Aller guten Dinge sind drei: Gaby Hauptmann – Erfolgsautorin vom Bodensee –, der Stockacher Manfred Jantke – ehemaliger Porsche-Motorsport- und -Pressechef – und der Rielasinger Otto Kasper – Porschefan und Spitzenfotograf – sind ein Dreiergespann, dass für akzent  und seeclassics mit einem 89er Speedster – gestellt vom Porsche Zentrum Hegau-Bodensee – am See kurvte: schneller als Wind & Wetter, trotzdem sehr unterhaltsam und äußerst fotogen in Szene gesetzt.

Vom Porsche Classic Zentrum in Hilzingen führte die Tour über herrliche kleine Sträßchen mit teils umwerfenden Seepanoramen, nur durch Interviewpausen unterbrochen: etwa beim Frühstück im Oldtimerhotel Adler in Ludwigshafen, oder zum Mittagessen und Weinshopping im Birnauer Oberhof. Geendet hat der kurven- und anekdotenreiche Tag dann abends stilecht direkt am Ufer im Bodmaner In-Treff Gallardo.

Manfred Jantke kam quasi direkt aus Texas, wo ihn Rennfahrerlegende Mario Andretti auf die „Jagd nach den größten G-Kräften“ eingeladen hatte: Mit einem Schnitt von 341 Kilometern pro Stunde sausten die beiden in einem umgebauten Zweisitzer-Indy-Car durch das 2,5 Kilometer lange Oval. Denn das habe Jantke auf dessen To-Do-Liste irgendwie noch gefehlt, wie Andretti fand: „Aber ich wusste ja, worauf ich mich da einlasse, schließlich habe ich Indy-Car-Rennen jahrelang auf Eurosport kommentiert und so ein Auto auch schon selbst gefahren – allerdings nicht im Oval“, erzählt Jantke. „Ich war damals ein ziemlich guter Rennfahrer und konnte diesen 900 PS-Boliden ganz gut beherrschen, allerding ist mir nach 20 Minuten so schlecht geworden – ich musste anhalten. Ich war diese immensen Kräfte beim Beschleunigen, Bremsen, der Querbeschleunigung – eben die G-Kräfte – nicht gewohnt. Das muss man trainieren. Als trainierter Rennfahrer ist man das gewohnt, aber wenn du das nicht kennst, dann erschlägt dich das total.“

Dass Jantke mit 79 da mithalten kann, verdankt er nicht zuletzt seiner Konstitution. Locker als Mittsechziger durchgehend, trainiert er auf dem Rennrad am See, spielt leidenschaftlich Tennis und segelt. Seine Frau läuft jeden Tag. Beide genießen dann abends in Überlingen an der Promenade die herrliche Aussicht bei einem Kuchen. „Meine Diät ist einfach: Ich esse alles, was mir schmeckt – am liebsten zu süß und zu fettig“, lacht Jantke. „Und ich bin kerngesund!“ Nur Alkohol hat Jantke „noch nie getrunken“ und „in einer Disco war ich auch noch nie“. Dafür mit Fastachzig auf dem Rücksitz bei Andretti in Texas. Dazu wirft er noch das Bonmot der italo-amerikanischen Rennlegende auf den Frühstückstisch: „Alles, was ich über Porsche weiß: Die Autos sind winzig und haben die Motoren am falschen Ende!“

 

Manfred Jantke

Journalist, Hobbyrennfahrer und auto motor und sport-Testredakteur: Der Rennsport begeistert Manfred Jantke bereits seit den 60er Jahren. In Hockenheim gewann er ein Formel-V-Rennen mit Rundenrekord. 1972 wurde er von Porsche für die Stelle als PR- und Sportchef angeworben, was seine aktive Rennfahrerzeit beendete. „Ich wollte als Journalist mal auf die andere Seite blicken“, resümiert er. Dadurch erlebte und prägte er sehr spannende Jahre mit Porsche Sport. Der begeisterte Tennisspieler und Radfahrer etablierte auch das Weissacher Radrennen und das Filderstädter Tennisturnier. Nach 20 Jahren verließ er Porsche und machte sich als Sportjournalist selbstständig, wo er u.a. für Eurosport zusammen mit Stefan Heinrich das beliebteste Kommentatoren-Duo im Rennsport bildete. Heute lebt er mit seiner Frau seit zehn Jahren in Stockach und genießt als Segler und Radfahrer den Bodensee.

