D – Konstanz/Friedrichshafen | Es ist schon erstaunlich: In den vergangenen Wochen demonstrierten Sonntag für Sonntag Bürger, die (sich) bislang zur schweigenden Mehrheit im Land zählten, unter blauen Fahnen für Europa. Nach der Stichwahl in Frankreich kann Europa vorerst aufatmen, aber Pulse of Europe, die junge Europa-Bewegung, macht weiter.

„Wir brauchen ein vereintes, demokratisches Europa, in dem die Achtung der Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit, freiheitliches Denken und Handeln, Toleranz und Respekt selbstverständliche Grundlage des Gemeinwesens sind“, heißt es auf der Website der im November 2016 in Frankfurt ins Leben gerufenen Initiative. Viele Menschen wähnten damals Europa in Gefahr, insbesondere im Hinblick auf die Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Nach Trump schien alles möglich, auch, dass Nationalisten ein europäisches Land nach dem anderen kassieren.

Pulse of Europe hat in ganz Deutschland (und Europa) monatelang sonntags um 14 Uhr Tausende Menschen auf die Straße gebracht. Anfang März klinkte sich auch Konstanz ein, mit einer ersten Kundgebung am Gondelhafen. Die Resonanz war gleich beachtlich – und sie blieb es. Jeweils bis zu 600 Konstanzer und Konstanzerinnen aller Altersgruppen kamen in den folgenden acht Wochen sonntags zur Konzil-Plattform, gaben öffentliche „Liebeserklärungen an Europa“ ab, sangen gemeinsam und schwenkten blaue Fahnen mit goldenen Sternen.

Das gleiche Bild in Friedrichshafen. Um die 200 Bürger fanden sich hier sonntags am Hafen ein, um für Europa zu demonstrieren. Nach einer Einführung und der Erklärung der Ziele von Pulse of Europe wurde stets das Mikrofon herumgereicht, damit jeder sagen konnte, was ihm zum Thema Europa auf dem Herzen liegt. Zum Abschluss bildeten die Teilnehmer der Kundgebung eine Menschenkette und sangen die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“. Für viele ein Gänsehautmoment. Phil Hackemann, einer der Mitinitiatoren, erklärt, dass man nach den Frankreich-Wahlen und über den Sommer die Taktzahl der Kundgebungen auf jeden ersten Sonntag im Monat reduzieren werde. „Vor der Bundestagswahl wollen wir uns aber wieder öfter treffen.“

Das ist Konsens bei Pulse of Europe. Harald Kühl, der die Konstanzer Initiative mit ins Leben rief, resümiert: „Wir sind überwältigt. Als wir im März begonnen haben, hat keiner von uns damit gerechnet, dass Sonntag für Sonntag so viele Menschen zu den Kundgebungen kommen.“ Gemeinsam mit Pulse Of Europe-Initiativen in über 100 Städten Europas habe man sich entschlossen, auch nach den Wahlen in Frankreich weiterzumachen. Auch hier finden die Kundgebungen immer am ersten Sonntag im Monat statt. „Ein Höhepunkt wird der 2. Juli mit einer erfrischenden, entspannten Ausgabe im Biergarten St. Katharina im Mainauwald“, ist sich Kühl sicher.

www.pulseofeurope.eu