A – Dornbirn | Philipp Fussenegger – aka Prinz Philipp – ist eine schillernde Persönlichkeit. Sein Serien-Pilot „Die Schilehrer“ sorgt für viel Aufsehen in den sozialen Medien. Aktuell arbeitet der Dornbirner an seinem Kinospielfilmdebüt, das 2019 in Berlin und Los Angeles gedreht wird. Fussenegger hat eine musikalische Ausbildung und ein Regiestudium absolviert, ist Fotograf und Drehbuchautor, hat das Filmemachen an der renommierten Kölner Kunsthochschule für Medien studiert, und hat für die meisten seiner bisherigen Werke Auszeichnungen erhalten – das alles zeigt, dass er seine Passion trotz seiner glitzernden Glamrock-Ästhetik sehr ernsthaft und fundiert angeht.

Im Interview mit akzent plaudert er aus dem Nähkästchen:

akzent: Philipp, ich möchte von dir wissen, wie „alles“ begann …

Philipp Fussenegger: Ich habe schon immer viel geschrieben und wurde oft enttäuscht, wenn meine Texte von anderen verfremdet wurden. Jetzt schreibe ich nur noch für mich selber, aus der Notwendigkeit heraus, meine Ideen zu Ende zu denken.

akzent: Wer hat dich gefördert in deinen Anfängen?

Philipp Fussenegger: Niemand. Ich habe mir immer alles selbst erarbeitet. Meine Eltern haben nie ganz verstanden, was ich da tue. Erst als ich das erste Mal in der Zeitung stand, wurde ihnen klar, dass ich mit meiner Arbeit Geld verdiene. Ich bin nie verwöhnt worden, auch finanziell nicht. Aber sie haben sich mir nie in den Weg gestellt. Das war ein großer Segen. An der Kunsthochschule waren es dann die Professoren Robert Van Ackeren und Markus Busch, die mich gefördert haben. Aber prinzipiell bin ich in dem Ansatz aufgewachsen:

„Wenn du was willst, musst du selber die Füße in die Hand nehmen.“

akzent: Du hast mit Funfairfilms eine eigene Produktionsfirma. Wie arbeitet ihr?

Philipp Fussenegger: Dazu erzähle ich dir eine Geschichte, die vor einigen Jahren spielt, bevor ich „Henry“ produziert habe. Ich war schwer krank. Die Ärzte dachten, ich hätte nicht mehr lange. Theatralisch gesagt habe ich mir auf dem Totenbett geschworen, von nun an so zu leben, als ob jeder Tag mein letzter wäre. Und so zu arbeiten, als ob jeder Film mein letzter wäre. So habe ich „Henry“ gedreht, habe alles 2uf eine Karte gesetzt. Finanziell und emotional. Und „Henry“ ist mit dem „First Steps Award“ ausgezeichnet worden. Also stecke ich in alle meine Projekte mein ganzes Herzblut. Denn wirklich gut wird nur, was auch ein bisschen wehtut. Dasselbe verlange ich auch von meinen Schauspielern. Es scheint eines meiner Talente zu sein, sie zu pushen, alles aus ihnen herauszuholen. So arbeiten wir. Wir haben eine flache Hierarchie und alles, was wir tun, dient dem Film. Meine Philosophie heißt: Jeder stößt an seine eigenen Grenzen. Dazu suche ich immer Geschichten, die schwer zugänglich sind, die so noch niemand erzählt hat. Suche die Ecken, die noch nicht beleuchtet wurden, Milieus und Figuren, die man nicht kennt. Ich liebe Geschichten, die überraschen. Ich habe Zugang zu Welten, die die meisten Menschen nie zu Gesicht bekommen, weil ich draufgängerisch bin. Ich ziehe menschliche Abgründe an.

akzent: Wie findest du es, dass du das „Homme Fatal“ der österreichischen Filmbranche genannt wirst?