In der Tat, der indyrote Speedster vor Hafenpanorama, den Otto Kasper (übrigens ebenfalls begnadeter Segler) dort gerade in Szene setzt, ist alles andere als ein Luxusfahrzeug: eng, hart gefedert, gewichtsmäßig minimalistisch; also keine Servolenkung, winzige Windschutzscheibe und schon gar kein Regendach, was uns an diesem durchwachsenen Sonne-Gewitter-Tag noch ein wenig beschäftigen wird. Fahrspaß im 89er Porsche also, der mit ca. 270.000 Euro Sammlerwert perfekt dasteht.

Die leidenschaftliche Porsche-Fahrerin Gaby Hauptmann pflichtet Jantke bei: „Ich bin mal mit Walter Röhrl im 911er auf dem Hockenheim-Ring gefahren und als wir so auf die Sachskurve zufuhren und ich dachte, jetzt würde ich runterschalten, da hat er hochgeschaltet – und dann hingen wir auch schon in der Kurve drin. Da brauchst Du schon ganz schön Nackenmuskeln, zumal noch der schwere Helm …“ Jantke lacht: „Ja, der Walter, der kann’s halt. Einer der talentiertesten Rennfahrer, die es überhaupt gibt. Was der mit dem Auto anstellt … und zwar egal was.“

 

Für Enthusiasten wie Kasper endet übrigens die Porsche-Nomenklatur mit dem „letzten Luftgekühlten“, und weil wir nicht wollen, dass unser schöner Speedster jetzt „wassergekühlt“ wird, springen Jantke und Hauptmann in den Speedster und fahren zügig den Haldenhof hoch – weg vom schlechten Wetter. Auf der Fahrt spielen die beiden gelernten Journalisten dann Anekdoten-Pingpong:

Pferdestärken – immer wieder

Etwa wie Gaby zum Porsche-Fan wurde: „Ich hatte mich mit 26 am Arlberg in den Sepp verliebt. Ich hatte damals mein Pressebüro in Lindau und musste schnell zurück, da hat er mir kurzerhand einen Autoschlüssel gegeben – und das war ein 911er. Also bin ich im tiefsten Winter damit nach Lindau und es war einfach super. Porsche mit Winterreifen sind unschlagbar. Satt auf der Straße und tänzeln leicht, wie ein junger Hengst. Und danach hab ich mir dann selbst einen gekauft. Mit dem war ich übrigens dann oft beim Skifahren, mit Sack und Pack und meiner Tochter Valeska. Ich war ja alleinerziehende Mutter. Ich hab sogar Umzüge mit Porsche gemacht. Mir war das immer genug Auto, ich brauche nichts Größeres.“ Das bestätigt auch Manfred Jantke, der die heutigen Gewichts-Zuwächse bei den Autos nicht unkritisch sieht: „2,7 Tonnen und viel PS ist Quatsch. Lieber weniger PS und viel weniger Gewicht.“ Gaby Hauptmann macht nur eine Ausnahme bei gewichtigen Fahrzeugen: „Mein Traumwagen ist der allergrößte Pferde-LKW, den es überhaupt gibt, der auf die Seite und nach oben ausfährt mit allem Komfort. Also wenn ich auf irgendeine Art zu einer Million Euro käme, die ich nicht brauche, würde ich mir diesen Pferde-LKW sofort kaufen.“

