… voller Geschichten

Welch ein kultureller Schatz! Rund um den Bodensee gibt es eine ausgesprochen reichhaltige und lebendige Museumslandschaft. Trotz aller Unwägbarkeiten, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, planen die Museen vielfältige Ausstellungen und Aktivitäten für den Sommer. Viele Häuser haben neue Konzepte entwickelt, kreative Ideen umgesetzt und digitale Angebote geschaffen, um ihre Geschichten zu Kunst, Kultur und Technik zu erzählen.

Die akzent-Redaktion hat sich einen Überblick verschafft und festgestellt: Es gibt so viele interessante Museen in der Bodenseeregion, dass es schwerfiel, für die folgenden Seiten eine Auswahl zu treffen. Deshalb sind die genannten Beispiele vor allem eine Einladung an alle Leserinnen und Leser, selbst auf Erkundungstour zu gehen. Ob die Museen ihre Ausstellungen wie geplant zeigen können, hängt natürlich von den Corona-Entwicklungen ab. Deshalb sollten sich Interessierte vor einem Besuch unbedingt auf den Homepages der Museen nach Details erkundigen.

Kunst bis in die Gegenwart

Das Kunstmuseum Singen ­präsentiert moderne und zeitgenössische Kunst aus dem deutschen Südwesten. Geplant war im Sommer die Sonderausstellung „Schaut her! Toni Schneiders“. Doch wegen Corona können die Besucher die Bilder des stilprägenden Meisters der Nachkriegsfotografie, der viele Jahre in Lindau lebte, nun erst im Sommer 2022 sehen. Das Kunstmuseum Singen hat die Lockdown-Zeiten insbesondere für die Pflege der eigenen Sammlung genutzt. 

Das Kunstmuseum Ravensburg konzentriert sich ebenfalls auf moderne und zeitgenössische Kunst. Unter dem Titel „Auszeit. Von Pausen und Momenten des Aufbruchs“ sind derzeit Werke verschiedener Künstler vom Expressionismus bis in die Gegenwart zu sehen (bis 11.07.). Im digitalen Bereich des Museums stechen Online-Workshops hervor.

Das Kunstmuseum Lindau bietet jedes Jahr eine große Sonderschau zur Klassischen Moderne, diesmal „Marc Chagall – Paradiesische Gärten“ (01.05.–31.10.). Die Lindauer Antwort auf Corona ist ein modernes Reservierungssystem für den Museumsbesuch. Der Titel der Chagall-Ausstellung knüpft an die bayerische Landesgartenschau an, die in diesem Sommer in Lindau geplant ist.

Das Kunsthaus Bregenz setzt seine Schwerpunkte auf die österreichische Gegenwartskunst und Architektur. Oft präsentiert es international beachtete Künstler. Aktuell sind Arbeiten von Pamela Rosenkranz unter dem Titel „House of Meme“ zu sehen (bis 04.07.).

Das Würth-Haus Rorschach zeigt zeitgenössische Kunst. Basis aller Aktivitäten ist die 18.300 Werke umfassende Sammlung Würth. Die neue Hauptausstellung „Lust auf mehr“ präsentiert Neuerwerbungen von Gegenwartskunst seit den 1960er Jahren (zu sehen bis Februar 2023). Zusätzlich sind im Sommer zwei Sonderausstellungen sowie kleinere Veranstaltungen geplant. Im digitalen Bereich gibt es unter anderem einen Audioguide online, Social-Media-Aktivitäten und Bastelvideos für Kinder.

Das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen beherbergt eine eindrucksvolle Sammlung Naiver Kunst. Für diesen Sommer plant das Museum unter anderem Ferienaktionswochen für Kinder und Erwachsene in kleinen Gruppen. Auf der Website regt die „KunstWerkStatt“ dazu an, zu Hause mit Alltagsgegenständen kreativ tätig zu werden.

Die Vebikus-Kunsthalle Schaffhausen versteht sich als Plattform für eine künstlerische Auseinandersetzung mit experimentellem Charakter. Der Trägerverein plant für dieses Jahr mehrere Ausstellungen. Die Kunsthalle hat die Lockdown-Zeiten mit virtuellen Führungen überbrückt.

