Nicht von ungefähr steht im religiösen Glauben am Anfang der Menschheitsgeschichte der Garten Eden als Paradies. Daraus wurden unsere Vorfahren Adam und Eva zwar vertrieben, dafür legen die Menschen seitdem selbst wunderbare Gärten an. Das und die Durchführung von zwei Gartenschauen – nämlich in Überlingen und Lindau – ist Grund genug, um uns diesem Thema zu widmen. 2021 ist das Jahr der Bodensee-Gärten.

„Willst du ein Leben lang glücklich sein, dann leg‘ einen Garten an“. So heißt ein deutsches Sprichwort, dem sehr viele Menschen beipflichten können. Selbst innerhalb der Wohnungen lassen sich immer mehr Pflanzen finden. Ganz klar: Die Beziehung zwischen Mensch und Natur ist tief. Gerade dieses Jahr kommen wir mit zwei Gartenschauen und weiteren beeindruckenden Gärten in der Region voll auf unsere Kosten.

LGS Überlingen: Blick vom neu gestalteten Uferpark in Richtung Bodman (links) und Ludwigshafen (rechts) | Foto: Jürgen Gundelsweiler

Beginnen wir mit der Landesgartenschau (LGS) Überlingen, die am 9. April startet und bis zum 17. Oktober andauert. Die Organisatoren haben fünf Ausstellungsbereiche auf einer Fläche von rund elf Hektar in der Innenstadt und direkt am Wasser für die Besucher vorbereitet. Dafür werden Bereiche geöffnet und gestalterisch aufgewertet, die bislang für die Öffentlichkeit nicht zugänglich waren – zum Beispiel die Rosenobelgärten, die Menzinger Gärten, die Villengärten, die ehemalige Kapuzinerkirche und der Uferpark.

Eben jener wird größter Ausstellungsbereich mit Prachtstauden und üppigem Wechselflor, gemütlichen Sitz- und Liegemöglichkeiten im Grünen, Wiesen, zahlreichen Ausstellungspavillons, der Großgastronomie im Zelt, einer Beach-Bar und der Seebühne.

Floristen inszenieren 15-mal

Die Blumenschau im Kapuzinerkloster mit den wechselnden Schauen der Floristen in der Blumenhalle auf 200 Quadratmetern zählen zu den Höhepunkten der Landesgartenschau. 15 Mal werden die Mitglieder des Fachverbands Deutscher Floristen ein neues florales Thema inszenieren.

Die 13 Schaugärten des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau lassen sich in den Villengärten finden. Unter anderem wird es begehbare Schwimmende Gärten geben, einen Baumschulpfad mit tollen Solitärgehölzen und prachtvollem Bambus und Staudengärten. Im neu erbauten Pflanzenhaus wird ein Teil der wertvollen Kakteensammlung der Stadt Überlingen eingerichtet.

Hinter der Stadtmauer befinden sich die Rosenobelgärten. Der 18 Meter hohe Rosenobelturm lockt mit einer schönen Aussicht auf die Stadt und die Umgebung. Obst- und Gartenbauvereine sowie die Landfrauen stellen aus, ein Marktplatz mit Außengastronomie und kleiner Terrasse bietet sich für eine Pause an.

Mehrere musikalische Veranstaltungen und Thementage sind angedacht, sofern die Corona-Verordnungen es zulassen. Edith Heppeler, Geschäftsführerin der LGS: „Auch wenn wir am Anfang vielleicht noch kein volles Programm bieten können, unsere Ausstellungsbereiche werden dennoch attraktiv, in einem Top-Zustand und rechtzeitig zum Frühling einen Besuch wert sein.“ Es gebe ein umfassendes Hygienekonzept, mit Einschränkungen bei den Indoor-Veranstaltungen müsse man nach jetzigem Stand jedoch rechnen.

Magnolien in Lindau am Bodensee | Foto: Wolfgang Schneider

Rauschende Wasserfälle und blühende Bäume in Lindau

Lindau wird vom 20. Mai bis 26. September mit seiner Gartenschau zum Mekka für Blumen-Fans. Die Stadt verwandelt sich in ein sinnliches Erlebnis aus Gärten, Wasser und Panorama mit diversen Veranstaltungen. Die Hintere Insel Lindau wird dauerhaft zum grünen Gartenstrand umgestaltet.

