D/CH – Großstadt Bodensee | Die Bodenseeregion ist bekannt für ihre Küche, ihre kulturelle Vielfalt und natürlich für ihre wunderschöne Landschaft – doch wie steht es um die Musik?

Hier erwartet euch ein breiter Querschnitt durch die Region und ein bunter Trip durch verschiedenste Musikrichtungen.

Die Liste umfasst zehn Songs aus verschiedensten Musikrichtungen und mit ganz anderen Ansätzen, die doch alle in ihrem Bezug zur Region etwas gemeinsam haben. Mal romantisch, mal scherzhaft und manchmal auch durchaus kritisch, beschreiben die Künstler ihre Beziehung zu ihrer Heimatstadt oder zum Bodensee selbst.

Konstanz: Weintrinken

Mit ihrer Hymne auf das Studentenleben haben es die Jungs von PetershausenParkRecords geschafft das Lebensgefühl vieler Studenten in Konstanz einzufangen. Neben „Weintrinken“ haben sie mit „Die Universität frisst meine Seele“ einen weiteren Hit gelandet, der mittlerweile fast eine halbe Millionen Klicks auf YouTube zählt. Zwar ist es etwas still um sie geworden, aber ihre beiden Songs bleiben Klassiker und werden wohl auch in Zukunft Generationen von Studenten begleiten.

Durlesbach / Meckenbeuren: Auf de schwäbsche Eisenbahne

„Auf de schwäbsche Eisebahne gibts gar viele Haltstatione: Schtuegart, Ulm und Biberach, Mekkebeure, Durlesbach!“ – Fast jeder in Südwestdeutschland kennt das berühmtes Volkslied, das auch als heimliche schwäbische Nationalhymne gilt, doch wer kennt heute noch Meckenbeuren oder gar Durlesbach? Um 1850, als das Spottlied von Tübinger Studenten verfasst wurde, waren die beiden Orte noch Haltestationen der Eisenbahnroute von Heilbronn über Stuttgart bis an den Bodensee. Im beschaulichen Durlesbach fahren zwar mittlerweile keine Züge mehr, aber eine Szene wurde dort durch den Bad Waldseer Künstler René Auer mit Bronzeskulpturen nachgestellt. Auch in Meckenbeuren gibt es ein Denkmal, dass das Bäuerle und den widerspenstigen Bock zeigt.

Weingarten: Weingarten Du

Zugegeben das Video ist ausbaufähig, aber der Text, den Markus Uhl in einer einzigen Mittagspause geschrieben hat, ist wirklich gelungen und regt zum Schmunzeln an. Da ihm die alte Hymne „Weingarten Mein“ zu verstaubt war und nicht mehr wirklich zur Identifikation taugte, ersann er kurzerhand eine neue. In der beschreibt er auf charmante Weise, warum ihm Weingarten so am Herzen liegt und er glücklich ist, nicht aus Ravensburg zu kommen.

Ravensburg: „Uppaswabian Roots“

Die neunköpfige Band Manarun bespielt die großen und kleinen Bühnen der Welt – ob beim Southsidefestival oder in einem Club in Shanghai. So vielfältig wie ihre Locations, ist auch ihre Musik. Sie vereinen Reggae, Ska und Hip-Hop zu elektrisierender guter Laune, die direkt ins Tanzbein geht. Davon konnten sich 2012 auch die Besucher des Ravensburger Rutenfestes überzeugen, bei dem die Manas sogar mit einer Hymne auf ihre Heimatstadt aufwarten konnten.

Isny: Bei uns in Isny

Es war ein jahrelanger Wunsch des Isyners Bürgermeisters Rainer Magenreuter, der schönen Stadt im Allgäu auch ein Identifikationslied zu geben. 2013 war es dann so weit, Isny hatte endlich ein Lied, auf dass es auch heute noch sehr stolz ist. Das Video zeigt Isny und seine Bewohner von der schönsten Seite. Der Refrain ist eingängig und lädt dazu ein im Festzelt mitzugrölen.

