D – Konstanz | Bildhauer Peter Lenk ist einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Er polarisiert. Mit Ironie und Witz nimmt er vor allem Wirtschaftsleute und Politiker aufs Korn und verspottet gesellschaftliche Missstände, was er bildlich in seinen häufig provozierenden Werken umsetzt. Am 6. Juni wird der Künstler 70 – und denkt noch lange nicht ans Aufhören.

„Ich gehe eigentlich lieber segeln oder mache Urlaub, aber ich muss ja von was leben. Und – ich hab noch einige Leute auf dem Kieker“, lacht Peter Lenk. Er spricht grundsätzlich nicht über laufende Projekte, aber sein Schmunzeln lässt erahnen, dass bald schon wieder jemand sein Fett wegbekommt. In Nürnberg geboren kommt Lenk über Umwege schließlich nach Bodman am Bodensee. Dort entstehen mithilfe seiner Frau Bettina zahlreiche genehmigte und ungenehmigte Skulpturen, mit denen er Aufsehen erregt. So etwa die 12 Tonnen schweren „Schwäbischen Floßfahrer“ für den Berliner Ku’damm oder eine überlebensgroße alte Bodensee-Nixe, die er nachts heimlich auf die EXPO in Hannover einschmuggelt. Lenk nimmt’s gelassen: „Es wird einem nichts erlaubt, man muss es sich nur selber erlauben, dann lassen sich’s die anderen gefallen – oder nicht“ meint er in Anlehnung an Goethe. 1991 erhält er den ersten öffentlichen Auftrag in Konstanz: Ein Triumphbogen für die Autofahrer auf der Laube.

Zwei Jahre später besteigt die zehn Meter hohe und 18 Tonnen schwere „Imperia“ im Konstanzer Hafen den Pegelturm. Sein wohl meist fotografiertes und diskutiertes Werk. Die als Prostituierte verschriene Kurtisane sollte nach Meinung der meisten Bürger genauso schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen war. Doch noch heute thront sie dort und ist inzwischen als Wahrzeichen von Konstanz im Besitz der Stadt. Für nicht weniger Aufsehen sorgt auch bis heute das 2008 in Ludwigshafen am Bodensee enthüllte Triptychon „Ludwigs Erbe“ in Anlehung an Ludwigshafens Namensgeber, den Großherzog Ludwig von Baden. Zu sehen sind darauf unter anderem fünf nackte Politiker, die sich gegenseitig in den Schritt fassen. Die „Global Player“ haben verdammte Ähnlichkeit mit Eichel, Schröder, Merkel, Stoiber und Westerwelle. Doch generell gilt für Lenk: „Wenn Personen unserer Zeit sich in meinen Skulpturen erkennen, ist das deren Sache.“

Doch egal, ob seine Skulpturen in Eigeninitiative entstehen oder als Auftragsarbeit: Sie versuchen dem Betrachter mit einem Augenzwinkern die Welt zu erklären. Und auch Lenk selbst wurde schon Teil eines seiner Werke: Ein Auftraggeber machte es zur Bedingung, dass der Künstler sich in einem sieben Meter langen Relief neben Lincoln und dessen Hund Fido in einen Oldtimer setzt. Lenks Frau wurde dazu noch auf den Globetrotter-Koffer am Heck gepackt.

Die Liste seiner Werke scheint mittlerweile unendlich. Unter dem Titel „40 Jahre Zoff und Zwinkern“ sind ab 1. Juni 60 seiner Skulpturen und Entwürfe in der Städtischen Galerie in Überlingen zu sehen. Darunter die überlebensgroßen Originale von „Papst“ und „Kaiser“, deren Abgüsse in den Händen der „Imperia“ hoch über dem Konstanzer Hafen sitzen. Wegen einem angeblich gefährdeten Landeszuschuss zur Konzilausstellung wurde ihre ursprüngliche Präsentation im Konstanzer Bahnhof vor Beginn des Konziljubiläums 2014 abgebrochen.

Dass er nun schon 70 Jahre alt wird, mag Lenk allerdings kaum glauben und zitiert verschmitzt: „,Das Leben verging wie ein Nachmittag‘, schrieb Gottfried Benn, aber die Oma sagt: ‚Lass den Christbaum stehen, den brauchen wir doch bald wieder.‘“ In diesem Sinne: Weiter geht’s!

02.06.–15.10. „40 Jahre Zoff und Zwinkern“ Ausstellung in der Städtischen Galerie Überlingen | Seepromenade 2, D–88662 Überlingen | +49 (0)7551 99 10 74 | www.staedischegalerie.de, www.peter-lenk.de

Text: Tanja Horlacher