Gaby Hauptmann

Gaby Hauptmann ist eine der drei bestverkauften Romanautorinnen Deutschlands. Pferdestärken sind darüber hinaus ihre Leidenschaft: Zum einen in ihrer Jugendbuchreihe Kaya, in der es um Mädchen und Pferde geht, zum anderen, weil sie starke Autos liebt – vor allem Porsche. Seit 1982 lebt die gebürtige Trossingerin in Allensbach. Als gelernte Journalistin war sie zunächst beim Südkurier und erste Chefredakteurin bei Seefunk Radio Bodensee, danach in Lindau mit eigenem Pressebüro. Auch für das Fernsehen war Gaby Hauptmann als Autorin, Produzentin und Regisseurin tätig. Eine eigene Serie „Pp – Prominenz privat“ moderierte sie 27 Folgen lang. 1994 startete sie mit Suche impotenten Mann fürs Leben als Schriftstellerin durch. Zahlreiche weitere sollten folgen („Oje – ich weiß auf Anhieb gar nicht, wie viele Bücher ich eigentlich schon geschrieben habe!“). Viele ihrer Romane wurden bereits verfilmt, in Madrid und Essen auch als Theateraufführungen umgesetzt. Ihr gerade erst erschienener Roman trägt – wie immer – einen bissigen Titel: Scheidung nie – nur Mord!

Apropos Gewicht: Jantkes besondere „Diät“ beschäftigt uns an dem Tag noch häufiger – „gut ist, was schmeckt“ und „genießen bis ins höchste Alter“ lautet hier die Devise. Er erzählt: „Ich war ja ein heimatloser Weltenbummler, aber irgendwann ist es genug. Der entscheidende Punkt ist, wie eitel man ist: Es gibt Menschen, die wollen einfach immer noch dazugehören, und hören einfach nie damit auf – das bin ich überhaupt nicht. Ich hatte alles und hatte mein Leben – und jetzt habe ich ganz bewusst entschleunigt.“ Spricht‘s und gibt Gas; der kleine Speedster stürmt nach vorne, die Serpentine hoch und runter. Das akzent-Ordner Duo Tom Pfeifer/Markus Hotz haben dabei alle Hände voll zu tun, die Straßen streckenweise frei von Sonntagsfahrern zu halten. Jantke frotzelt: „Also diese Perspektive haben wir doch sicher schon 20 Mal fotografiert!“ (stimmt) Und Gaby Hauptmann ergänzt: „Hauptsache Kirche oder Kreuz!“ (stimmt auch)

In der Tat liegen auf der Strecke ein paar barocke Kleinode und erstaunlicherweise steht auch hinter so mancher Kurve ein Kreuz. Und weil selbiges im harten Schalensitz des Speedsters arg strapaziert wird, legt sich Gaby Hauptmann beim nächsten „Gipfelkreuz“ einfach auf die Holzbank. Das Seglerduo Jantke/Kasper studiert derweil die flauschigdicke graublaue Wolkendecke; unglaublich, was sich da auftürmt und dräut. „Hält noch“, lautet die Wetterprognose, „aber nicht mehr lange.“ Jantke kommt beim Panoramablick wieder ins Schwärmen: „Es war die beste Entscheidung, hierher zu ziehen – weg von dem Trubel in Stuttgart, das wird da ja immer schlimmer. Irgendwann muss jeder darüber nachdenken, was er eigentlich noch machen will – und wir haben uns entschieden, hier den Ruhestand wirklich zu genießen.“ Hauptmann protestiert: „Auch für mich als Berufstätige ist es hier am See wirklich klasse!“ Den Panoramablick hat sie seit 1987 täglich von ihrem Haus direkt am See. Auf meine Bitte hin, den See doch in drei Worten zu umschreiben, schießt es spontan heraus: „Inspirierend, geheimnisvoll, einladend!“

Auch wir laden ganz schnell ein, denn nun saust eine Hagelfront heran. Kurz vor dem Weingut Aufricht finden wir eine schützende Persenning im Innenhof einer evangelischen Einrichtung und gut 15 Minuten zum Reden, dann ist der Spuk auch schon vorbei, die Abdeckung wieder vom Auto und wir auf sonnenglitzernden Straßen weiter unterwegs.

