Wir sind Apollo – vom Kino zum Kulturhaus

Großes Re-Opening nach der Sommerpause am 31.08., 17 – 23 Uhr
Im sommerlich wilden Garten wird gefeiert unter dem leuchtenden Vollmond.
Musikalisches Highlight ab 18.30 Uhr : Live Act „Janayna & the Latin Section“ mit Gesang, getragen von Bass-Gitarre, Piano, Percussion und Drums. Ein Hochgenuss direkt aus der Popfactory Kreuzlingen zwischen Latin, Soul und kubanisch-brasilianischem R’n’B.

Eintritt frei

Barbara Haller kaufte 2021 das Apollo-Kino in Kreuzlingen. Für die Wiederbelebung des alten Gebäudes am Bahnhof Kreuzlingen zog es sie von Zürich an den Bodensee. Warum übt diese Immobilie so eine starke Anziehungskraft auf sie aus? Auch den Architekten und Gastronomen Thomas King ließ die ehemalige „Revolverküche“, wie das Kino im Volksmund genannt wurde, nicht kalt. Was bedeutet Denkmalpflege für ihn?

akzent: Seit Anfang des Jahres habt ihr die Baubewilligung. Die Teilnahme an der Kunstnacht hat dann gleich viele Interessierte ins Haus gespült. Wie ging es weiter?

Barbara Haller: Die Kunstnacht war der Startschuss fürs Apollo. Sie zog einen Riesenschritt für die Instandsetzung des Gebäudes mit sich. Jetzt haben wir einen Saal mit Bühne und Bar für bis zu 300 Personen mit dem Charme eines alten Kinos. Einen verwunschenen Garten mit urbanem Flair, gleich in Bahnhofsnähe und eine Cafébar im alten Foyer, Atelierräume und Arbeitsplätze für Mitglieder des Apollo Kulturvereins. Nach der Sommerpause starten wir frisch in alten Gemäuern.

akzent: Was ist in den letzten Monaten noch passiert?

Barbara Haller: Bei der Kunstnacht war vieles noch provisorisch. Bar, Technik etc. haben wir optimiert. Jetzt schaffen wir noch eine Verbindung zwischen Bar und Gartensalon. Die Räume sollen je nach Bedürfnis der Veranstaltung oder unserer Gäste modular nutzbar sein. Wir haben verschiedene Möblierungen zusammengekauft, Vintage mit Neuem gemischt und den Garten nach und nach in Besitz genommen.

Thomas King: Den Garten haben wir jetzt erst richtig entdeckt als zusätzlichen Ort, als Raum für Begegnungen.

akzent: Soll der Garten jetzt auch mehr genutzt werden?

Thomas King: Er ist noch mal ein ganz anderer Ort verglichen zum Inneren, man erlebt andere Blickwinkel. Es ist kein Biergarten, sondern ein leicht bestuhlter Hofgarten.

Barbara Haller: Der Garten wurde bereits für Veranstaltungen vermietet. Er eignet sich für einen Markt ebenso wie für eine Hochzeitsfeier im Grünen. Mit alten Bäumen gesäumt, bietet er Schatten und Wildwuchs, genauso wie geräumige Flächen, die man zu verschiedensten Anlässen bespielen kann. Neu ist eine Grillhütte, die man mit Kohlen oder Eis bestücken kann.

akzent: Gibt es Kooperationen?

Barbara Haller: Die Kunstnacht hat Kontakte eröffnet. Wir sind ins Gespräch darüber gekommen, welche Veranstaltungen im Bereich zeitgenössischer Kunst es in Kreuzlingen gibt und wo Potenzial für eine Zusammenarbeit bestehen könnte, beispielsweise mit dem Kunstraum Kreuzlingen. Aber es gibt noch nichts Konkretes.

akzent: Thomas, wie bist du zum Apollo gekommen?

Thomas King: Das Apollo ist zu mir gekommen. Ich war fast neun Jahre auf der Reichenau an der Sandseele, ein ganz anderer Ort. Ursprünglich habe ich Architektur studiert und bin einfach ort- und rauminteressiert. Am Apollo bin ich immer vorbeigefahren und dachte: „Toll, das alte Gebäude hat so etwas Urbanes“. Als es dann mit der Kunstnacht und den Vollmond-Apéros eröffnet hat, habe ich Kontakt aufgenommen und jetzt bin ich dabei. Mir ging es anfangs nur um den Ort. Ich hatte Interesse daran, ein Fundament zu schaffen, das dem Apollo Leben einhaucht.

akzent: Als Architekt warst du in New York und Berlin. Wie kamst du zur Gastronomie?

