D – Achberg | „Ost:Nordost“ – das klingt nach Seefahrt. Der weite Himmel über der Ostsee lädt ein zu einer Entdeckungsreise in die DDR, die für viele in der alten Bundesrepublik aufgewachsene Menschen bis heute rätselhaft bleibt. Dafür macht Schloss Achberg 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer vom 31. April bis zum 21. Juli seine Tore weit auf für eine der bedeutenden Sammlungen zur Kunst aus der DDR: die Werke aus dem Staatlichen Museum Schwerin.


Volker Stelzmann, Christine, 1970 | Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen M-V | Gabriele Bröcker © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Über Kunst aus der DDR gibt es heute jenseits ihrer ehemaligen Grenzen ein klares Bild: Das Kunstschaffen in dem „sozialistischen Staat auf deutschem Boden“ sei nie autonom gewesen. Der Staat habe Künstler herausgehoben und gefördert, aber auch umfassend kontrolliert und seinen stilistischen und inhaltlichen Vorgaben unterworfen. Freiheit hier, Zwangsgesellschaft dort?

Bei genauem Hinsehen muss das so eindeutige Schwarz-Weiß einer Vielzahl an Grautönen weichen. Die Kunstproduktion zwischen 1945 und 1989 in der ehemaligen SBZ und in der DDR kann nicht auf den „Bitterfelder Weg“ und den Sozialistischen Realismus reduziert werden. Sie war viel facettenreicher, umfasste Stilrichtungen wie Abstraktion und Neoexpressionismus, erprobte Ausdrucksformen wie Assemblage und Mail-Art. Statt eines einheitlichen Sozialistischen Realismus wurden unzählige Spielarten realistischer Kunst entwickelt. Auch traditionelle Gattungen wie Porträt, Landschaft und Stillleben vermochten die Sehnsucht nach Freiheit und Grenzenlosigkeit widerzuspiegeln. Tatsächlich hatten Staat und Künstler in der DDR von Anfang an ein ambivalentes Verhältnis zueinander. Neben der Auftragskunst gab es stets konsequent oppositionelle Künstler, die sich trotz aller Repressionen durchaus autonome Gestaltungsfreiheit eroberten. Und auch jene, die Werke nach den offiziellen Vorgaben schufen, rangen in anderen Arbeiten um Spielräume und die je eigene künstlerische Ausdrucksform.

Thomas Ziegler, Sowjetische Soldaten 1987, 1986-87 | Kunstsammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern | Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur M-V | Carmen Ziegler © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Seit der Wiedereröffnung des Schweriner Museums im Jahr 1945 wurde hier eine Sammlung zur Kunst aus der DDR aufgebaut. Heute umfasst diese rund 620 Gemälde, etwa 160 Plastiken, mehr als 3.000 Arbeiten auf Papier und zudem noch Werke aus den Bereichen Fotografie und Kunsthandwerk. Es zeichnet die Sammlung aus, dass sie in hohem Maß Kunst berücksichtigt hat, die sich – zaghaft oder entschlossen, offen oder versteckt – den offiziellen Vorgaben entzog.

Wolfgang Mattheuer [1927 – 2004] Kahnfahrt, 1970 | Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen M-V | Elke Walford © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Für die Ausstellung auf Schloss Achberg hat Kuratorin Doris Blübaum eine durchdachte Auswahl aus der Schweriner Sammlung vorgenommen. Präsentiert werden Werke von über 50 Künstlerinnen und Künstlern, die ihr Oeuvre größtenteils in der DDR entwickelten. Die etwa 100 Gemälde, Zeichnungen, Grafiken und Plastiken ermöglichen einen eindrucksvollen und erhellenden Einblick in das Kunstschaffen in der DDR zwischen 1949 und 1989 anhand der Schweriner Sammlung und der Kunstsammlung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Künstlerpersönlichkeiten wie Gerhard Altenbourg, Kate Diehn-Bitt, Wieland Förster, Sighard Gille, Hermann Glöckner, Lea Grundig, Waldemar Grzimek, Vera Kopetz, Otto Manigk, Wolfgang Mattheuer, Otto Niemeyer-Holstein, Uwe Pfeifer, Theodor Rosenhauer oder Volker Stelzmann stehen stellvertretend für die Spannweite und den Facettenreichtum dieser Kunst.

Schloss Achberg
D-88147 Achberg

+49 (0)751 85 95 10
+49 (0)751 85 95 11 (Kartentelefon)

www.schloss-achberg.de

Öffnungszeiten:
13.04.- 21.07. sowie 10.08.-27.10.

Fr 14-18 Uhr, Sa/So/Fei 10-18 Uhr