Städtische Museen

Die städtischen Museen in Konstanz bieten bereits seit einem Jahr den „Digitalen Kulturgenuss“ unter anderem mit Videoclips zu Bild- und Objektbetrachtungen oder zur Stadtgeschichte an. Zudem gibt es Kreativtipps für Groß und Klein. In den Museen selbst sind mehrere Sonderausstellungen geplant. So zeigt das kunst- und kulturgeschichtliche Rosgartenmuseum „Idyllen zwischen Berg und See“ (29.06.2021–09.01.2022). Die städtische Wessenberg-Galerie präsentiert derzeit „Form und Freiheit. Von der Figur zur Abstraktion“ (bis 05.09.) und danach „Robert Weise. 1870-1923. Natur und Salon“ (18.09.2021–09.01.2022). Im Bodensee-Naturmuseum geht es demnächst um „Schätze unter dunklem Tann – Minerale des Schwarzwalds für Kinder und Junggebliebene“.

Das städtische Museum Überlingen ist eines der ältesten und größten kulturhistorischen Museen des Bodenseeraums und gibt einen Überblick über 6000 Jahre Kulturgeschichte und Kunst. Zudem beherbergt es die größte Puppenstubensammlung Deutschlands. Die städtische Galerie Überlingen zeigt derzeit 360-Grad-Fotografien von Achim Mende unter dem Titel „Crazy Little Planet“ (bis 10.10.). Das städtische Museum Engen mit Galerie konzentriert sich auf zeitgenössische Kunst. Das Stadtmuseum Lindau ist derzeit wegen Umbauarbeiten geschlossen.

Berühmte Menschen

Die Bodenseeregion war oft Heimat, Zufluchtsort oder Lebensstation von berühmten Persönlichkeiten. Manchen sind sogar Museen gewidmet. So befindet sich das Museum Haus Dix im ehemaligen Atelier- und Wohnhaus des Malers Otto Dix (1891–1969) in Gaienhofen-Hemmenhofen auf der Halbinsel Höri. Es zeichnet Leben und Werk des Künstlers nach und zeigt derzeit ausgewählte Werke unter dem Titel „Allzumenschliches – Otto Dix und das Porträt“ (bis 31.10.).Ebenfalls in Gaienhofen lebte der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse (1877–1962). Das nach ihm benannte Hermann-Hesse-Museum gewährt Einblicke in sein Leben sowie in die Literatur- und Künstlerlandschaft der Höri.

Der Friedensnobelpreisträger Henry Dunant (1828–1910) gilt als Begründer der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. Seinen Lebensabend verbrachte er im Dorf Heiden, das auch für seine Zahnradbahn nach Rorschach bekannt ist. Das Henry-Dunant-Museum schließt am 27. Juni für zwei Jahre, um die Räume umzubauen. Während dieser Zeit sind in der Dunant-Plaza, einer großen Glas-Veranda, wechselnde Ausstellungen vorgesehen, zunächst zum Thema „Fairplay“.

Die Dauerausstellung „Johannes Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben“ im Hus-Haus in Konstanz widmet sich dem Leben, Werk, Märtyrertod und Vermächtnis des tschechischen Gelehrten und Reformators Johannes Hus. Er musste seine Lehre vor dem Konstanzer Konzil verteidigen, wurde jedoch als Ketzer am 6. Juli 1415 zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Das Napoleonmuseum Thurgau im Schloss Arenenberg ist das einzige deutschsprachige Museum zur napoleonischen Geschichte. Anlässlich des 200. Todestages Napoleons I am 5. Mai 1821 befasst sich eine Sonderausstellung mit ihm (11.05.–24.10.).

Die Dichterin und Komponistin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848) lebte unter anderem auf der Meersburg. Hier sind ihre Wohnräume erhalten. Auch das Museum im Fürstenhäusle Meersburg erinnert an sie.

Technik und Fahrzeuge

Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen, das die weltweit größte Sammlung zur Luftschifffahrt sowie eine Kunstsammlung beherbergt, feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Es beschenkt sich und sein Publikum mit einer neuen Mediaguide-App. Gefeiert werden soll das Jubiläum vom 2. bis 4. Juli. Als Antwort auf Corona wurde die digitale Sammlung erweitert, es gab gestreamte Live-Führungen und einen Podcast. Für Kinder wurde ein QR-Code-Rundgang entwickelt. Doch das Zeppelin Museum denkt die Verzahnung digitaler und analoger Angebote noch deutlich weiter: Als eines der ersten Häuser eröffnet es eine Ausstellung vorab im digitalen Raum, um einen Ort zum Austausch und für weiterführende Debatten zu schaffen. Dieser digitale Prolog zu „Beyond States. Über die Grenzen von Staatlichkeit“ startet im September.