Friedrichshafen: Friedhofshafen

Die Rockband 110 Prozent hat eine zweifelhafte Ode an ihre Heimatstadt Friedrichshafen geschrieben, die sie wenig schmeichelhaft in „Friedhofshafen“ umtaufte. Das hat einen trifftigen Grund: Die Stadt am Bodensee leidet unter akutem Kneipenmangel. Das findet die junge Band sehr betrüblich und so heißt es reichlich sarkastisch im Lied: „Willkommen in Friedhofshafen – hier kannst du friedlich schlafen […] Hier hast du deine Ruh‘, die Kneipen haben zu“.

Weinfelden: „Wyfelde“

Manfred Fries alias ‟Dä Brüeder vom Heinz” blieb als kleiner Junge nur selten an einem Ort, oft musste er mit seiner Familie aus beruflichen Gründen seiner Eltern umziehen. Heute hat er seine Heimat in Weinfelden gefunden. Zu dieser fühlt er sich mittlerweile so stark verbunden, dass er ihr im letzten Juni sogar eine Hymne gewidmet hat. In dieser erklärt er mit einem gewissen Augenzwinkern, die Vorteile seiner Stadt gegenüber den umliegenden Ortschaften.

Romanshorn: Thurgau Mini Heimat

Ob die Thurgauer stolz auf ihre inoffizielle Hymne sind? Der Hip-Hop-Song Thurgau mini Heimat wurde bereits über 400.000 Mal auf YouTube angeklickt. Darin rappen Reim Rammler Manché und Flowz, First Lady Chill und Tobyland im Thurgauer Dialekt über ihre Heimat – zur Freude, aber auch zum Leidwesen vieler Thurgauer. Die vier Musiker haben damit aber zweifelsfrei einen Coup gelandet, der auch weit über die Kantongrenzen hinaus Gehör findet.

St. Gallen: Mini Heimatstadt

Das Jodelchörli St. Gallen Ost feierte am 3. März in der Olmahalle ihr 30-jähriges Bestehen. Zur Feier des Tages präsentierte der Chor der Stadt ein neues und ganz besonderes Stadtlied – eine Jodelhymne! Die stolzen St. Galler besingen darin die Geschichte und insbesondere die klösterlichen Ursprünge der Stadt. Im Anschluss wurde dem Stadtpräsident Thomas Scheitlin feierlich die Noten übergeben.

Schaffhausen: Das Munotglöcklein

Die Turmglocke der Festung Munot in Schaffhausen hatte jahrzehntlang einen zwei Meter langen Riss, der der Glocke einen besonderen, fast melancholischen Klang gab. 1911 schrieb Dr. Ferdinand Buomberger ihr zu Ehren ein Lied, das eine romantische, wenngleich historisch eher nicht belegbare Erklärung für den Riss gab. Die angezeigte Version des Liedes ist vermutlich um 1951 von Hans Burger vertont worden. Auf der unten aufgeführten Homepage kann der sehr amüsante Songtext nachgelesen werden.

Auf des Munots altem Turme
schau hinaus ich in die Nacht,
über Dächer, über Giebel,
einsam halte ich die Wacht.
Leise rauscht des Rheines Welle,
leise rauscht des Kohlfirsts Wald,
doch im Herzen pocht und hämmert
meiner Liebe Allgewalt.

Auf des Munots weiter Zinne
sah ich sie zum letzten Mal,
wie sie scherzend, kosend tanzte
auf dem grossen Munotball.
Auf dem Turme musst‘ ich wachen,
Gott, wie ist die Welt Betrug!
Ach man küsste mir mein Liebchen,
während ich die Stunde schlug.

Als ich sah das frech Gebaren
zog ich wütend an dem Strang,
und ich schlug so fest die Stunde,
dass die kleine Glocke sprang.
Seither sind des Glöckleins Klänge
so von stillem Weh erfüllt,
dass den Menschen selbst im Städtchen
Trän`um Trän`dem Aug entquillt.

So musst auch mein Liebchen hören
dieses Treubruchs harten Klang,
mög er allen falschen Mädchen
klingen in den Ohren bang.
Doch dir Glöcklein will ichs sagen,
aber schweige wie das Grab,
ich gesteh, dass ich das Mädchen
seither fast noch lieber hab.

Refrain:
Klinge Munotglöckelein,
grüsse mir die Liebste mein,
klinge Munotglöckelein,
bim bam bim bam bim.