Bildhauer Peter Lenk ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er polarisiert. Mit Ironie und Witz nimmt er vor allem Wirtschaftsleute und Politiker aufs Korn und verspottet gesellschaftliche Missstände, was er bildlich in seinen häufig provozierenden Werken umsetzt. Letztes Jahr wurde der Künstler 70 – und er denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Sein neuestes Werk: „Das Narrenschiff“

Das „Narrenschiff“ sticht in (den) See: Am 6. Mai wird in Bodman das neueste Kunstwerk von Peter Lenks Seeum offiziell eingeweiht.

„Raffzähne und Betrüger“ hat der Bildhauer auf dem Lust- und Luxusdampfer versammelt – allesamt bekannte Gesichter aus Wirtschaft und Politik. Sie fressen, sie saufen, sie mauscheln und scheren sich einen feuchten Kehricht um Skandale. Wer fröhlich miträtseln möchte, wer alles auf dem Kunstwerk verewigt ist, kann das ab dem 6. Mai – um 11 Uhr findet eine feierliche Enthüllung statt.

„Ich gehe eigentlich lieber segeln oder mache Urlaub, aber ich muss ja von was leben. Und – ich hab noch einige Leute auf dem Kieker“, lacht Peter Lenk. Er spricht grundsätzlich nicht über laufende Projekte, aber da er diesmal auch unseren Herausgeber pünktlich zum akzent Jubiläum mit verewigt hat, wussten wir schon seit Oktober, dass bald wieder jemand sein Fett wegbekommt.

In Nürnberg geboren kommt Lenk über Umwege schließlich nach Bodman am Bodensee. Dort entstehen mithilfe seiner Frau Bettina zahlreiche genehmigte und ungenehmigte Skulpturen, mit denen er Aufsehen erregt. So etwa die 12 Tonnen schweren „Schwäbischen Floßfahrer“ für den Berliner Ku’damm oder eine überlebensgroße alte Bodensee-Nixe, die er nachts heimlich auf die EXPO in Hannover einschmuggelt. Lenk nimmt’s gelassen: „Es wird einem nichts erlaubt, man muss es sich nur selber erlauben, dann lassen sich’s die anderen gefallen – oder nicht“ meint er in Anlehnung an Goethe. 1991 erhält er den ersten öffentlichen Auftrag in Konstanz: Ein Triumphbogen für die Autofahrer auf der Laube.

Seine Werke rund um den Bodensee in der Übersicht:

Zwei Jahre später besteigt die zehn Meter hohe und 18 Tonnen schwere „Imperia“ im Konstanzer Hafen den Pegelturm. Sein wohl meist fotografiertes und diskutiertes Werk. Die als Prostituierte verschriene Kurtisane sollte nach Meinung der meisten Bürger genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen war. Doch noch heute thront sie dort und ist inzwischen als Wahrzeichen von Konstanz im Besitz der Stadt. Für nicht weniger Aufsehen sorgt auch bis heute das 2008 in Ludwigshafen am Bodensee enthüllte Triptychon „Ludwigs Erbe“ in Anlehung an Ludwigshafens Namensgeber, den Großherzog Ludwig von Baden. Zu sehen sind darauf unter anderem fünf nackte Politiker, die sich gegenseitig in den Schritt fassen. Die „Global Player“ haben verdammte Ähnlichkeit mit Eichel, Schröder, Merkel, Stoiber und Westerwelle. Doch generell gilt für Lenk: „Wenn Personen unserer Zeit sich in meinen Skulpturen erkennen, ist das deren Sache.“

Doch egal, ob seine Skulpturen in Eigeninitiative entstehen oder als Auftragsarbeit: Sie versuchen dem Betrachter mit einem Augenzwinkern die Welt zu erklären. Und auch Lenk selbst wurde schon Teil eines seiner Werke: Ein Auftraggeber machte es zur Bedingung, dass der Künstler sich in einem sieben Meter langen Relief neben Lincoln und dessen Hund Fido in einen Oldtimer setzt. Lenks Frau wurde dazu noch auf den Globetrotter-Koffer am Heck gepackt.

Die Liste seiner Werke scheint mittlerweile unendlich. Dass er nun schon 70 Jahre alt ist, mag Lenk allerdings kaum glauben und zitiert verschmitzt: „,Das Leben verging wie ein Nachmittag‘, schrieb Gottfried Benn, aber die Oma sagt: ‚Lass den Christbaum stehen, den brauchen wir doch bald wieder.‘“ In diesem Sinne: Weiter geht’s!

Text: Tanja Horlacher