„Paula und Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch“

Lindau setzt seine erfolgreiche Ausstellungsreihe zu Künstlern der klassischen Moderne fort und nimmt erstmals eine Frau als Protagonistin dieser Zeit in den Blick: Das Lindauer Kunstmuseum am Inselbahnhof zeigt 2020 ausgewählte Werke des Künstlerpaars Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn.

Otto Modersohn, Elsbeth Modersohn und Paula Modersohn-Becker, 1902 © Paula-Modersohn-Becker-Stiftung, Bremen

Lindau ist seit Jahren ein wichtiger Anziehungspunkt für Kulturinteressierte aus Nah und Fern. Nach Picasso, Chagall, Matisse, Miró, Klee, Nolde, Macke und Hundertwasser widmet Lindau seine Sonderausstellung einem der bedeutendsten Künstlerpaare des frühen 20. Jahrhunderts – Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn. Die hochkarätigen Leihgaben der Paula-Modersohn-Becker-Stiftung (Bremen), der Otto-Modersohn-Stiftung (Fischerhude) sowie Werke aus namhaften Museen und Privatsammlungen bringen die Arbeiten zweier herausragender Künstler in den Dialog und behandeln die Themen Liebe und Kunst im Aufbruch zur Moderne. Unter den präsentierten Meisterwerken finden sich ausdrucksstarke Kinderbildnisse, farbenprächtige Stillleben sowie stimmungsvolle Gärten und Landschaften.

Geprägt von Respekt und Zuneigung

Otto Modersohn (1865-1943) war bereits ein etablierter Landschaftsmaler und Hauptvertreter der Worpsweder Künstlerkolonie, als er mit 34 Jahren die junge, lebensfrohe und hochtalentierte Paula Becker (1876-1907) kennenlernte. Ihre intensiv auf die Kunst ausgerichtete Ehe war von tiefer Zuneigung und großem gegenseitigem Respekt geprägt. Sie teilten eine Vorliebe für die fortschrittliche Malerei der Franzosen, setzten diese aber unterschiedlich in ihren Bildern um. Während Otto nach dem Vorbild der französischen Freilichtmalerei großartige Stimmungsbilder der Natur malte und am liebsten in der ländlichen Abgeschiedenheit arbeitete, interessierte sich Paula vor allem für die Darstellung von Menschen im freien Umgang mit Farben und vereinfachten Formen.

Paula Modersohn-Becker, Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, um 1905,
© Von der Heydt-Museum Wuppertal/Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal

Pionierin der Moderne

Es zog sie immer wieder in die pulsierende Kunstmetropole Paris, wo sie selbstbewusst ihren Malstil weiterentwickelte und Meisterwerke der frühen Moderne schuf. Obwohl sie in der damals von Männern dominierten Kunstwelt nur wenig Anerkennung erhielt – mit Ausnahme ihres Mannes, der früh erkannte, wie bahnbrechend modern die Kunst seiner Frau war. Seiner Unterstützung ist es zu verdanken, dass Paula heute als Pionierin der Moderne gilt. Vor diesem Hintergrund zeigt die Ausstellung auf spannende Weise, wie Otto und Paula vor ein- und demselben Motiv zu ähnlichen oder sehr individuellen Bildlösungen fanden, wie sie die Werke des anderen kritisch in den Blick nahmen, aber auch voneinander lernten – bevor Paula im Alter von nur 31 Jahren kurz nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter am Höhepunkt ihrer Schaffensjahre verstarb. Mit der Sonderausstellung „Paula und Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch“ richtet das Lindauer Kunstmuseum seine Aufmerksamkeit zum ersten Mal auf eine Frau als Heldin der Moderne und auf eine für diese Zeit außergewöhnlich moderne Künstlerbeziehung. (dos)

04.04.-27.09.ǀ Lindauer Kunstmuseum am Inselbahnhof, Maximilianstraße 52, D-88131 Lindau ǀ +49 (0)8382 27 47 47 850 | www.kultur-lindau.de | täglich 10-18 Uhr

Beitragsbild: Otto Modersohn, Elsbeth im Garten (Aus meinem Garten), 1903 © Otto-Modersohn-Stiftung, Fischerhude