von Britta Zimmermann

Das 34. Bodenseefestival widmet sich mit einer Fülle an Veranstaltungen dem Thema NATUR – sechs davon sind in Ravensburg zu erleben. Herausragend: die zwei Konzerte mit den Artists in Residence Martin Grubinger und Spark. Auch das Konzert Songlines mit Neuer Musik des Komponisten Nikolaus Brass ist eine besondere Rarität. Und auch ein Familienkonzert mit Erzähler und Symphonieorchester gibt es nicht alle Tage!

Das neue Programm von GANES unter dem Titel „Or brüm – blaues Gold“ macht den Auftakt in der Zehntscheuer. Es geht um Wasser, die klare Essenz des Lebens. Songs zwischen Folk und Pop, alpine Wurzeln im ladinischen Dialekt, feenhaft schwebender Gesang: GANES spielen Musik zwischen Tradition und Moderne, die leicht, fließend und verträumt das Publikum erreicht. Die drei Musikerinnen wechseln sich ab an Geige, Gitarre, Hackbrett und Kontrabass. Raffael Holzhauser begleitet das Trio an Gitarre, Perkussion und Keyboard (11.05., 20 Uhr).

Artist in Residence Martin Grubinger & Friends bringt Rhythmus pur ins Konzerthaus. Hochkonzentriert, explosiv, virtuos und exzessiv, aber auch seismografisch fein und showbegabt – so kennt man den Multipercussionisten, für den dieser Begriff überhaupt erst erfunden wurde. So mitreißend und sympathisch wie Grubinger hat niemand zuvor die Vielfalt der Schlaginstrumente auf die Bühne gebracht. Das Konzert in Ravensburg bestreitet der Star mit dem Percussive Planet Ensemble und dem schwedischen Pianisten Per Rundberg – mit markanten Werken von weltbekannten Komponisten wie Keiko Abe, Maki Ishii, Fazil Say oder Steve Reich (14.05., 20 Uhr).

Ebenfalls im Konzerthaus begeistert das Familienkonzert „Violina“ mit dem SWR Symphonieorchester und Erzähler Kinder von 5 bis 12 Jahren. Gezeigt wird die Geschichte der kleinen Geige Violina – eigens für das SWR Symphonieorchester zu ausgewählten Werken von Vivaldi, Mozart, Grieg und Britten verfasst. Die Geige Violina erblickt zu Vivaldis Zeit in der Meisterwerkstatt Montagnara das Licht der Welt und erzählt 300 Jahre Musik-Abenteuergeschichten (21.05., 11 Uhr). Am Abend gehört die Bühne dem Ensemble Spark gemeinsam mit Sandie Wollasch. Wenn eine Klassikband auf eine der bekanntesten Jazzsängerinnen Süddeutschlands trifft, ist ein Crossover der Extraklasse garantiert! Mit viel Gespür für spannende Klangverbindungen setzen das Quintett und die Sängerin auf einen leidenschaftlichen und unverkrampften Mix der Genres. Das Ganze mit an die 40 Instrumenten – von der 20 Zentimeter langen Sopraninoblockflöte bis zum zwei Meter hohen Vierkantbass, von Kopien barocker Instrumente bis zu neu entwickelten Klappenflöten (21.05., 20 Uhr).

Emotional wird das Konzert Songlines mit Neuer Musik von Nikolaus Brass. Japan am 11. März 2011: In der Region Tohoku und in Fukushima schlägt die Natur mit aller Wucht zu. Erdbeben, Tsunami und AKW-Unfall verheeren die Gegend nachhaltig. Noch unter dem unmittelbaren Eindruck der Katastrophe komponiert Brass sein Stück TON für Kontrabass und Klavier, das im Zentrum des Konzertprogramms steht. TON bewegt sich in den seismografischen Tiefen der beiden Instrumente und macht die tatsächliche und die metaphysische Dimension des Ereignisses direkt spürbar (25.05., 20 Uhr).

Bösen grünen Witz bietet das Landestheater Schwaben mit dem Theaterstück „Natur“ von Lukas Hammerstein. Ein gigantischer Felssturz wird am Berg erwartet – ein spektakuläres Naturereignis, hervorgerufen durch die Erwärmung der Erde, das Auftauen des Permafrosts und den Irrsinn der alpinen Freizeitnutzung. Aber alles halb so schlimm: Die Experten sind schon da; Tote sind kaum zu befürchten. Im edlen alpinen Resort mit Panoramafenstern zum erwarteten Naturschauspiel hat sich bereits eine Gruppe Interessierter und Besorgter zusammengefunden. „Natur“ handelt von der Fähigkeit, unser Gewissen zu beruhigen, von Hybris im Umgang mit der Umwelt und der wachsenden Gier nach großen Bildern und erlösenden Geschichten (31.05., 20 Uhr).

Weitere Infos zu allen Veranstaltungen:
www.ravensburg.de/spielzeit

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