Spät aber doch … von vielen erhofft und über Wochen „erkämpft“. Endlich dürfen Kleingärtner wieder über die Grenze zu ihren Gärten. „Besitzern von selbst genutzten Liegenschaften und Schrebergärten sowie von Landwirtschafts-, Jagd- oder Forstflächen ist die gegenseitige Einreise zwischen der Schweiz, Deutschland und Österreich seit 16. Mai wieder gestattet.“

Damit dürfen u.a. die deutschen Kleingärtner im Konstanzer Tägermoos endlich wieder in ihre Gärten. Hier gibt es jetzt viel zu tun, um die in langen Wochen vernachlässigten Beete wieder auf Vordermann zu bringen. Gerade in den wichtigen Wochen im Frühling, wo jeder Gartenfreund sich freut, seinen Garten fit zu machen fürs Jahr, war der Zugang verwehrt. Erst jetzt ist es wieder möglich, mit den Händen und Schaufeln in der Erde zu graben, späte Setzlinge einzupflanzen und die Zeit, in der eigenen grünen Parzelle zu genießen.

Das Tägermoos, eine Art deutsche Exklave auf eidgenössischem Staatsgebiet. Gartenland, mit 400, teils von Konstanzern bewirtschafteten Kleingärten. Während die Pächter aus Tägerwilen und Kreuzlingen wie gewohnt ihre Gärten besuchen und ihre Gartenarbeit verrichten konnten, blieben die Konstanzer außen vor. Der Grenzübergang am Gottlieber Zoll war dicht. Ende Gelände. Am Abend des 15. Mai wurden die Sperren entfernt und der Grenzübergang wieder geöffnet.

Was bisher geschah

Trotz verschiedener Aktionen blieb die Einreise bislang nicht erlaubt, das bestätigte zuletzt am 5. Mai das Schweizer Staatssekretariat für Migration. So wurde entschieden, dass die Pflege von Kleingärten „keinen Härtefall im Sinne der Covid-19-Verordnung 2“ darstelle und Ausnahmegenehmigungen nicht erteilt werden konnten. Befürchtet wurde, dass bei einer Einreise von rund 400 Kleingärtnern Kontakte zur Schweizer Bevölkerung nicht ausgeschlossen werden könnten und „schon auf dem Weg eine Durchmischung mit der CH-Bevölkerung passiert“, wie das Staatssekretariat formulierte.

Damit wurde auch der Idee, in einer auf zwei Wochenenden angelegten Versuchsphase zu prüfen, wie gut die Sicherheitsregeln eingehalten worden wären, eine klare Absage erteilt. Lokale Lösungen bis zur Aufhebung der Grenzsperren konnten nicht durchgesetzt werden. So blieb nur die Hoffnung, dass sich die Lage bald verändern könnte, denn von Städten und Gemeinden in den Grenzregionen wurden die Forderung einer völligen Grenzöffnung immer lauter. Dazu kam es nun nicht, weiterhin darf bis 15. Juni nur der die Grenze passieren, der einen triftigen Grund nachweisen kann. Aber bei Kleingärtnern ist dies zum Glück seit 16. Mai der Fall.

Nichts geht mehr: Johannes und Doris Kumm am Gottlieber Zoll.

Am 27. April hatte Johannes Kumm, langjähriger Konstanzer Stadtbaumeister und Pächter eines Kleingartens im Tägermoos eine Unterschriftenliste – unterschrieben von knapp 250 deutschen Kleingärtnern – zunächst an den Konstanzer OB und am Tag darauf an den Bundestagsabgeordneten Jung übergeben. Verbunden mit der Aufforderung, sich um die Öffnung der Grenze zum Zweck der Gartenbesuche einzusetzen. Dass Ausnahmegenehmigungen prinzipiell möglich waren, wurde mit den Lockerungen für Familien und Paare deutlich.

Ein über Wochen andauerndes Gartenverbot war zweifach bitter: Ein Großteil der Ernte fällt naturgemäß aus und der im Garten wunderbar praktikable Aufenthalt an der frischen Luft – mit dem gebotenen Abstand zu den Mitmenschen – war ebenfalls Fehlanzeige. Johannes Kumm, kämpfte dafür, dass er wieder in seinen Garten kann. „Ich habe am 26. März an den OB geschrieben mit der Bitte, sich persönlich dafür einzusetzen, dass Möglichkeiten für die Konstanzer Pächter geschaffen werden, in ihre Gärten zu gehen. Passierscheine zum Beispiel.“ Der OB, so Kumm, solle selbst bei der Schweizer Zollverwaltung vorstellig werden, das Problem „mit aller Macht“ anzugehen.

Johannes Kumm verlangte mehr Nachdruck. Von den mitunter hochaufgerüsteten Schweizer Zöllnern fühle man sich behandelt „wie im Krieg“, sagte er. Schließlich handele es sich beim Tägermoos um „Konstanzer Eigentum, das wir nicht betreten dürfen“. Die mitunter geäußerte Idee, Schweizer Gartennachbarn könnten ja unterdessen aushelfen, hielt – nicht nur – Kumm für Unsinn. Zumal ja das Wasser noch nicht einmal angestellt wurde.

In einer am 31. März verschickten städtischen Pressemitteilung hieß es: „Oberbürgermeister Uli Burchardt hatte sich persönlich für eine Lösung in der Frage des Grenzübertrittes für Kleingärtner im Tägermoos eingesetzt. Doch nachdem in der Schweiz auch für Schweizer die Bewegungsfreiheit aufgrund des Coronavirus eingeschränkt worden war, meldete die eidgenössische Grenzwacht keinerlei Spielraum in dieser Sache.“ Dennoch blieb die Stadtverwaltung an diesem Thema dran und versuchte eine Lösung zu erwirken, die nun erst Wochen später erzielt werden konnte. (cab/sg)