D – Ravensburg/Stuttgart | Gute Werbefilme machen Spaß, manche erlangen Kultstatus – „Heimkommen“ von Edeka beispielsweise. Ganz viele Werbespots mit Kult-Aussichten zeigt das Festival für Bewegtbildkommunikation spotlight, das zu den 15 weltweit wichtigsten Kreativwettbewerben zählt. akzent traf den Intendanten und Mitgründer von spotlight, Peter Frey.

 

Die wirklich spannenden Ideen bedürfen der Ruhe. Der Vorspann des spotlight Festivals spielte in Ittenbeuren bei Ravensburg, auf dem idyllisch in Waldnähe gelegenen Anwesen und Firmensitz von Peter Frey, in einem lichtdurchfluteten Raum, umgeben von Tümpeln und Vogelgezwitscher. Bei einer entspannten Kaffeerunde vor über 20 Jahren nahm eines der aufregendsten und wichtigsten Events der Kreativbranche seinen Anfang, das von den Fachmagazinen zusammen mit Namen wie Cannes Lions in London und den New York Festivals genannt wird. Als Peter Frey damals „Man könnte mal in Ravensburg ein Festival nur für Werbefilme machen“ lässig in den Raum warf, wirkte wohl der Kaffee so belebend, dass zuerst seine Mitstreiter, wenig später das Publikum und bereits im fünften Jahr die VIPs der Werbebranche hellwach wurden. Nach wenigen Jahren stieg die Zahl der Beiträge und der Zuschauer wie die Spannung in einem Film von Scorsese. spotlight musste eine neue Bleibe suchen und ist, nach mehreren Stationen quer durch Baden-Württemberg, in Stuttgart angekommen.

Schwarzer Peter mit heller Seele

Peter Frey, der Mann mit der zündenden Kaffeerunden-Idee, ist im Land kein Unbekannter. Das illustre Festival der Kreativen füllt nur die Hälfte seiner Jahresarbeitszeit, bleiben noch 150 Prozent, in denen er zusammen mit Albert Bauer das Theater Ravensburg gründete und bis heute im Vorstand arbeitet, er sitzt im Ravensburger Gemeinderat, ist verheiratet, hat drei Kinder, ist Regisseur, Autor und Musiker und leitet die Filmproduktionsfirma Frey Film GmbH. Nein, die hat nichts mit spotlight zu tun und reicht auch keine Filme ein. „spotlight ist mauschelfrei“, sagt Peter Frey, da duldet er keinen Haarriss im Bollwerk der Regularien. Aber vermutlich am bekanntesten ist der Mann, der im Grünen lebt und sich in der funkelnden Werbewelt bewegt, der für die Bühne Katastrophen- und im richtigen Leben Erfolgsgeschichten schreibt, der „schwarzer Peter“ genannt wird aber glaubhaft versichert, er habe eine „helle Seele“, für das, was er am liebsten macht: Geschichten schreiben und auf der Bühne präsentieren. Sie sind humorvoll wie das stets tödlich endende Leben selbst. Inspirationen konnte er schon in der Kindheit schöpfen: Seine Mutter sammelte Todesanzeigen und klebte sie wie Post-its an die Möbel. Er verarbeitet sein oberschwäbisches Momento mori gleichzeitig durch Verdrängung und Sichtbarmachung: „Verdrängung ist eine der größten Geschicklichkeitsübungen des Menschen. Ich könnte gar nicht existieren, wenn ich diese Geschichten nicht von mir geben würde.“ Glücklicherweise ist die Existenz gesichert, denn wenigstens nachts im Bett könne er gegentlich unterbrechungsfrei schreiben, erzählt er, während das Mobiltelefon dezent vibrierend an den nächsten Termin erinnert. Burnout? Den habe er in Scheibchen tranchiert zu sich genommen, sagt er, und: „Nur wenn Sie sich riesig am Leben freuen können, dann können Sie manchmal auch richtig daran verzweifeln.“

Für Verzweiflung ist nun wirklich keine Zeit. Das 20. spotlight Festival beginnt in wenigen Wochen.

Peter Frey | www.freyfilm.de | spotlight-Festival | 04.-06.05., Stuttgart | +49 (0)751 36 66 511 | www.spotlight-festival.de