Thomas King: Ich habe früher für den in Konstanz „legendären“ Donat Heppeler gearbeitet, das hat mir den Zugang zur Gastronomie eröffnet: Rheinterrasse, Tanzschiff und mehr. Er hat aus allen Orten etwas Besonderes gemacht. Ich möchte Orte für Leute öffnen, auch wenn sie dort nur einen Kaffee trinken oder die Zeitung zu lesen.

akzent: Was findet nach der Sommerpause im Apollo statt?

Barbara Haller: Die Cafébar wird an vier Tagen die Woche geöffnet sein, Mittwoch bis Samstag jeweils 17 bis 23 Uhr und die Räume können für Veranstaltungen angemietet werden. Weiterhin gibt es jeden Monat eine Vollmond-Party. Andere wiederkehrende Programmpunkte werden nach und nach etabliert.

akzent: Und es gibt ja noch das Artfoyer.

Barbara Haller: Alle zwei Monate stellt ein*e Einzelkünstler*in aus. Jetzt hatten wir Sebastian Kuban aus Konstanz und Ende September geht es los mit Nika Timashkova aus Basel.

akzent: Wer kuratiert das?

Barbara Haller: Das machen wir im Verein gemeinsam mit der Künstlerin Anna Appadoo, die auch ihr Atelier im Apollo hat.

Open Bar/ Café – immer Mittwoch bis Samstag von 17–23 Uhr

akzent: Wie wird das gastronomische Angebot im Apollo aussehen?

Thomas King: Neben einem breiten Angebot an klassischen und besonderen Getränken haben wir uns im Rahmen der Möglichkeiten überlegt, bei speziellen Veranstaltungen den jeweils passenden Caterer einzusetzen, das ist unsere Freiheit. Wir haben keine eigene Küche. Wenn, dann gibt es Kleinigkeiten, je nachdem, was Region und Saison gerade bieten. Auch hier wollen wir uns nicht festlegen. Das Kulinarische ist uns wichtig, aber wir sind kein Restaurant. Wir bauen ein Kulturhaus, dazu gehört auch eine gute Bar für Begegnungen. Begleitend zu jedem Auftakt des Ausstellungsformats Artfoyer gibt es die entsprechend thematisierte Tavolata.

akzent: Habt ihr euch eine Grenze gesetzt, wie viel ihr sanieren wollt? Soll alles, was nach Denkmalschutzrichtlinien erlaubt ist, erneuert werden, oder bleibt der Zahn der Zeit auch sichtbar?

Barbara Haller: Dieses Thema kommt bei den Rollläden immer wieder auf, manche mögen den Shabby-Chic-Style, anderen sind sie ein Dorn im Auge. Wir sind eine Gesellschaft, die immer gern an der Fassade putzt, anstatt zu schauen, was drin ist. Uns ist wichtiger, was drin ist, darauf liegt unser Fokus. Wir haben gewisse Dinge gar nicht angefasst, aber das, was wir anpacken, renovieren wir mit Qualität.

Thomas King: Wenn zu viel verändert wird, wäre der Ort auch weg. Seit wir geöffnet haben, wird viel übers Apollo erzählt, Erinnerungen wie „Früher ging mein Vater hier ins Kino“. Den Ort bewahren – so sieht Denkmalpflege für uns aus.

Barbara Haller: Wir werden versuchen, ohne die Fassade grundzusanieren, einige Akzente zu setzen. Frisch kombiniert mit Shabby-Chic. Es geht nicht darum, alles total aufzupolieren. Da würde es schwierig, den Charme zu behalten. Als ich es gekauft habe, hat es reingeregnet, also es gibt durchaus auch Baustellen, die angegangen werden müssen.

Thomas King: Behutsam und mit Respekt vor dem Gebäude.

akzent: Auf der Website beschreibt ihr das Apollo als Kulturhaus klarer Vision. Ein scharfer Blick für Qualität soll den positiven Unterschied für die Region ausmachen. Was impliziert ihr damit?

