3 Autos, 6 Personen, 10 Länder, 24 Tage, 7.000 Kilometer – so lautet die Formel für jede Menge Abenteuer. Zu haben bei der Europa-Orient-Rallye, die als eine der wichtigsten, aber eben auch verrücktesten Motorsportveranstaltungen für Hobby-Rallyefahrer gilt. Mit dabei sind dieses Mal auch drei Jungs aus der Großstadt Bodensee.

Hauptgewinn: 1 Kamel, welches sie nicht mal mit nach Hause nehmen würden. Und dafür nehmen sie die Strapazen auf sich, 22 Nächte unter freiem Himmel oder im Zelt zu schlafen und auf Tausenden von Kilometern, in ihren rund 20 Jahre alten Autos, Blasen am Hinterteil zu riskieren? Muss man nicht verstehen. Kann man aber. Spätestens wenn man mit dem gebürtigen Allensbacher Nico „Nixi“ Engelmann (2. v.r.) ins Gespräch kommt, der im Team unter anderem den Hut in Sachen Marketing aufhat. „Es macht einfach Spaß, an Orte zu reisen, wo man so normalerweise nicht hinkommt“, so der 28-Jährige. Während eines Auslandspraktikums in Malaysia machte er beispielsweise auch einen Abstecher in den Urwald. Neben dem Abenteuer gehe es ihm aber auch immer um Völkerverständigung. Eine der Grundvoraussetzungen für die Europa-Orient-Rallye.

Vor 15 Jahren wurde dieses Rennen als Allgäu-Orient-Rallye gegründet. Der Hintergedanke: Es soll eine Veranstaltung für alle Rallyebegeisterten sein, die sich aber Paris-Dakar & Co nicht leisten können. Daher limitieren die Vorgaben auch sehr streng: Zugelassen werden nur Fahrzeuge, die mindestens 20 Jahre alt sind und maximal 999,99 Euro gekostet haben. Und wer nicht im Zelt übernachten mag, darf höchstens 11,11 Euro für ein Hotel ausgeben. Der Veranstalter kann wohl zu Recht behaupten, dass es „eines der letzten automobilen Abenteuer dieser Welt“ ist. Eines, auf das sich mit Nico Engelmann auch seine langjährigen Freunde Clemens Böhler (2. v.l.) aus Allensbach und Max Bertels (Bild Mitte) aus Dettingen einlassen. Die drei kennen sich schon aus Schulzeiten und haben alle Ingenieurwesen studiert – sicher keine schlechten Voraussetzungen für solch ein Projekt. Die Idee zur Rallyeteilnahme hatte übrigens Clemens, der als Umweltingenieur für einen Wasserkraftwerksbetreiber arbeitet, zusammen mit Michael Strohmer (Bild rechts), Mediendesigner in München. Da die Regeln der EOR besagen, dass ein Team aus sechs Personen bestehen muss, hatten die beiden Ideengeber im Mai 2019 im Freundeskreis gefragt, und Nico, der als Entwicklungsingenieur an einem BMW-Projekt für autonomes Fahren in München arbeitet, und Max, der mittlerweile als selbständiger Unternehmer mit Wasserpfeifen handelt, waren schnell überzeugt. „Durch Zufälle passieren die besten Sachen“, bringt es Nico auf den Punkt.

Mit Spaceshuttles zum Ziel

Über das Online-Portal des Veranstalters wurden dann noch die Stuttgarter Matthias „Matze“ Jiskra und Verena Schlegel für das Team Apollo 089 (in Anlehnung an die Mondlandung und Müncher Vorwahl) gefunden. Matze versteht als Schornsteinfeger-Meister auch etwas von Mechanik und Verena  arbeitet im Ersatzteileinkauf von Mercedes Benz – das Team scheint perfekt. Und die Fahrzeuge sind auch auf dem besten Weg dazu. „Der Fuhrpark ist mit unseren drei Spaceshuttles Buzz, Neil und Mike, alles rund 20 Jahre alte Mercedes’, komplett. Fehlt aber noch die TÜV-Abnahme – das ist die größte Herausforderung“, schmunzelt Nico. Um die Fahrzeuge zeitnah flott zu bekommen, sucht das Team noch Sponsoren. Neben Geld sind auch Sachspenden wie etwa Reifen  oder Werkzeug willkommen. Zudem möchten die sechs, ganz im Sinne des Veranstalters, auch Sachspenden für humanitäre Hilfe vor Ort, wie etwa Waisenhäuser entlang der Route, mitnehmen. „Unser Antrieb sind – ganz klarAbenteuer und Begegnungen, aber allem voran unterstützen wir den Charity-Gedanken der Rallye, sich für die Verbesserung der Lebensumstände bedürftiger Menschen einzusetzen.“ Und wenn sie das Kamel gewinnen (dafür sei übrigens Max zuständig), dann bleibt auch das für einen guten Zweck vor Ort.

09.05.-01.06. | www.europa-orient-rallye.de

Wer Apollo 089 und mit ihnen soziale Projekte während der Rallye unterstützen möchte, kann sich melden über engelmann-nico@web.de oder über Instagram @apollo89_racing. Möglich sind Sachspenden oder das Buchen von Werbeflächen auf den drei Fahrzeugen. www.apollo089racing.com