Mehr als 1000 Dauerkarten sind bereits verkauft. „Die Bayerischen Landes-Gartenschauen bilden ein Forum für neue Ideen, Technologien und Planungsansätze ökologisch-innovativer Architektur und Freiraumgestaltung“, heißt es auf der Gartenschau-Homepage. Geboten werden sollen rauschende Wasserfälle, romantische Schluchten und blühende Obstwiesen – von Weiler über Scheidegg. So lernen Besucher nicht nur die Insel, sondern auch die Region kennen.

In die Kronen der Bäume steigen

Die Hausbachklamm in Weiler wartet mit einer spektakulären Felsformation, Strudeln und seltenen Pflanzen auf. Die Wasserfälle in Scheidegg versprechen Romantik. So tief das Wasser über die Felsen hinunter stürzt, so hoch können die Besucher auf dem Baumwipfelweg in die Kronen der Bäume steigen. Die Aussicht ist so oder so sehenswert.

Beeindruckend auch: Der Lindenhofpark. Als Mischung aus blühenden Bäumen, abgezirkelten Wegen, großzügigen Blumenbeeten und gepflegten Rasenflächen präsentiert sich der Lindenhofpark aus dem frühen 19. Jahrhundert. Geschichte finden die Besucher auch auf der historischen Anlage des Alten Aeschacher Friedhofs. Die Grabstätten aus verschiedenen Jahrhunderten erzählen von der Vergänglichkeit des Lebens. Und wer dem Uferleben von Pflanzen und Tieren näherkommen will, dem eröffnet der Naturerlebnisweg Einblicke in die Welt des Schilfes, der Libellen und der Wasservögel.

Geplant sind wie in Überlingen auch Veranstaltungen. Zum Thema Corona sagt Pressesprecher Jürgen Widmer: „Zunächst gehen wir davon aus, dass wir am 20. Mai eröffnen können. Mit welchen Auflagen wird man dann sehen. Bis dahin haben auch die anderen Gartenschauen schon geöffnet, sodass wir auch dorthin schauen werden, um zu lernen. Selbstverständlich arbeiten auch wir an entsprechenden Konzepten. Zurzeit steht das Sicherheitskonzept im Mittelpunkt, danach das Hygienekonzept. Hier arbeiten wir eng mit dem Landratsamt zusammen. Wir sehen uns aber nicht nur für das Gartenschaugelände selbst in der Verantwortung, sondern erarbeiten in enger Abstimmung mit der Stadt ein Konzept für die ganze Insel.“ Auf dem Gelände selbst werde man auf Reihenbestuhlung vor einer großen Bühne verzichten und dafür stärker die Schanzen und andere Orte bespielen.

Kräutergarten Hof Weissbad | Foto: Daniel Ammann

Sechs neue Bodenseegärten für 2021

Die beiden Gartenschauen werden von den Bodenseegärten umrahmt, die es bereits seit acht Jahren gibt. 40 Parks und Gärten bilden gemeinsam die Bodenseegärten, die auf eine Zeitreise entführen. Rings um den See zeigt sich die gesamte Gartenbaugeschichte Europas. Von der Steinzeit über die Antike und das Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert und weiter in die Gegenwart. Dabei müssen Besucher kaum Distanzen überwinden. Und wer möchte, reist einfach per Schiff, Bus oder Bahn von Garten zu Garten. Das Motto: Gartenjahr am Bodensee 2021.

Der internationale Verbund wächst immer weiter und verzeichnet für 2021 sechs Neuzugänge. Darunter das Ernährungsfeld in Vaduz, der Gartenpfad Osterfingen in Schaffhausen und die beiden grünen Perlen aus dem Appenzell, das Hotel Hof Weissbad und der „Kräuter Schopf“ befinden sich auf der Schweizer Seite. Auf deutscher Uferseite ergänzen die Uferpromenade Langenargen und die Staudengärtnerei Gaißmayer in Illertissen den Verbund.

