Schon die alten Kelten haben Burgen gebaut. Sie hatten freilich eine andere Struktur als später die Ritterburgen des Mittelalters. Doch befestigte Wehranlagen gab es zu fast allen Zeiten.  Davon kündet die zwölfte Auflage der beliebten Sonderausstellung „Archäologie & Playmobil“ im Archäologischen Landesmuseum in Konstanz, das in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiert.

Wie ein riesiges Wimmelbild wirkt die neue Sonderausstellung in der Reihe „Archäologie & Playmobil“. Diesmal erzählt sie – entsprechend ihrem Untertitel – „Burggeschichten“. Hunderte von Playmobil-Figuren erleben spannende Abenteuer und geben einen Einblick in das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner von Burgen in verschiedenen Epochen. So bereitet sich zum Beispiel die Besatzung eines spätantiken Burgus auf großen Ärger vor, denn vom Fluss her nähern sich Angreifer. In einer mittelalterlichen Motte – einer Turmburg auf einem Erdhügel – tummeln sich tapfere Ritter und edle Burgfräulein, während eine spätmittelalterliche Adelsburg unter Kanonenbeschuss steht. Mit solchen Szenerien ermöglicht das Archäologische Landesmuseum (ALM) in Konstanz einen spielerisch-unterhaltsamen Zugang zu Themen der Archäologie und baut dabei auf wissenschaftliche Fakten auf. 

Entstanden ist die Idee zu diesem Ausstellungsformat im Jahr 2005, umgesetzt wurde sie erstmals im Jahr 2006 unter dem Motto: „Eine Spielreise zu Rittern, Wikingern und Römern“. Seither haben die Playmobil-Figuren im ALM schon viele Zeitreisen unternommen: Sie waren unter anderem im Reich der Pharaonen, lebten in stein- und bronzezeitlichen Pfahlbauten, erkundeten die Machtzentren der Kelten, stellten zentrale Ereignisse des Konstanzer Konzils nach und begaben sich auf eine Reise durch 5000 Jahre Schifffahrt. Längst ist die Reihe „Archäologie & Playmobil“ fester Bestandteil im Jahresprogramm des ALM geworden und bei Kindern genauso beliebt wie bei Erwachsenen.

Eingebettet sind die Spielfiguren in detailgetreu erstellte Kulissen. Je nach Thema werden die Figuren neu eingekleidet, Gebäude mit viel Aufwand rekonstruiert, Geräte- und Werkzeugminiaturen nach archäologischen Erkenntnissen gefertigt. Denn vieles, was für die Darstellung historischer Themen benötigt wird, gibt es in der Produktpalette des Spielfigurenherstellers gar nicht. Deshalb werden viele Requisiten zum Beispiel aus Stoff genäht, in Silikonformen gegossen, aus Fimo geknetet oder inzwischen auch am 3D-Drucker erstellt. Um den Ausstellungsbesuch noch interessanter zu machen, versteckt das ALM-Team jedes Mal auch einige Dinge, die dort nicht hingehören. So entsteht ein spannendes Fehlersuchspiel.

Das ALM besteht seit 30 Jahren

Die neue Sonderausstellung „Archäologie und Playmobil – Burggeschichten“ startet am 13. März – genau einen Tag vor dem 30. Geburtstag des Archäologischen Landesmuseums. Es ist am 14. März 1992 im Konventsgebäude der ehemaligen Benediktinerabtei Petershausen eröffnet worden und zeigt auf rund 3000 Quadratmetern einzigartige Funde aus Baden-Württembergs Vergangenheit von der Jungsteinzeit über das Mittelalter bis in die späte Neuzeit. Wegen der Corona-Pandemie findet der Festakt zum Jubiläum allerdings nicht im März statt, sondern am 9. Juli, gleichzeitig mit der Eröffnung einer weiteren Sonderausstellung. Sie trägt den Titel „Mittelalter am Bodensee“ und befasst sich mit dem Wirtschaftsraum zwischen Alpen und Rheinfall in den Jahren 1000 bis 1500 n. Chr. Wasserwege spielten für die damaligen Handelsbeziehungen eine große Rolle, Städte einigten sich auf einheitliche Währungssysteme, Handwerker produzierten eine Vielzahl von Waren, Leinengewebe war ein Exportschlager. Darüber gibt diese Ausstellung ebenso Auskunft wie über das Alltagsleben der Menschen, ihre Gesundheit und ihre Glaubensvorstellungen.

ab 13.03. | „Archäologie und Playmobil – Burggeschichten“
ab 09.07. | „Mittelalter am Bodensee – Wirtschaftsraum zwischen Alpen und Rheinfall“
Archäologisches Landesmuseum Baden-Württemberg
Benediktinerplatz 5
D-78467 Konstanz
www.alm-bw.de

Text: Ruth Eberhardt
Fotos: Archäologisches Landesmuseum Konstanz