Jantke überlässt Hauptmann wieder das Steuer: „Ich bin da völlig uneitel“, lacht er. Im Gegensatz zu manchen „Kavalieren der Straße“: „Wenn die zum Beispiel in ihren aufgemotzten 3er-BMWs merken, dass eine Frau sie auf der Autobahn überholen möchte, nehmen sie lieber die nächste Ausfahrt als die Blamage in Kauf“, wundert sich Hauptmann noch immer über ein etwas seltsames Rollenbild im Autoverkehr. Aber nicht nur da: Sie selbst hat damals – statt mit dem schönen Puppenhaus zu spielen– lieber das dazugehörige Puppen-Cabrio vorgezogen: „Ein silberner Mercedes, man konnte Kofferraum, Türen und Kühlerhaube öffnen und ich habe allen ein Loch in den Bauch gefragt, was denn das und das im Motorraum sei.“ Später habe sie ihr Mofa selbst frisiert und sei mit Schraubenschlüssel unter ihre ersten Rostkübel gekrochen. Eher untypisch damals – aber sicher auch heute. Dennoch sieht sie die jungen Frauen und Männer in ihrem Rollenverständnis heute entspannter: „Ich denke, dass junge Menschen einfach besser verstanden haben, ohne es ständig zu hinterfragen, dass sie sehr wohl gleichberechtigt sind. Es sind die Selbstverständlichkeiten: wer kauft ein, wer kocht – das wird fairer gehandhabt, und das zeigt mir schon, dass es heute besser geworden ist. Die Prüfung ist dann, wenn Kinder ins Spiel kommen – ich hoffe immer, dass es dann auch gleichberechtigt weitergeht.“

In ihrem neuen Buch hat sie genau den entgegengesetzten Lebensentwurf thematisiert: „Eine 50-jährige, die völlig aufgegangen ist in ihrer Rolle als Berufsabbrecherin, Mutter und Hausfrau. Sie konnte das sogar genießen. Bloß jetzt steht sie halt da, wie viele Frauen mit 50: Die Kinder sind weg, mit Haushalt bist Du nicht ausgelastet, der Mann sieht dich eher als Möbelstück und hat ohnehin schon andere Interessen und – dann fragt frau sich: Und jetzt? Und dann trauen sich diese Frauen leider oft nicht mehr, den Schritt nach vorn zu gehen, weil sie – trotz allem, was sie früher im Job geleistet haben – Angst haben, heute unterzugehen.“ Nicht alle kommen allerdings auf den Lösungsansatz statt Scheidung nie – nur Mord, so der Titel des Buches, das sich derzeit die Bestsellerliste hinaufschiebt wie der Speedster die kurvige Bergstrecke am sonnendurchfluteten Ufer. „Das ist leider allzu oft der Zeitpunkt, an dem Frauen aus Verzweiflung anfangen zu trinken“, sinniert Hauptmann.

Aber dann – wie schon den ganzen Tag auf dunkle Phasen helle Sonnenstrahlen folgten – wischt sie den Gedanken beiseite und erhebt das Glas: „Trinken passt, denn Frauen über 50 können noch lange Zeit jede Menge Spaß haben – Prost!“Porsche Zentrum Hegau-Bodensee

Das traditionsreiche Porsche-Autohaus im modernen Gewerbegebiet der Hegauer Kleinstadt hat sich vor kurzem das Label „Offizieller Porsche Classic Partner“ erarbeitet. Geschäftsführer Roger Störzer hat hier eine Mannschaft, die mit Oldtimern genauso professionell umzugehen weiß wie mit modernen Fahrzeugen. Die enormen Wertsteigerungen, die die Zuffenhausener Sportwagen seit Jahrzehnten verzeichnen, machen genau diese besondere, professionelle Pflege notwendig. Nur so können die Fahrzeuge werterhaltend oder –steigernd bleiben. Demnächst beginnt am Standort auch der Ausbau der großen Halle – dann wird das Kompetenz-Zentrum noch weiter hinausstrahlen.

Fotos: Otto Kasper