Philipp Fussenegger: Das hört sich gut an, cool und total verrückt. Das passt zu mir. Am Ende ist alles Show. Zirkus. Unterhaltung.

akzent: Auf deiner Seite schreibst du, „die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“ – welche Wahrheit? Deine?

Philipp Fussenegger: Es wäre schön, wenn die, die der Wahrheit verpflichtet sind, wie Politiker, es mit der Wahrheit genau nehmen würden. Ich als Künstler erarbeite Interpretationen der Wahrheit. Ich interessiere mich sehr für die Wahrheit, aber ich nehme es nicht so genau mit ihr. Als Autor suche ich nach der perfekten Lüge, die glaubhafter ist als die Wahrheit. Je besser die Lüge, desto leichter entführe ich dich in eine andere Welt. Das ist die hohe Kunst der Lüge.

akzent: Du bist in einem abgeschiedenen Tal in den österreichischen Alpen aufgewachsen. Hat dich die „Enge“ der Heimat zum Aufbruch motiviert?

Philipp Fussenegger: Ich habe mich tatsächlich immer sehr als Outsider gefühlt. Auch weil ich glaube, dass meine Seele nicht von dieser Erde stammt. Das war immer schon ein prägendes Gefühl in mir, dieses Wissen, dass ich nicht von dieser Welt bin. Wenn ich den Sternenhimmel betrachte, sehne ich mich nach woanders. Ich fürchte mich vor dieser Natur. Sie ist so gewalttätig. Dieser ganze Planet ist so gewalttätig. Meine Protagonisten fühlen oft Ähnliches, werden missverstanden, kämpfen um Respekt, darum ernst genommen zu werden. In meinen Filmen ist viel von mir drin. Ich versuche zwar die Spuren zu verwischen, aber es ist so.

akzent: Für „Die Schilehrer“ hast du keinen finanzkräftigen Produzenten gefunden. Geht es mit Vince & Eddi und ihrem „Sodom und Gomorrha“ am Arlberg trotzdem weiter?

Philipp Fussenegger: Es muss weitergehen. Die Schilehrer sind ein echtes Herzensprojekt von mir. Ich bin irritiert, dass die Produzenten den Film nicht verstanden haben. Vielleicht ist die Welt noch nicht bereit dafür, oder ich muss erst den Oscar holen, damit sie mir vertrauen. Dabei war er bei den Hofer Filmfestspielen Publikumsliebling und im Netz funktioniert er super, wird viel gestreamt und leidenschaftlich kritisiert. Also: Je mehr Leute sich die Schilehrer anschauen und bei unserem Crowdfunding spenden, umso eher werden die weiteren Folgen gedreht.

akzent: Aktuell bist du in Los Angeles – bist du dabei, den internationalen Filmmarkt zu erobern?

Philipp Fussenegger: Ich arbeite an meinem neuen Film über eine Bodybuilderin, die dem Traum einer Profikarriere nachjagt und in die Staaten geht. Sie kommt mit der dunklen Seite der Bodybuilding-Industrie in Kontakt, wird mit Diskriminierung und Vorurteilen konfrontiert. Es wird ein düsteres Drama mit großer filmischer Kraft. Und es ist mein erster Langspielfilm. Wir sind im Casting–Prozess. Ich arbeite schon sehr lange an diesem Projekt, bewege mich in diesem verschlossenen Milieu, weil ich mich immer limitiert gefühlt habe, durch das stereotype Bild, das sagt, wie ein Mann zu sein hat. Mein Kontakt zu den Female-Bodybuildern hat mir gezeigt, wie gut es tut, sein Äußeres zu gestalten. Der Film soll das kommerzielle maskuline Bodybuilding als Freakshow darstellen, und zeigen, warum das, was diese Mädels machen, faszinierend ist, wie viel Disziplin und Grazie dahinter steckt. Arnold hat vor 30 Jahren gezeigt, dass Helden Muskeln brauchen. Wir zeigen, dass auch Heldinnen Muskeln brauchen. Dass man durch körperliche Stärke mentale Stärke erreichen kann. Deshalb bin ich in Los Angeles, um diese Geschichte in die Welt zu bringen.

akzent: Machst du selber Bodybuilding?

