • Sitzplätze mit 1,5 Metern Abstand. Paare dürfen evtl zusammensitzen (noch zu klären)
  • Spielweise auf Distanz choreographiert, z.B. wird Münsterturm mit einbezogen
  • Berührungshandlungen erfolgen ggf über Requisiten, die auch als Abstandshalter dienen
  • Keine Gastronomie, keine Pause
  • Toiletten mit Einzelzugängen und extra Flächen zur Handreinigung
  • Den Schauspielern ist freigestellt, wer mitmachen möchte
  • Die Schauspieler schminken sich selbst

www.theaterkonstanz.de

Text: Tanja Horlacher