Auch am See agiert eine geheimnisvoll aufgebaute internationale Organisation, die Milliarden verdient, über alle Kontinente hinweg aktiv ist und natürlich nirgendwo Steuern zahlt, obwohl sie unternehmerisch sogar unter den Augen der Öffentlichkeit agiert.

Sie wird trotzdem von Politikern weltweit hofiert, von Konzernen, ja selbst von Privatleuten unterstützt und ist in allen gesellschaftlichen Bereichen bestens vernetzt. Und sie wird überdies allen gleichermaßen gefürchtet. Mafia? Triaden? Nein, die Rede ist von: facebook.

Jetzt ist der Aufschrei groß: Waaaaas? Datenklau und illegale Weitergabe? Manipulation der Nutzer? Sogar politisch? Äh – ja. Das ist die umgangssprachliche Beschreibung des Geschäftsmodells facebook. Also nix Neues. Neu ist nur, dass es jetzt an das Wertvollste geht, was facebook zu bieten hat. Nein, nicht die Daten und das Vertrauen von Milliarden Menschen, sondern an die Milliarden selbst. Die Enthüllungen im Cambridge Analytica-Datenskandal belasten das Vertrauen der Werbetreibenden in facebook nun derart schwer, dass sich sogar Zuckerberg zerknirscht gibt und seine zur Schau gestellte „Nicht-Arroganz“ schon als Entschuldigung gewertet wird. Denn wenn die Werbetreibenden ihre Gelder zurückhalten, tut das milliardenfach weh. 2:0 gegen facebook also.

 

Apropos: Neulich hatte ich an dieser Stelle noch dasselbe für die Korruptionswettbewerbe Olympia und Fußball-WM gefordert. User und Konsumenten haben Macht. Zumindest die Macht, Werbetreibenden zu sagen, was sie nicht wollen, sodass die wiederum agieren müssen – wie eben jetzt.

Doch die ganze Zerknirschung, die plötzliche Verwunderung von allen Seiten, auch die mediale Aufregung – wieso eigentlich? Mit Sicherheit ist allen längst die Verwendung von Daten durch facebook bekannt; man bietet eine Leistung, die Milliarden Menschen kostenlos und gerne nutzen – dafür zahlen diese mit ihren Daten. Und diese wiederum verkauft facebook aufbereitet an jeden, der genug bietet. Wozu also das Trara?

Zum Beispiel, weil nun von facebook nicht mehr geleugnet wird, dass mit der Plattform Daten für Wahlkampfmanipulationen zugunsten Trumps verwendet und „Fake News“ gezielt verbreitet wurden?! Gleich zwei Eigentore!

Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) kritisiert, dass „der größte Stammtisch der Welt zwar stets den Börsenkurs und das Shareholder-Value optimiert habe, aber den Nutzer und auch die Werbungtreibenden im Unklaren über die Arbeitsweise des Algorithmus und die jetzt offensichtlichen Manipulationsmöglichkeiten der Plattform gelassen“ habe und schließt: „Die beste Antwort auf Fake News sind mehr Unfaked News, also professioneller, unabhängiger Journalismus.“

Markus Hotz, Herausgeber

Alle „historischen“ Intros übrigens auch zum nachlesen und weitersenden online unter www.akzent-magazin.com/intro