Philipp Fussenegger: Ich bin sehr sportlich. Früher Skifahren, heute am Pumpen. Man sieht es aber nicht. Mein Ziel ist nicht Masse, sondern Kraft – und nackt gut auszuschauen. Denn ich benutze meinen Körper als Kommunikationsmedium und als Kunstwerk, weil ich möchte, dass die Menschen diese destruktive Gender-Erwartungshaltung hinterfragen.

akzent: Woher nimmst du die Ideen zu deinen Filmen?

Philipp Fussenegger: Ich lasse keine Chance aus, etwas Extremes zu erleben. Ich sehne mich zwar immer nach Normalität, aber das hält nie lange, dann reißt es mich wieder raus. Das Wichtigste beim Filmemachen sind gute Ideen. Meine Hochschulprofessorin sagte zu mir: „Philipp, du brauchst für einen Film 1000 gute Ideen.“ Und selbst während des Drehs verändern sich die Ideen noch. Werden durch die Schauspieler zur flüssigen Masse, die sich ständig wandelt. Manchmal verstehe ich die Geschichte selber erst am Ende. Das Filmemachen ist nicht nur Talent, sondern vor allem Durchhaltevermögen. In dieser Branche findet eine harte Selektion statt.

akzent: Es hört sich schwer an, einen super Film zu produzieren …

Philipp Fussenegger: Es ist schwer. Aber ich habe eine wichtige Zutat entdeckt: Zeit. Zeit, Fehler zu machen, und Zeit, diese auch wieder zu korrigieren. Zeit kostet Geld, und Filme sollen heute schnell und billig sein. Aber das ist der Tod für jeden guten Film. Wir nehmen uns viel Zeit.

akzent: Welches große Ziel verfolgst du?

Philipp Fussenegger: Ich will Freiheit erlangen – finanzielle und kreative Freiheit.

akzent: Wie gehst du mit Kritik um?

Philipp Fussenegger: Ich umgebe mich gern mit Leuten, die mich kritisieren. Das ist wichtig, nur so kann ich mich entwickeln. Kritik ist das Einzige, was mich weiterbringt. Meine besten Freunde sind meine größten Kritiker.

Weitere Prinz Philipp Zitate:

„Ich mache selber Filme, damit ich meine Ideen zu Ende denken kann.“

„Wenn du was willst, musst du selber die Füße in die Hand nehmen!“

„Ich drehe jeden Film so, als wäre es mein letzter.“

„Ich liebe Geschichten, die überraschen.“

„Der Autor in mir ist immer auf der Suche nach der perfekten Lüge.“

„Ich habe Zugang zu Welten, die die meisten Menschen so nicht zu Gesicht bekommen.“

„Ich interessiere mich sehr für die Wahrheit. Aber ich nehme es nicht so genau mit ihr.“

„Ich glaube nicht, dass meine Seele von dieser Welt stammt. Wenn ich den Sternenhimmel betrachte, sehne ich mich nach woanders.“

„Ich war irritiert, dass die Produzenten den Film nicht verstanden haben.“

„Vielleicht ist die Welt noch nicht bereit dafür.“

„Ich habe mich immer limitiert gefühlt, durch das stereotype Bild, wie ein Mann zu sein hat.“

„Ich will zeigen, wie viel Disziplin und Grazie hinter dem Female- Bodybuilding steckt.“

„Mein Ziel ist nicht Masse, sondern Kraft – und nackt gut auszuschauen.“

„Ich benutze meinen Körper als Kommunikationsmedium.“

„Du musst bereit sein, Fehler zu machen, und die Zeit haben, sie wieder auszumerzen.“

„Schnell und billig ist der Tod jedes guten Films.“

„Meine besten Freunde sind meine größten Kritiker.“

Alle Filme und das Crowdfunding auf www.funfairfilms.com

Der Trailer zu „Die Schilehrer“:

Text: Susi Donner