AUS DEM BREGENZERWALD IN DIE WELT

Feinstes, schwarz gefärbtes Leinen, auf einer über 100 Jahre alten Maschine mit Glanz veredelt, von Hand in 500 Falten gelegt – das ist der Stoff, aus dem der Traum der Wälderinnen ist. Das jahrhundertealte Handwerk der Juppenstoffherstellung wird heute nur noch in der Juppenwerkstatt Riefensberg im Bregenzerwald gepflegt. Die Leidenschaft und Liebe zum Kulturerbe, mit der hier gearbeitet wird, fasziniert. So sehr, dass manchmal auch internationale Designer einen Blick reinwerfen, um etwas zu lernen. Man sagt, die Juppe sei der ganze Stolz einer Wälderin. Die Frauentracht des Bregenzerwaldes, mit Mieder, langem Rock und eleganten Ärmeln kann allerdings nirgendwo gekauft werden. Jede Juppe ist eine Einzelanfertigung, für die bis 170 Arbeitsstunden benötigt werden. Die Frauen und Mädchen begleiten den Prozess selbst: Der Weg führt vom Stoffeinkauf in der Juppenwerkstatt weiter zu den Näherinnen, Stickerinnen und Knüpferinnen bis zu den Hut-, Kappen- oder Schappalemacherinnen (Schappale = Flitterkrone). In der Summe ist mit rund einem Jahr zu rechnen, bis der Traum von der eigenen Juppe wahr wird.

Gut Ding muss Weile haben

In einem unglaublich langen Prozess wird der steife, glänzende und in Falten gelegte Juppenstoff – nach der Überlieferung des letzten Bregenzerwälder Juppenfärbemeisters – hergestellt. Feinstes, schwarz gefärbtes Leinen, welches in Deutschland gewoben wird, wird zunächst appretiert, um die typische, stark glänzende Oberfläche und die Steife zu erreichen. Hierzu wird ein spezieller Leder-/ Knochenleim selbst hergestellt. Jetzt kommt 90 Minuten lang die sogenannte Glästmaschine zum Einsatz, die bereits seit 1909 ihren Dienst tut. Mit ihr erhält der Juppenstoff durch Druck, Reibung und Wärme den Glanz. Mit jedem Durchgang mehr, wobei das Schwarz immer tiefer wird. Das Finale findet schließlich an der Fältelmaschine aus den 1870er-Jahren statt: Eine 480 Zentimeter lange Stoffbahn wird in rund 500 Falten gelegt. Doch nach appretieren, glästen und fälteln geht’s noch lange nicht an die Nähmaschine. Erst nach einem halben Jahr ist der Stoff zur Weiterverarbeitung geeignet. Er muss quasi noch reifen, damit seine steife Elastizität dauerhaft von Schönheit ist.

Bei so viel Aufwand ist auch nachvollziehbar, dass hier nur auf Bestellung und in geringer Stückzahl gearbeitet wird. Gerne geben aber die Menschen, die hier mit so viel Traditionsbewusstsein leidenschaftlich arbeiten, ihr Wissen auch weiter. Neben Führungen, begleitet durch eine Kunsthandwerkerin, bieten sie auch Kurse zum Erlernen textiler Techniken an. Auch so kommt man dem Ziel, dieses Kulturerbe in die Zukunft zu führen, ein Stückchen näher. |FOTOS: BREGENZERWÄLDERIN: MARIA ROSE STEURER-LANG JUPPENWERKSTATT ARCHITEKTUR: DIETER EGE |

Juppenwerkstatt Riefensberg| Dorf 52, A-6943 Riefensberg
+43 (0)5513 83 56 15 | www.juppenwerkstatt.at
Mai-Oktober, Di 10-12 Uhr, Fr 10-12 Uhr
+ 14-16 Uhr und täglich nach Vereinbarung

bis 31.10.2019 Sonderausstellung: Falten, Krausen, Plissee. Trachten vor und hinter dem Arlberg

Die Juppenwerkstatt öffnet auch am 05.10. ihre Türen zur ORF Lange Nacht der Museen