D – Lindau/Hamburg | Julia Drache war ganz nah dran an der wichtigsten Trophäe der Filmwelt: Die gebürtige Lindauerin hat das Drehbuch für den Film „Watu Wote“ geschrieben, der für einen Oscar nominiert war. Allein dies bedeutet für die 36-jährige Mutter zweier Töchter einen persönlichen und beruflichen Gewinn, auch wenn der Film letztlich doch keinen Oscar erhalten hat.

akzent: Sie waren selbst bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles. Welche Eindrücke bleiben Ihnen in Erinnerung?

Julia Drache: Es war wahnsinnig aufregend und sehr lustig. Moderator Jimmy Kimmel ist live noch beeindruckender als im Fernsehen: extrem schlagfertig und spontan. Der schönste Moment war, als Ruben Östlund, der Regisseur von „The Square“, plötzlich auf dem roten Teppich neben mir stand. Ich bin ein großer Fan seiner Filme und habe ihm gesagt, dass er ganz schnell seinen neuen Film fertig machen soll, damit ich etwas zu lachen habe.

akzent: Was ändert sich durch die Oscar-Nominierung für Sie?

Julia Drache: Potenzielle Auftraggeber sind nicht mehr ganz so ängstlich wie vorher, mit einem Newcomer zusammenzuarbeiten. Alle wollen immer junge und frische Leute, aber die wenigsten trauen sich, sie ranzulassen, weil sie noch so wenig Erfahrung haben. Dafür hilft so ein Erfolg. Viele schimpfen ja sehr über die deutsche Film- und Fernsehlandschaft, aber wenn man etwas anders machen will, traut sich keiner.

akzent: Hatten Sie je mit der Oscar-Nominierung gerechnet?

Julia Drache: Nein, ich habe nicht damit gerechnet, dass man mit einem Abschlussfilm, der einzig und allein gemacht worden ist, um ein zweijähriges Studium abzuschließen, so viele Preise gewinnen kann. Vor allem finde ich schön, dass sich plötzlich so viele Menschen für den Film interessieren. Wobei es viele wahnsinnig tolle Filme gibt, die man nicht auf dem Radar hat, weil keiner dafür Werbung macht.

akzent: An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit?

Julia Drache: Ich adaptiere gerade den Roman „Pferd, Pferd, Tiger, Tiger“ von Mette Eike Neerlin. Es geht um ein Mädchen, das mit einem drogendealenden Vater, einer nicht ganz zuverlässigen Mutter und einer geistig behinderten Schwester aufwächst. Sie kümmert sich liebevoll um jeden. Als sie einen im Sterben liegenden Mann kennenlernt, lernt sie, mehr an sich zu denken. Klingt nach hartem Tobak, ist aber sehr rührend und vor allem auch lustig. Ansonsten habe ich gerade zwei Episoden für die neue Sitcom „Tanken“ (ZDF Neo) geschrieben.

akzent: Wie eng ist Ihre Verbindung zu Lindau und zur Bodenseeregion?

Julia Drache: Sehr, sehr eng. Wenn Lindau ein Vorort von Hamburg wäre, wäre mein Leben perfekt. Blöd, dass zwischen den beiden schönsten Städten Deutschlands 800 Kilometer liegen müssen. Ich bin oft in Lindau bei meiner Familie und habe hier noch viele enge Freunde.

Preisgekrönt

Der Film „Watu Wote“ war für einen Oscar in der Kategorie „bester Kurzfilm“ nominiert. Es handelt sich um die Abschlussarbeit von Katja Benrath (Regie), Felix Striegel (Kamera), Tobias Rosen (Produzent) und Julia Drache (Drehbuch und Schnitt). Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit: Er schildert, wie sich vor drei Jahren in Kenia bei einem Terrorangriff Muslime schützend vor Christen gestellt haben. Das Hamburger Filmteam hat in Afrika gedreht und für seine Produktion bereits einige Preise erhalten, darunter 2017 den Studenten-Oscar.

Hier der Trailer zum Film:

Text: Ruth Eberhardt | Fotos: Steffen Gerdes