Während den Wochen der Grenzschließung wegen Covid-19 herrschte am Klein Venedig reger Betrieb. Hier kamen täglich Schweizer und Deutsche am Grenzzaun entlang der Kunstgrenze zwischen den Städten Konstanz und Kreuzlingen zusammen. Durch die Grenze getrennte Paare, Familien und Freunde konnten sich durch den Zaun zumindest sehen und miteinander sprechen. Abends traf man sich mit Decke zum gemeinsamen Picknick am und zum Federballspiel über den Zaun. Als der Zaun dann fiel, wurde es aber schnell wieder ruhig an diesem temporär viel frequentierten Ort.

Da trifft es sich gut, dass in Konstanz gerade dringend eine Lösung und Raum gesucht wird, für Probleme, die es an anderen öffentlichen Uferzonen gibt, wo junge Menschen und Anwohner mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander treffen. Zu gerne würde man die Feiernden vom Herosépark oder aus der Seestraße umleiten. Die Stadt Konstanz möchte den Bereich am Klein Venedig deshalb zum „place to be“ für junge Leute machen. Der Schotterplatz, auf dem alljährlich das Deutsch-Schweizer-Oktoberfest stattfindet, wird hier ohnehin wenig genutzt. In diesem Jahr noch weniger, denn das Bierfest fällt wegen Corona aus. Zudem gibt es auch am Klein Venedig einen durchaus attraktiven Uferbereich und Wiesen, noch dazu ohne direkte Anwohner.

Die Idee, das Gelände an der Kunstgrenze aufzuwerten, ist allerdings nicht neu. Die abendlichen Konfliktsituationen mit Anwohnern und jungen Menschen übrigens auch nicht. Seit Jahren wird hier Sommer für Sommer diskutiert. Erstaunlich jedoch, wie schnell dies nun in OB-Wahlkampfzeiten angegangen wird, wo alle Kandidaten sich mit den feiernden Jungwählern oder den Wählern aus den benachbarten Häusern beschäftigen. Kaum öffentlich ausgesprochen, wurden kurz darauf von der Stadt Konstanz erste Maßnahmen ergriffen. Ob die neuen Tischtennisplatten, das frisch angelegte Volleyballfeld und der Toilettenwagen mit Münsterblick ausreichen, um das Gelände in den Augen der Zielgruppe attraktiver zu machen?

Uferweg Klein Venedig

Mit Sicherheit haben die Betroffenen noch andere Wünsche und Anregungen, was für sie zum Chillen und Feiern dazu gehört – vermutlich wird das auch die Versorgungslage mit Blick auf Bier und Wein sein oder mit der ein oder anderen Pizza. Die zur Restmüll-Entsorgung passenden Behälter wurden schon aufgestellt. Tatsächlich scheint laute Musik in dieser Ecke von Konstanz weniger ein Problem zu sein, wie die Tag-und Nacht-Beschallung der benachbarten Lago-Parkgarage zeigt, die – wenn der Wind die Klangwolke rüberträgt – bis ans Klein Venedig zu hören ist.

Text + Fotos: Stefanie Göttlich

Klein Venedig coronabedingter Hotspot