Tulpenhang, Insel Mainau | Foto: Peter Allgaier

Insel Mainau als buntes Paradies

Eines der berühmtesten Ziele ist wohl die Insel Mainau. Auf 45 Hektar erschuf die Familie Bernadotte ein buntes Paradies. Tulpen, Rhododendren, Rosen und Dahlien treffen hier auf imposante Mammutbäume aus dem über 150 Jahre alten Arboretum. 

Ein ideales Ausflugsziel ist auch der 2,5 Kilometer lange Seeburgpark in Kreuzlingen. Er erstreckt sich vom Kreuzlinger Hafen, rund ums Schloss Seeburg am Ufer des Bodensees. Mit dabei sind ein Tierpark, Heil- und Gewürzgarten, Minigolf und das Restaurant Schloss Seeburg.

Rosenliebhaber sind in der Rosenstadt Bischofszell richtig.  Schon im 18 Jahrhundert war die Stadt bekannt für ihre Rosen – heute sind zahlreiche öffentliche Rosengärten neu angelegt. All diese Gärten sind mit vielen Aktionen in den Langen Nächten der Bodenseegärten geöffnet. Sie finden vom 4. Bis 6. Juni statt.

Die Langen Nächte der Bodenseegärten finden vom 4. bis 6. Juni statt.
Dazu gehören folgende Veranstaltungen:

  • Lindenhofpark im Licht, Lindau: jeden Abend ab 19 Uhr
  • Gräfliches Inselfest, Insel Mainau: 3. bis 6. Juni
  • Offener Naturgarten Sipplingen: 4. Juni, 12 bis 18 Uhr
  • Duft- und Kräutergarten Syringa, Hilzingen-Binningen:  4. Juni, 15 bis 17 Uhr
  • Klostergarten Allerheiligen, Schaffhausen (CH): 4. Juni, 16 bis 18.30 Uhr
  • Überlinger Museumsgarten, Überlingen: 4. Juni, 20 Uhr
  • Wildstaudengärtnerei Höfli, Nussbaumen (CH): 4. Bis 5. Juni, 8 bis 17 Uhr
  • Hildegartkräutergarten Sabine Christ, Radolfzell: 4. bis 5. Juni, 14.30 bis 17 Uhr
  • Wildbienen und Bütenpracht, Arbon (CH): 2. Bis 5. Juni
  • Paradies für Mensch und Tier, Etzwilen (CH): 4. Bis 6. Juni, 16 bis 21Uhr, WE 10 bis 18 Uhr
  • Sommerkonzert im Villagarten, Amriswil (CH): 4. (18.30 Uh) Und 6. Juni (20 Uhr)
  • Rosenstadt, Bischofszell (CH): 5. Juni, 14 Uhr
  • Kloster und Schloss, Salem: 5. Juni, 15 Uhr
  • Rosentage und Blütenzauber im Roseanum, Hilzingen: 5. Bis 6. Juni, 11 bis 18 Uhr
  • Mühlegarten, Kaltenbach (CH): 5. Bis 6. Juni, 10 bis 18 Uhr
  • Privatgarten Pestalozzi, Neunkirch (CH): 10 bis 17 Uhr
  • Landgarten Überlingen, 5. Bis 6. Juni, 13 bis 19 Uhr
  • Gartensonntag auf Arenenberg, Salenstein (CH): 6. Juni, 10 bis 17 Uhr
  • Naturgaren Bio-Beck Lehmann, Lanterswil: 6. Juni, 9 bis 14 Uhr
  • Tag der offenen Bauerngärten, Salenstein (CH): 6. Juni, 10 bis 16 Uhr
  • Gartenfestival im Lebensraum-Garten, Hohenfels-Liggersdorf: 6. Juni, 11 bis 15 Uhr

Text: Stefanie Rebhan,
Artikel aus „Aktiv – das Magazin für Gesundheit und Freizeit“, Ausgabe 1/2021 | ein Produkt des Schwäbischen Verlags

Beitragsbild: Insel Mainau | Foto: Bodenseegärten

Mehr Infos zu Bodenseegärten: