D/CH – Konstanz/Kreuzlingen | Von vielen Wutbürgern aus der Bodenseeregion lang ersehnt, feierte „Scala Adieu – Von Windeln verweht“, der Film um den Niedergang des Konstanzer Traditionskinos, im März Premiere in Konstanz und Kreuzlingen.

Als bekannt wurde, dass das beliebte Arthouse-Kino an der Konstanzer Marktstätte der fünften dm-Drogerie Filiale in der Stadt weichen soll, formierte sich der Widerstand. Durch einen Anstupser des Stadttheaterintendanten Christoph Nix entstand die „Scala-Initiative“, die sich für den Erhalt stark machte. Es wurde demonstriert, für einige Initianten vielleicht das erste Mal, dass sie mit Plakaten und Parolen durch die Straße zogen: Der Slogan „Wim Wenders statt Pampers“ sollte bald namensgebend werden, denn es wurde auch gefilmt. Der Regisseur Douglas Wolfsperger beschloss, die Ereignisse zu dokumentieren. „Mit dem Filmvorhaben musste ich mich auf eine Reise begeben. Das Ende war zum Zeitpunkt des Drehbeginns nicht voraussehbar“, sagt Wolfsperger.

In Kreuzlingen und Konstanz aufgewachsen, sah der seit 15 Jahren in Berlin lebende Regisseur seinen ersten Kinofilm im „Scala“. Später dann hinter der Kamera, zeigte er seine frühen Super-8-Streifen im charmanten, 1938 eröffneten Lichtspielhaus.

Trotz der Proteste gab Kino-Betreiber Detlef Rabe nicht nach. Ende 2016 war Schluss mit dem Kino im Stadtzentrum. Es habe sich wirtschaftlich nicht mehr rentiert.

Boykott von Filmdreh

Obwohl das Ende des „Scala“ im Laufe der Dreharbeiten bereits ersichtlich war und sich Kulturbürgermeister Andreas Osner sowie Detlef Rabe einem Interview für den Film verweigerten, ja sogar das Drehen im Kino selbst verboten wurde und Wolfsperger laut eigener Aussage noch nie derartige Probleme hatte, Fördergelder zu bekommen, machte er weiter. Bei den Hofer-Filmtagen im Oktober 2018 feierte der Film endlich Premiere, kurz darauf gewann er den Goldenen Doku-Biber beim Filmfestival Biberach. Lachen und Weinen – geht beides bei „Scala Adieu – Von Windeln verweht“.

Die Trauer über das Sterben des Kinos, die von der Scala-Initiative mit einem Totenmarsch durch die Innenstadt, der im Film zu sehen ist, symbolisiert wurde, hätte vermieden werden können. Wolfsperger ist überzeugt: „Man muss die Leute über das Filmprogramm hinaus an das Kino binden.“ Mit mehr Engagement hätte man da schon was draus machen können.

„SCALA ADIEU – Von Windeln verweht“ hat bei den 40. Biberacher Filmfestspielen den Doku-Biber 2018 gewonnen.

D 2018 | 80 Min. | Doku

Weitere Aufführungen in der Region:

Scala Adieu:
14.+21.05., 20Uhr im Kommunalen Kunst- und Kulturzentrums K9 e.V., Konstanz anschl. Filmgespräch
weiterer Termin im K9 am 21.5. um 20Uhr

23.5., 18Uhr in der „Linse“ in Weingarten
anschl. Filmgespräch

23.-27.05., 20Uhr, Studio 17, Friedrichshafen anschl. Filmgespräch

Text: Judith Schuck | Fotos: Szenen aus "Scala Adieu" © Douglas Wolfsperger Filmproduktion
Alle Programmkinos am See:
Filmkulturclub, Dornbirn (A)www.fkc.at
Cameo, Winterthur (CH)www.kinocameo.ch
Cinema Luna, Frauenfeld (CH)www.cinemaluna.ch
Kinok, St. Gallen (CH)www.kinok.ch
Rosental, Heiden (CH) www.kino-heiden.ch
Club Vaudeville, Lindau e.V. (D)www.vaudeville.de
Kammer & Tivoli, Überlingen (D)www.kino-ueberlingen.de
Kulturzentrum Linse, Weingarten (D)www.kulturzentrum-linse.de
Studio 17, Friedrichshafen (D)www.kulturhaus-caserne.de
Universum-Nostalgiekino, Radolfzell (D)www.universum-radolfzell.de
Wirtshaus am Gehrenberg, Markdorf (D)www.gehrenberg.de
Zebra Kino, Konstanz (D)www.zebra-kino.de
Zentrum GEMS, Singen (D)www.gems.de