D – Konstanz | Mit einem wahren Feuerwerk an Veranstaltungen geht die Konzilstadt ins letzte Jubiläumsjahr. Vom Lyrikfestival Minne meets Poetry bis zum Side-by-Side-Konzert mit Amateuren und Profis ist der Terminkalender vollgepackt. Das Abschlussjahr ist dem etwas schrägen Oswald von Wolkenstein gewidmet und mit ihm dem europäischen Kulturaustausch. Wolkenstein als Ritter, Minnesänger, Komponist und Diplomat – seine Tätigkeitsfelder versprechen Spannendes für 2018, dem Jahr der Kultur.

Wolkenstein gilt als Superstar des Konstanzer Konzils. 1415 kam er in diplomatischer Mission an den Bodensee. Das sprachliche Wirrwar in Konstanz inspirierte ihn zu verschiedenen Dichtungen. Er begeisterte nicht nur das adelige Publikum, sondern liebte es, in den Weinstuben der Stadt mit seinen Balladen zu unterhalten. Manch spitzer Vers amüsiert noch heute seine Leser. Legendär sind viele seiner (Schimpf-) Lieder wie etwa „Denk ich an den Bodensee, tut mir gleich der Beutel weh“. Seine Studie über zwölf Arten von Rauschzuständen findet sich 2018 in Form von Trinksprüchen auf Bierdeckeln in Konstanzer Kneipen wieder.

Neben Wolkenstein regte das Konstanzer Konzil auch in den nachfolgenden Jahrhunderten zahlreiche Künstler an. Egal ob Literatur, Gemälde, Skulpturen, Theater, Oper oder andere Kunstformen. Das Jahr der Kultur verspricht 2018 nun Kultur für alle. Über 20 Veranstaltungen versprechen Abwechslung, bis es am 22. Juli zum großen Finale kommt!

Künstler: www.designstudio-eminent.de

Den Auftakt macht die Literatur. Mit einer Vernissage startet am 1. März das Ausstellungsprojekt „(w)ortverliebt in Konstanz“. Studierende der Uni und der HTWG vermitteln medienübergreifend auf kreative Art die Gedichte Wolkensteins. Dazu gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm von Saxophon-Improvisationen zu vorgetragenen Wolkenstein-Texten (Sax, Sekt und Minnegesang, 6. März, 19.30 Uhr, TURM am Kulturzentrum) bis hin zu ganz praktischen Vorträgen „Wie schreibt man Liebeslieder auf“ (13. März, 19 Uhr, TURM am Kulturzentrum). Parallel findet vom 07. bis 11. März das Literaturfestival „Minne meets Poetry“ statt: Eine Reise durch 600 Jahre Poesie mit 18 Veranstaltungen sowohl an bekannten Veranstaltungsorten wie dem Kulturladen oder dem Kulturzentrum K9 als auch an ungewöhnlichen Orten wie den Weinstuben in der Altstadt. Spannung verspricht das Crossover „Tonwechsel unlimited“ am 11. März: Rap meets Orchestra.

Musikalisch wird es, wenn in Kooperation mit SWR2 das Musikfestival Europäische Avantgarde um 1400 stattfindet. Ordo Vitutum, ein Spezialensemble für Musik des Mittelalters, präsentiert am 19. April um 20 Uhr im Konstanzer Münster eine Liturgie zur Vesper, dem feierlichen Abendlob der Kirche. Am 20. April um 20 Uhr gibt Benjamin Bagby, einer der versiertesten und innovativsten Interpreten mittelalterlicher Musik, mit seinem Ensemble Sequentia im Concept Store St. Johann autobiografische Lieder Oswald von Wolkensteins zum Besten sowie Instrumentalstücke basierend auf Wolkensteins Melodien.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt ist die sogenannte Oper im Stadtraum „La Juive“ mit elf Vorstellungen zwischen 14. Juni und 9. Juli. Das Stück beginnt im Innenhof des Kulturzentrums am Münster, bevor die Besucher in den Concept Store St. Johann und schließlich in die Lutherkirche geführt werden. Die Wege zwischen den Spielorten sind in die Inszenierung eingewoben. „Wir haben kein ausladendes Orchester, aber wir haben etwas, was uns keiner nehmen kann: die original Schauplätze!“, freut sich der Intendant der Südwestdeutschen Philharmonie, Beat Fehlmann. La Juive soll durch eine moderne Interpretation überzeugen, bei der dennoch der Charme der historischen Orte auf das Publikum wirkt.

Doch nicht nur Musik und Literatur werden geboten. Das Motto ist schließlich „Kultur für alle!“. So finden neben zahlreichen Ausstellungen beispielsweise ab April bis in den Oktober hinein auch Segelfahrten mit der historischen Lädine St. Jodok ab Hafen Konstanz statt. Und vom 21. bis 25. Mai heißt es bei der Kinderakademie: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ Kinder zwischen 8 und 10 Jahren werden hier zu Entdeckern und Botschaftern ihrer Heimat. Im Zentrum stehen dabei Experiment und Spiel. Die Teilnahme ist dank Sponsoren kostenlos.

Bild aus der Richental-Chronik

Und was wäre das Konziljubiläum ohne Gottesdienste! Anders als vor 600 Jahren werden diese im Jubiläumsjahr jedoch nicht mehr ausschließlich katholisch abgehalten, sondern ökumenisch, sodass alle Religionen eingeladen und angesprochen werden. Hierfür wurde 2008 von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen unter dem Motto „Unterwegs zur Einheit im Glauben“ eigens eine Ökumenische Projektgruppe Konziljubiläum gegründet. Anlässlich der Schlusssitzung des Konstanzer Konzils findet am 22. April um 17 Uhr ein Gottesdienst im Münster statt.

Das große Finale des fünf Jahre dauernden Konziljubiläums wird am 22. Juli von 11 bis 19 Uhr auf dem Stankt-Stephans-Platz zelebriert! Den Auftakt macht die Südwestdeutsche Philharmonie mit einem Side-by-Side-Konzert. Alle haben hier die Möglichkeit, gemeinsam mit den Profimusikern aufzutreten und den Auftakt zum Abschlussfest aktiv mitzugestalten. Den Abschluss der Feierlichkeit bildet ein interreligiöses Friedensgebet verschiedener in Konstanz vertretenen Religionen.

Oswald von Wolkenstein wäre sicher stolz, wenn er mitfeiern könnte.

600 Jahre Konstanzer Konzil – Europa zu Gast

Drei Päpste, die gleichzeitig Anspruch auf den Stuhl Petri erhoben, eine geteilte Christenheit, politische Auseinandersetzungen in ganz Europa: Um Lösungen für diese Probleme zu finden, kamen 1414 – 1418 in Konstanz weltliche und geistliche Machthaber zusammen. Der größte Erfolg war die Beendigung der Kirchenspaltung mit der Wahl von Martin V. zum neuen Papst. Kulturelle, erlebnisorientierte und wissenschaftliche Veranstaltungen schlagen 2014 – 2018 die Brücke vom historischen Ereignis zu Gegenwart und Zukunft.

Alle Veranstaltungen auf www.konstanzer-konzil.de und auf www.facebook.com/ konzilstadt