Wer aus der Schweiz oder aus Deutschland über die Grenze nach Vorarlberg fährt, sieht auch ohne große architektonische Bildung, dass hier moderner und anders gebaut wird, selbst ein Discounter sieht dort ansprechender aus.

Das hat sich in den letzten 40 Jahren entwickelt, und seit 20 Jahren ist das Vorarlberger Architektur Institut daran beteiligt, die Baukultur in die Öffentlichkeit zu bringen. Am 5. Mai feiert das Institut in Dornbirn sein Jubiläum. Aus diesem Anlass schauen wir zurück: Welche markanten Bauten sind damals entstanden, und was ist aus ihnen geworden? Vier Beispiele von öffentlichen Bauten aus dem nördlichen Rheintal, von Dornbirn bis Bregenz – eine kleine Auswahl von bekannten und weniger bekannten öffentlichen Bauten.

Der Kunst-Würfel

Das Kunsthaus Bregenz wurde nach siebenjähriger Bauzeit im Sommer 1997 eröffnet und ist seitdem eine der Ikonen der zeitgenössischen Architektur geworden, nicht nur für Vorarlberg, auch weltweit gesehen. Der Schweizer Architekt Peter Zumthor hat damit den „Mies van der Rohe Award for European Architecture“ gewonnen. Zumthor ist bekannt dafür, dass seine Bauten nicht jedes Mal gleich oder ähnlich aussehen, wie bei anderen Star-Architekten, etwa bei Mario Botta, bei dem eine Kirche, eine Bank oder eine Villa fast immer als Grundform einen Zylinder hat. Bei Zumthor ist von der Form und vom Material her jedes Werk anders, weil es genau für den Zweck und den Ort entworfen wird. Das Kunsthaus Bregenz sollte an der Seefront stehen und große Ausstellungsflächen für verschiedene Kunstformen enthalten. Deshalb steht es als Solitär in einer Reihe zwischen dem alten Postgebäude (1895) und dem Landestheater (1840/1955) und bietet einen schönen Kontrast zu diesen. Nur im Erdgeschoss hat es richtige Fenster, die oberen drei Stockwerke sind mit matten, undurchsichtigen Glasplatten verkleidet und enthalten jeweils einen großen Ausstellungsraum, sodass die Flächen für große Objekte und Installationen geeignet sind. Mit der Architektur wie auch durch die Ausstellungen (auf 1880 m² Ausstellungsfläche) zieht das Kunsthaus jährlich zwischen 40.000 und 50.000 Besucher an.

www.kunsthaus-bregenz.at


Das Rathaus-Schiff

Die Marktgemeinde Hard bei Bregenz ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen und hat mit 13.400 Einwohnern fast halb so viele wie die Landeshauptstadt selbst, ist aber viel weniger bekannt, außer durch das FKK-Gelände. Um ihre Verwaltung angemessen unterzubringen, hat sie sich vor gut 20 Jahren ein neues Rathaus geleistet. Der Bau ist trotz seiner Länge von etwa 75 Metern nicht leicht zu finden, weil er etwas abseits steht, der Gemeinde war dort ein Grundstück für diesen Zweck vererbt worden. Durch die von oben gesehen linsenartige Form, die einen Schiffsbug symbolisiert, sieht man von keiner Stelle aus die ganze Länge des Gebäudes, sodass es nicht so groß wirkt. Die türkise Farbe erinnert etwas an die 1990er-Jahre, heute ist sie etwas gewöhnungsbedürftig, und die etwas eigenwillige zackige Verkleidung der Fassade ist von der benachbarten Scheune abgeschaut. Im Inneren zeigt das Rathaus dann erst seine Qualitäten, es ist transparent, und die zentralen Flächen verbinden die einzelnen Verwaltungsbereiche. Von bekannten Vorarlberger Architekten wurde es damals verrissen als „komplette Entgleisung“, aber für die jungen Architekten (Thomas Klas + Christian Lässer) war es eine gute Referenz. Und die Gemeinde war stolz auf das neue „Wahrzeichen“.

www.hard.at


Der überdachte Platz

Wenige Kilometer südlich von Hard liegt Lustenau, mit 22.500 Einwohnern die größte Marktgemeinde Österreichs und eigentlich schon eine Mittelstadt. Trotzdem hat sie kein richtiges Zentrum oder gar eine Altstadt. Um wenigstens einen Platz zu schaffen, an dem die Leute sich begegnen können, wurde dem 1987 erbauten Reichshofsaal 1996 ein Geschäftsgebäude so gegenübergestellt, dass dazwischen ein großer Freiraum entstand. Dieser Kirchplatz wurde ein bisschen möbliert und mit blauer Farbe gestrichen, sodass er seitdem „Blauer Platz“ heißt, inzwischen ist die Farbe aber eher Grau. Die Besonderheit des Platzes ist das etwa 20 Meter weit ungestützt über den Platz ragende Dach des Einkaufszentrums Kirchpark, das damit fast die Hälfte des Platzes überdacht. Durch die Verkleidung des Daches aus Polycarbonatplatten sieht man die massive Holzkonstruktion. Damit ist der Bau auch ein Beispiel für die Vorarlberger Holzbaukunst und die Vorteile des Materials: Stabilität und Leichtigkeit.

www.lustenau.at


Der Flachland-Bauernhof

Aus dem Jahr 1996 ist auch der Vetterhof zwischen Lustenau und Dornbirn. Noch mehr als bei anderen Bauaufgaben zeigt sich bei einem Bauernhof, dass man auch in Vorarlberg in der flachen Ebene des Rheintals ganz anders baut als im Bregenzerwald. Der rechteckige Holzbau mit großem Innenhof ist durch seinen Hofladen auch öffentlich zugänglich.

www.vetterhof.at

Vorarlberger Architektur Institut, A-6850 Dornbirn | www.v-a-i.at