Wie geht es weiter in der Gastronomie? Wird die eingeschränkte Wiedereröffnung der Gaststätten von den Gästen angenommen? Angestellte in Hotel- und Gaststättengewerbe erleben derzeit eine enorme finanzielle Belastung – nicht nur, weil ihnen die Trinkgelder wegbrechen.

Laut einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) ist das Gastgewerbe besonders von der Kurzarbeit betroffen. Claus-Peter Wolf, Geschäftsführer der NGG-Region Baden-Württemberg-Süd: „Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben. Es ist gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät“, sagt Wolf. So steigt das Lohnausfallgeld erst nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent (Eltern: 87 Prozent) des Netto-Einkommens. Für Köchinnen, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben“, warnt Wolf.

Eine Mitverantwortung für die Lage trage auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga): Anders als etwa in der Systemgastronomie (u.a. McDonald’s, Starbucks, Nordsee) weigerten sich die Arbeitgeber bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken.

Umso wichtiger sei nun die Perspektive für die langsame Wiederbelebung des Gastgewerbes – „vorausgesetzt, der Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Gäste ist sichergestellt“. Bei jedem Restaurant, das wieder öffnen wolle, müssten die Behörden kontrollieren, ob die Schutzmaßnahmen für die Gäste ausreichen, so die NGG. „Gaststätten, Cafés und Bars sind eigentlich Orte der Geselligkeit. Jetzt müssen die Gäste darauf vertrauen können, dass sich keiner ansteckt“, macht Wolf deutlich.

Um die Beschäftigten optimal vor Infektionen zu schützen, sei eine gründliche Gefährdungsbeurteilung nötig. Darüber hinaus brauche es ausreichend Personal, das sich neben Küche und Service darum kümmert, dass die Hygiene- und Abstandsregeln wirklich eingehalten werden: Kellnerinnen, die darauf achten, dass Tische und Stühle nicht zusammengeschoben werden. Und genug Köche in der Küche, damit es keinen Warte-Stau beim Essen und damit ein zu volles Lokal gibt. Jede Wiedereröffnung, so Wolf, müsse akribisch geplant werden.

Foto: Steven Cleghorn