Das Projekt „Tiefenrausch“ des Bregenzer Kreativ-Winzers Joseph Möth hat am 4. Juli eines der zwei 1000 Liter Edelstahl-Fässer, die seit 417 Tagen auf dem Grund des Bodensees lagern, gehoben. Trotz schwieriger Sichtverhältnisse von maximal einem Meter in der Bregenzer Bucht gelang den Tauchern, was viele für unmöglich hielten. Ohne Orientierungspunkte bei 5 Grad Celsius und unter Zeitnot, schafften sie es, aus knapp 60 Metern Tiefe ein Fass zu heben. Großer Beifall und ein Winzer im Glück als das Fass wohlbehalten mit einem Kran an Land gehievt werden konnte.

Die Überraschung war groß, denn, wie eigentlich geplant, wurde der Chardonnay Weißwein nicht zuerst aus dem Lockdown gehoben. Versehentlich wurde der Rote, ein Cuvée aus Zweigelt und Shiraz, der eigentlich noch bis zum Frühjahr im Bodensee versenkt bleiben sollte, an die Oberfläche gebracht. Das konnte die Freude von Joseph Möth aber nicht trüben. Um so mehr als bei der Verkostung der Geschmack des Rotweins von allen Weinkennern vor Ort gelobt wurde.

Beide Weine lagern bereits seit Mai 2019 in ca 60 Metern Tiefe, kühl, dunkel und mächtig unter Druck (akzent berichtete seinerzeit bereits – übrigens als erstes Medium).

Quelle: VOL.AT: Bericht zu Möths Tiefenrausch

akzent Bericht aus dem Mai 2020:

Tiefenentspannt

Nach einem Jahr auf dem Grund des Sees hätte die Bergung eigentlich bereits im Mai 2020 erfolgen sollen. Doch Corona hat diesen Plan durchkreuzt. Die ungeplante Verzögerung tut dem Weissweinfass wohl eher gut, vermutet der umtriebige Winzer. Umso mehr freuen sich Möth und sein Expertenteam, das Fass – leicht verspätet – im Juli zu bergen und endlich den Wein zu verkosten. Neben dem Marketing-Gag, Wein in den Tiefen des Bodensees reifen zu lassen, ist es auch der experimentelle Gedanke den Möth umtreibt, weshalb er den Prozess wissenschaftlich begleiten lässt. Außerdem ist so auch die Brücke geschlagen von See zu (Wein)Berg.

Als letzten Mai 2019 die Fässer auf Tauchstation gingen, wurde das zum großen Spektakel: Begleitet von mehreren Tauchern, Schaulustigen und vor allem internationaler Presse. Seither lässt das Medieninteresse nicht nach. Insgesamt 5 Stunden haben damals 7 Taucher benötigt, bis alles sicher im metertiefen Schlick in völliger Dunkelheit stand.

Weinberg(ung)

Am 4. Juli nun wird eines der Fässer sicher ebenso aufwändig geborgen und mit einem – den Corona-Umständen geschuldeten, nicht ganz so großen Weinfest auf dem schön gelegenen Heurigen über Bregenz gefeiert.
Die Bergung beginnt am Hafen in Bregenz ab 11.00 Uhr. Von 12.00 bis 16.00 Uhr sucht Möth noch Mitstreiter, um in der Nähe die vier Stunden unterhaltsam verbummeln zu können, wobei Shoppen und Genießen in Bregenz selbst oder im nahen Lindau, die längere Mittagspause sicher wie im Flug vergehen lässt. Möths sieht denn auch seinen Event bewusst als Regionalmarketing, „möglichst viele sollten sich da dranhängen“, wünscht er sich.

Fassprobe

Ab 16.00 Uhr geht’s dann zur „Tiefenrauschparty“ (Achtung: begrenzter Platz, 60 Meter – 66 Euro, mit Heurigenbuffet Getränken unlimited und einer einmaligen Kostprobe des Tiefenrausch-Chardonnay direkt vom Fass. Eine 8er-Tischreservierung als Gruppe = Sitzplatzgarantie. Das Ganze findet Outdoor statt und ist daher Coronasicher und trotzdem Wetterfest.)
Das technisch herausfordernde Projekt war an viele Auflagen  gebunden und wird, nicht zuletzt aufgrund des Aufwandes, in dieser Art im Bodensee die Ausnahme bleiben.

Wie sich der Wein schlussendlich präsentieren wird, kann man indes nur vermuten. Mikrobiologisch sollten sich bei unterstellten konstanten 4 Grad Celsius keine signifikanten Veränderungen ergeben. Allerdings unterliegt auch der Bodensee der Klimaveränderung, und es zeigt sich, dass die bei den Fässern am niedrigsten gemessene Temperatur bei 5,6 Grad lag.Wie sich der Druck, die Tiefe, die Ruhe, die völlige Abgeschiedenheit, das Medium Wasser oder auch das energetisch völlig saubere Habitat nun auswirken wird, wird man sehen. Josef Möths Motto lautet denn auch,„Nicht versuchen ist nicht erfahren“!

See-Kultweine

Wer selbst seine Erfahrungen machen möchte mit den edlen Tröpfchen aus der Tiefe, der wird für die weltweite Einzigartigkeit des Projektes ebenso tief in die Tasche greifen dürfen. Die Weine sind logischerweise nur limitiert erhältlich und können ab sofort per mail subskribiert werden. Die Flaschen à 0,75 l sind nummeriert, vom Winzer handsigniert und in Einzelkartons verpackt.

Tiefenrausch Chardonnay ist voraussichtlich Ende August des Jahres 2020 verfügbar, Tiefenrausch Rot ab Mitte des Jahres 2021. Die Bezahlung erfolgt bei Erhalt der Ware. Preis € 101,— pro Flasche.Der Preis ist dem großen Aufwand geschuldet und der absoluten Limitierung.

So etwas wird wohl nie wieder genehmigt werden, geschweige denn, das sich den Stress jemand antut. Fässer in zwei Meter Tiefe in der Nähe des Ufers – sowas gibt’s immer wieder mal. Doch die enormen Druckverhältnisse in 60 Metern und der tauchtechnische Aufwand bleiben eine Herausforderung. Weltweit! Kein Wunder, dass das Projekt die Aufmerksamkeit der internationalen Presse bekam. Der Bodensee wurde so medial immerhin äußerst kreativ in den Fokus gerückt. Möth wünscht sich darum, dass möglichst viele Partner rund um den See davon profitieren und sucht kreative Mitstreiter, die sich einbringen wollen.

Weinsinnige gemeinsam aktiv

Möth führt aus: „Da wir mit geringem finanziellen Aufwand eine große Publicity generieren können, steht die Idee im Raum, uns als Region gemeinsam besser in Szene zu setzen. Egal ob Touristiker, Hoteliers, Gastro oder Handel, wer will und möchte oder eine Idee hat, um uns gemeinsam zu pushen, soll dies gerne kundtun. Kreativität ist gefragt. Bietet an, was es regional von hier gibt, beispielsweise Aktionen zum Thema ‚von der Höhe in die Tiefe`. Das können gerne auch andere Weine von Winzern vom Bodensee sein in einer gemeinsamen Kampagne. Das Wasser verbindet uns letztlich alle und von überall sehen wir die Berge. Höhepunkte und Tiefsinniges. Derzeit buhlt die ganze Welt doch um Touristen und Kaufkraft. Wir haben hier eine Möglichkeit, die bestehende Aufmerksamkeit gezielt mit zu nutzen, das ist doch eine tolle Chance, die man gemeinsam besser nutzen könnte!“ Aktionen und Ideen würden so auch über einen längeren Zeitraum wirken, mindestens noch so lang, wie der Wein im dunklen See lagert. Der Rote darf ja noch ein wenig länger…

Einen Vorgeschmack, ob sich der Invest für die Flaschen nicht nur aus Sammlerleidenschaft lohnt, kann man bei der Fassprobe am 4.Juli bei Möths Tiefenrauschparty bekommen, wenn die Fässer aus ihrem langen „Lock down“ befreit werden. (mh)

4. Juli: 11.00 Uhr Start der Bergung | 16.00 Uhr: Tieferauschparty | Bregenzer Hafen| weitere Infos und Anmeldungen unter www.moeth.at