Er lässt sich von vorbeiziehenden Landschaften inspirieren und von mathematischen Kenntnissen leiten. Gepaart mit einer großen Leidenschaft für die Musik schafft Frédéric Bolli so seit mehr als 30 Jahren Werke für die klassische Musik – obwohl er Chansons seine Einstiegsdroge nennt …

„Mit der Musik von Gilbert Bécaud und Édith Piaf bin ich in der französischen Schweiz groß geworden. Später habe ich dann selbst Chansons mit deutschen, etwas skurrilen Texten geschrieben“, schmunzelt der Komponist. Vor Kurzem hat er 16 Gedichte aus Michael Endes „Trödelmarkt der Träume“ vertont und zum dreijährigen Bestehen der Kunstgrenze Konstanz-Kreuzlingen schrieb er eine Komposition für Oboe, Violine und Bassklarinette. Eine vielfältige Palette, doch die Klassik ist sein Hauptressort.

fredericbolli

Zunächst studierte Bolli Mathematik, Physik und Musikwissenschaften in Zürich. Eine gelungene Kombination: „Die Mathematik ist eine reine Kunst“, schwärmt Bolli und erzählt von Abständen und Intervallen, die sowohl in der Mathematik als auch in der Musik zu finden seien. Neben seiner Lehrtätigkeit am Gymnasium in Frauenfeld hat sich Bolli später dann mehr und mehr seinen eigenen musikalischen Kompositionen gewidmet. Zunächst autodidaktisch, später dann professionell: „Ich habe vor allem gelernt, aus der Vorstellung etwas zu entwerfen. Wenn ich unterwegs bin, am See oder mit der Bahn, lasse ich mich inspirieren. Später kommen dann Skizzen aufs Notenpapier, bevor ich diese danach am Klavier quasi kontrolliere.“ Obwohl Bolli ausschließlich Klavier spielt, kann er ohne Weiteres Werke und Arrangements für andere Instrumente notieren: „Die Musik entsteht im Kopf.“

fredericbolli2

Nicht nur instrumental, auch für Chöre hat er bereits viel geschrieben und leitete die Vokalensembles più mosso in Winterthur und dezibella in Konstanz. Sein Herz schlägt für Mozart und auch für Schubert, „der mich vor allem als Sänger fasziniert.“ Bollis Bassbariton-Stimme war unter anderem bei der Rathausoper in Konstanz zu hören. Leben möchte er allerdings nicht im 19. Jahrhundert: „Ich leide zwar oft an der Gegenwart, finde Entwicklungen beängstigend, lebe aber trotzdem lieber jetzt.“ Sowieso ist für ihn Musik zeitloser als Malerei oder Literatur. Wohlwissend, dass es heute ob der Vielfalt und der Konkurrenz auch schwieriger ist, nutzt er die neuen Medien bewusst. So ist er etwa auch auf Youtube präsent. Derzeit steht er allerdings in den Startlöchern für die Organisation einer Reihe von Konzerten im November und Dezember.

Solorezital mit Pianistin Vera Müllerová
05.11., 20 Uhr Kulturzentrum am Münster | D-78462 Konstanz
06.11., 11 Uhr Villa Bosch | D-78315 Radolfzell

Concerto Constanz
26.11., 20 Uhr + 27.11., 11 Uhr+19 Uhr | Weißer Saal Schloss Mainau | D-78465 Insel Mainau

Weitere Termine auf www.bollimusic.de/news

Foto: Ursula Litmanowitsch