Mit „Wonderful World“ nimmt Regisseur Mark Zurmühle die Zuschauer nicht nur mit auf eine Reise durch die Entstehungsgeschichte des Jazz, durch verrauchte Kneipen und durch Wunschträume von Menschen, die im New Orleans von 1968 aufeinandertreffen, sondern er inszeniert damit auch eine uralte Idee des Intendanten Christoph Nix. Ein Liederabend mit den Welthits des Jazz – und einer Botschaft.

„Musik verbindet, sie ist heilsam“, so der Schauspieldirektor des Theater Konstanz. Er kam schon früh in Verbindung mit Jazz und Blues. „Ich bin in Zürich aufgewachsen und mein Vater hat mich bereits mit sechs Jahren zum Jazzfestival mitgenommen, später dann in kleine Bars. Ich habe alle gesehen: Duke Ellington, Ella Fitzgerald, Miles Davis – außer Louis Armstrong.“ Er schmunzelt. Ausgerechnet um diesen Weltstar und Ausnahmetrompeter dreht sich das Stück. Obwohl auch der Titel des Liederabends in Anlehnung an eines der erfolgreichsten Lieder, das je für die Musiklegende geschrieben wurde, gewählt ist, steckt mehr dahinter als die bloße Aneinanderreihung großer Hits aus der Zeit von 1917 bis in die späten 1960er-Jahre hinein. „Das Stück zeigt die Diskrepanz zwischen teils sanften Liedern und dem, was damals auf der Straße wirklich los war“, so der Regisseur.

Armstrong hat die Entstehung des Jazz wesentlich geprägt. Dennoch ist Zurmühles „Wonderful World“ keine biografische Abhandlung. „Siggy Davis, eine ausgezeichnete Sängerin, wird als Lucille Brown quasi die Partnerinnen von Louis Armstrong singen. Um sie dreht sich die Geschichte“, so Zurmühle. Das Stück spielt in einem fiktiven Museum in New Orleans mit fiktiven Figuren. „Aber alles sind echte Menschentypen, jeder hätte damals leben können“, ist Zurmühle wichtig. Angefangen vom Chauffeur (Ramsès Alfa) über Nachtwächter, Dealer, Cop, Bodyguard (alle André Rohde) bis zur Mutter, Pianistin, Prostituierten und Studentin (alle O’tooli Masanza). Zudem spielt Ingo Biermann sechs Figuren, die eine direkte Nähe zu Armstrong hatten, so auch Manager Dr. Aaron Isaak Austerlitz und Pfandleiher Bobby Lions. Alle haben sie Wunschträume. Lucille erscheint dabei in ihren Träumen ihr Vater, der verdammte Ähnlichkeit mit Louis Armstrong hat – gespielt von Terrence Ngassa, der als bester Trompeter West- und Zentralafrikas gilt und Armstrongs Sound perfekt nachahmen kann.

Meine Botschaft ist die Musik

Die Geschichte wird untermalt mit Hits von Ella Fitzgerald, Billie Holiday und anderen Jazzgrößen – wieder einmal die Möglichkeit für die Band des Theater Konstanz, ihr präzises Können unter Beweis zu stellen. Doch so sehr man sich auch in den swingenden Tönen und Wunschträumen einfach verlieren mag, so sehr liegt dem Regisseur auch etwas am Herzen: „Meine Botschaft ist die Musik – dieser Satz von Louis Armstrong soll auch bei den Zuschauern ankommen.“ Der Satz war der Tatsache entsprungen, dass dem Jazztrompeter lange vorgeworfen wurde, dass er sich nicht politisch engagiere. „In Musik kann man sich verlieren, träumen, hoffen. In der Musik ist oft die Welt noch in Ordnung, aber ich wünsche mir, dass man merkt, dass wir längst noch nicht an dem Punkt angekommen sind“, so Zurmühle. „Es herrscht noch lange keine Gerechtigkeit auf der Welt! Es ist doch eher rückläufig. Man hat weder Armut noch Apartheid überwunden. Mir ist daher wichtig, dass ein politischer Aspekt in den Abend reinkommt – auch wenn er unbequem ist. Wir sind noch nicht am Ziel!“

Die Idee zum Stück hatte übrigens Intendant Christoph Nix bereits vor über 15 Jahren, noch als Intendant in Kassel. Gemeinsam mit Ilse Strob, Biografin von Armstrong und einzige Professorin für Jazzforschung in Europa, hatte er schon damals Wege gesucht, wie man die Idee auf die Bühne bringen könnte. „Es gab ein Skript, das aber nie realisiert wurde“, weiß Zurmühle und ergänzt lachend: „Zeit, dass wir es jetzt, in seiner letzten Spielzeit am Theater Konstanz, aus der Schublade holen.“ What a Wonderful World.

14.02.-14.03. | Stadttheater, Konzilstraße 11,  D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 900 21 50 | www.theaterkonstanz.de