Barbara Haller: Was uns ausmacht, ist schon auch das Grenzüberschreitende. Ich lerne Kreuzlingen gerade erst kennen. Für viele Schweizer*innen ist diese kleine Stadt so gar nicht auf der Landkarte, weil sie nur zum Einkaufen nach Konstanz durchfahren. Viele Deutsche passieren sie auf ihrem Weg zur Arbeit. Es ist Zeit für einen Ort, der für Menschen beidseitig der Grenze gleichermaßen offen und interessant ist. Diesbezüglich war die Kunstnacht schon ein Erfolg und macht Mut zu sagen, lasst uns das ein bisschen aufwecken. Ich glaube, ein Hauptaspekt fürs Apollo ist, etwas, das schon da ist, wiederzubeleben. Es ist denkmalgeschützt und es geht uns darum, zu schauen, was wir damit in der heutigen Zeit machen. Es kommen viele Leute rein, die eine Sehnsucht nach genau so etwas haben. Wir wollen dem Alten wieder Leben geben, mit Räumen, die unterschiedlich erfahren und genutzt werden können. Das fängt an bei den Ateliers im Obergeschoss und unserem Meetingraum mit dem alten Projektor und reicht bis zum Kinosaal, der heute eine lange Gästetafel beherbergen kann, aber genauso auch eine Licht- und Sound-Live-Show.

akzent: Wo seht ihr den Unterschied zu Institutionen wie Kult-X und Trösch?

Barbara Haller: Das Apollo spricht alle Sinne an. Es geht um Kultur, um Workshops, um eine klare Linie für eine kuratierte und liebevoll zusammengestellte Veranstaltungsvielfalt in den verschiedenen Kreativ- und Kunstdisziplinen. Genuss zum Hören, Anfassen und Mitmachen. Erstaunliches zum Ansehen, ein ungewöhnliches Setting zum Zusammenkommen. Wir öffnen uns auch für Mitglieder als Co-Working-Space. Im Gegensatz zu den städtisch subventionierten Unternehmen wie Trösch oder Kult-X sind wir rein privat. Bei uns können Räume auch unabhängig von einer Vereinsmitgliedschaft gemietet werden. Wir haben keine Vereine, außer unserem eigenen. Wir sind einfach nur Apollo.

akzent: Denkt ihr, das Apollo hat eine größere Anziehungskraft für Konstanzer*innen als andere Kreuzlinger Veranstaltungsorte?

Thomas King: Ich denke, es ist eine gute Ergänzung zu den anderen Angeboten und manche werden dadurch Kreuzlingen wieder neu entdecken.

Barbara Haller: Es liegt nicht weit vom Kult-X, nicht weit vom Kunstraum, alle sind nah an der Grenze. Da gibt es schon Potenzial, ein bisschen was in Bewegung zu bringen. Du kannst am Bahnhof aussteigen und bist gleich an allen drei Orten.

Thomas King: Wir wollen auch Berührungsängste zu einem Kulturort abbauen und die Nachbarschaft miteinbeziehen. Auch Kinder können hier rumtoben und reingehen. Und ein elementarer Teil unseres Angebots wird natürlich die Vermietung unserer Räume sein.

akzent: Wer ist für den „scharfen Blick“ für Qualität verantwortlich, den ihr in eurer Philosophie auflistet?

Barbara Haller: Das sind wir alle.

Thomas King: Das ist uns allen ein Anliegen. Wir bringen Interesse für Kunst und Kultur mit.

Barbara Haller: Es gibt ja eigentlich alles schon. Es geht vielleicht gar nicht so sehr drum, sich zu unterscheiden, sondern zu dem zu stehen, wer wir sind, was hier ist, ein Ort zu sein, wo sich noch Dinge entwickeln.

Thomas King: Für uns ist das eine neue Zeit. Das Haus war ursprünglich ein Kino, es ist also eine Performance vom Ort selber. Ein Spiel zwischen Kultur, Café und Begegnung an einem einzigartigen Platz.

Barbara Haller: Offensichtlich haben wir einen interessanten Raum, der viele anspricht, gut gelegen – das ist auch ein Punkt. Es geht jetzt drum, nach und nach die Räume zu füllen. Kultur kann alles sein, alles, was die Sinne anspricht. Wir wollen ehrliche Erlebnisse, nicht irgendeinem Trend nachrennen.

Apollo Kino
Konstanzerstr. 32
CH-8280 Kreuzlingen

www.apollokreuzlingen.ch

Fotos von Barbara Haller und Thomas King: (c) Judith Schuck

Fotos Innen/ Außenfläche: (c) Apollo Kreuzlingen