Der Luft- und Raumfahrtgeschichte hat sich auch das Dornier-Museum in Friedrichshafen verschrieben. Unter den Exponaten befinden sich zwölf Originalflugzeuge, sieben Stücke aus der Raumfahrt und zwei Nachbauten der Flugzeuge Dornier Merkur und Dornier Wal. 

Das Auto & Traktormuseum Uhldingen-Mühlhofen ermöglicht eine Reise durch mehr als 100 Jahre Stadt- und Landleben. Im Mittelpunkt stehen 350 Automobile, Motorräder und Traktoren. Für 2021 ist die Sonderausstellung „Besondere Kleinwagen und einzigartige Sportwagen der Nachkriegszeit von 1950 bis 1970“ geplant. Außerdem gibt es im August jeden Sonntag Vorführungen zum Handwerk und Leben in früheren Zeiten.

MAC Museum Art & Cars in Singen schafft eine Synthese zwischen Kunst, Automobil und Architektur. Zwei Museumsgebäude bieten Raum für Wechselausstellungen.

Die Autobau Erlebniswelt in Romanshorn präsentiert in fünf Ausstellungshallen rund 100 spektakuläre Rennautos, Straßensportwagen, Klassiker und Oldtimer. Hier sind auch digitale Events und virtuelle Rundgänge möglich.

Das Saurer Museum Arbon zeigt Nutzfahrzeuge, Motoren sowie Stick- und Webmaschinen aller Generationen. Auch in der Museumswerkstatt ist immer etwas los; zurzeit ist dort ein Postauto von 1936 zerlegt. Während des Lockdowns haben die Stickerei-Experten des Trägervereins eine für Mechanik-Freunde spannende Ausstellung mit Fädelmaschinen aufgebaut. 

Geschichtliches und Kulturhistorisches

Viele Museen ermöglichen eindrucksvolle Zeitreisen in die Vergangenheit. Das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg (ALM) zeigt demnächst die neue Sonderausstellung: „Magisches Land – Kult der Kelten in Baden-Württemberg“ (24.07.2021–09.01.2022) unter anderem mit dem berühmten Trichtinger Ring. Auch das für den 25. Juli geplante Sommerfest steht im Zeichen der Kelten. Einen spielerischen Zugang zu geschichtlichen Themen ermöglicht zudem die beliebte Schau „Archäologie & Playmobil“ mit rund 3000 Playmobilfiguren. Der neue Garten des Museumscafés lädt ab dieser Saison zum Verweilen ein. Auf seinem Instagram-Kanal werden unter anderem Geschichten von Exponaten erzählt, Videos von Ausgrabungen gezeigt und wöchentliche Live-Führungen ermöglicht.

Das Humpis-Quartier in Ravensburg ist eines der besterhaltenen spätmittelalterlichen Wohnquartiere in Süddeutschland. In fünf Gebäuden lädt dieses Museum zu einer Reise durch 1000 Jahre Stadtgeschichte ein. Die nächste Sonderausstellung heißt: „Ausgrenzung und Verfolgung. Ravensburger Sinti im Nationalsozialismus“. Effektiv genutzt hat das Museum die Zeit der coronabedingten Einschränkungen: Es baute unter anderem seine Präsenz auf Social-Media-Kanälen aus und konzipierte einen Rundgang speziell für Menschen mit Sehbehinderungen.

Das Vorarlberg Museum widmet sich kunst- und kulturgeschichtlichen Zeugnissen. Im Sommer feiert es einen der Pioniere des modernen Bauens in Vorarlberg, den 89-jährigen Architekten Karl Sillaber (26.06.2021–09.01.2022). Darüber hinaus zeigt der Tiroler Maler Nino Malfatti großformatige Bilder der Tiroler und Vorarlberger Bergwelt. Während der Lockdowns hat das Vorarlberg-Museum Teile der Sammlung digital zugänglich gemacht, ein virtuelles Auswanderer-Museum online gestellt und die Sammlung um Corona-Beiträge erweitert.

Das historische und Völkerkundemuseum St. Gallen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Es versteht sich als Platt­form für Kultur- und Kunst­geschichte, Ethnologie und Zeit­geschichte. Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zeigt als archäologisches Freilichtmuseum mit Nachbauten von Pfahldörfern sehr anschaulich, wie die Menschen in der Stein- und Bronzezeit gelebt haben.

Text: Ruth Eberhard
Beitragsbild: Auto & Traktormuseum Uhldingen-Mühlhofen