D – Konstanz | „Wir haben von Geburt an einen Zugang zur Fantasie“, ist Ingo Putz überzeugt. Doch oft lassen sich Erwachsene dann in ihren Bahnen fangen. Die Fantasie weicht der Realität. Umso mehr genießt der Leiter des Jungen Theaters Konstanz (JTK) die Arbeit mit und für junge Menschen und weiß die Möglichkeiten hier zu schätzen. Ab 11. Februar kommt unter seiner Regie „King A“ auf die Bühne – „eine Ode an jedes Ritterherz“. Ingo Putz und Dramaturgin Anna-Lena Kühner über den Mut, sich auf etwas einzulassen, das Verhandeln von Gefühlen und über die Ideale von Rittern.

„Ich glaube fest, dass das, was Kinder und Jugendliche bei uns am Theater erleben, auch etwas auslöst“, so Ingo Putz. Der 44-Jährige war einst selbst dem Ruf seines Herzens gefolgt, wie er sagt. Ursprünglich hatte er Musiklehramt, Landschaftsökologie, Biologie und ein paar Semester Psychologie studiert. Doch bereits während der Studienzeit in Oldenburg spielt er viel am Uni-Theater und schreibt eigene Stücke. Das Staatstheater Oldenburg wird auf ihn aufmerksam und überträgt dem leidenschaftlichen Gitarristen die musikalische Leitung. Er unterbricht das Studium. Drei Jahre als Regieassistent folgen. Das Biologie-Diplom war gemacht, jedoch gibt es keinen Grund mehr, das Lehramtsstudium weiter fortzusetzen. „Ich konnte dann als freier Regisseur an vielen Bühnen arbeiten, etwa in Linz, Kiel, Kaiserslautern und Wilhelmshaven. Das hat sehr gut funktioniert“, so Putz. Er kommt mit allen Genres in Berührung. Musicals und Operetten stehen genauso auf dem Plan wie Klassiker und zeitgenössische Stücke.

Impulse geben

„Ich führe wirklich sehr, sehr gerne Regie“, so Putz. „Wenn du an den Stücken arbeitest, willst du die Welt verändern.“ Seine Augen leuchten. Jedoch: „Im Abendprogramm ist zwar die Begeisterung der Zuschauer zu spüren, aber ich glaube nicht, dass einer rausgeht und sein Leben verändert, nur weil er gerade über das Stück nachdenkt.“ Beim Kinder- und Jugendtheater hingegen hat er die Hoffnung, tatsächlich etwas zu bewegen. Seit der Spielzeit 2016/17 ist er Leiter des JTK. „Wir wollen den jungen Zuschauern Impulse geben, ihren Weg in der Welt zu finden – und sie zu verändern. Sie können die Welt mitgestalten!“

Seine Kollegin Anna-Lena Kühner, die seit September 2018 am Theater Konstanz ist, würdigt diesen Aspekt ebenso: „Das ist die große Qualität von Kinder- und Jugendtheater: dass es Mut macht, sich auf etwas einzulassen.“ Sie zieht einen wichtigen Vergleich zu Film und Fernsehen: „Dort ist quasi alles ausformuliert. Beispielsweise kommt ein Pferd als Pferd daher. Auf der Bühne hingegen muss möglicherweise abstrakt ein Besenstiel dafür herhalten. Theater fordert eigene Gefühle und Gedanken“, so die Dramaturgin. Aus Erfahrung weiß sie, dass Kinder das sehr gut können, jedoch oft von Erwachsenen unterschätzt werden. Wichtig ist bei ihrer Arbeit daher auch stets die Beobachtung der jüngsten Zuschauer: „Wann sind sie gebannt, wann aufmerksam? Hier werden Gefühle live verhandelt“, so Kühner. Testklassen geben vor den Premieren wichtiges Feedback, das auch in die weitere Gestaltung der Stücke einfließt. „Kinder sind ein sehr ehrliches Publikum. Das ist hochspannend“, weiß Ingo Putz zu schätzen.

Rittertugenden leben

Mit „King A“ kommt in Konstanz nun die Überschreibung der Artussage, einer der großen europäischen Legenden, auf die Bühne: eine Mischung aus Action, Humor und Hintersinn aus der Feder der Niederländerin Inèz Derksen. Fünf Schauspieler/-innen kämpfen um ihre jeweilige Vorstellung vom Ritter-Sein. Dann zieht Artus das Schwert aus dem Stein und wird König. Die anderen reden ihm zu, geben Tipps, jeder mit eigenen Ideen und Visionen. „Es ist wahrhaft eine spannende Geschichte“, so Anna-Lena Kühner. „Auf der Bühne entwickeln sich neue Wege. Die Anfänge von Demokratie“, erklärt die studierte Regisseurin. Als Arturs Frau Guinevere sich in seinen besten Freund verliebt, fühlt er sich verraten. In „King A“ geht es letztlich um Freundschaft, um Verletzungen, um Tugenden und die große Frage, was passiert, wenn es keine Regeln gibt. „Fragen, die für alle wichtig sind!“, bringt es Kühner auf den Punkt. „Ritter waren nicht einfach Draufgänger, sondern schworen, sich ritterlich zu verhalten.“ Edelmut, Treue, Tapferkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Verlässlichkeit und edle Gesinnung als Ideale. Dinge, die alle angehen, gleich welchen Alters. „Die JTK-Stücke funktionieren für alle, Erwachsene eingeschlossen. Jeder findet darin seine Themen“, sind sich Kühner und Putz einig.

ab 10.02., King A | Spiegelhalle, Hafenstraße, D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 900 150 | www.theaterkonstanz.de f