Dass es rund um den Bodensee viele Menschen mit viel Geld gibt, ist kein Geheimnis. Und wo Geld ist, da gründen Menschen Stiftungen, die das Vermögen zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Welche Stiftungen gibt es hier am See, welche Zwecke verfolgen sie? Gibt es Unterschiede in den Anrainerstaaten? Und – warum überhaupt stiften?

Zahlen

Weit über 20.000 Stiftungen gibt es in Deutschland, ihre Zahl wächst alljährlich. Davon verfolgen 95% gemeinnützige Zwecke. In Baden-Württemberg kommen auf 100.000 Einwohner 31 Stiftungen, das gehört zu den deutschen Spitzenwerten. Zwei Drittel davon haben ein Stiftungsvermögen von unter 1 Million EUR, manche nur 10.000 EUR. Etwa die Hälfte aller Stiftungen fördert allgemeine gesellschaftliche Belange. Bildung, Kunst und Kultur, Wissenschaft, Gesundheit und Sport sind darüber hinaus beliebte Stiftungszwecke. In Österreich sind nur etwa 5% aller Stiftungen gemeinnützig, das hat mit dem dortigen Rechtssystem zu tun. In der Schweiz ist etwa ein Viertel der über 17.000 Stiftungen als gemeinnützig bei der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht verzeichnet, auch hier zeigt die Kurve steil nach oben. In Liechtenstein ist die Stiftungsdichte bei abnehmender Gesamtanzahl (noch) sehr hoch, die Zahl der Missbrauchsfälle bei privaten Familienstiftungen aufgrund des liberalen Stiftungsrechts leider auch. Die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung in Liechtenstein hat jedoch hinsichtlich des für den Stiftungszweck verwendbaren Vermögens gravierende Vorteile.

Stiften

Oft, aber nicht immer, sind Gründer*innen gemeinnütziger Stiftungen wohlhabende Personen, die einen Teil ihres Geldes der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wollen. Mit der Namensgebung wollen sie entweder ihren eigenen Namen für die Nachwelt erhalten, an Angehörige erinnern oder den Stiftungszweck deutlich machen. Aber auch Institutionen oder Unternehmen gründen Stiftungen. Deutsche Stiftungen dürfen für ihre Zwecke nicht das Stiftungsvermögen, sondern nur die Erträge daraus verwenden, was in der derzeitigen Niedrigzinsphase für viele ein großes Problem darstellt. Über die Hälfte kann mit den Kapitalerträgen momentan kaum die Inflation und die laufenden Kosten ausgleichen. Deswegen beschäftigen sich Stiftungen zunehmend mit Fundraising und sind außerdem auf sogenannte Zustiftungen (die den Kapitalstock erhöhen) und Spenden (die gemäß dem Stiftungszweck direkt verwendet werden) angewiesen, die beide steuerlich abzugsfähig sind.

Isabel Peter

Stiftungen

Eine der bekanntesten und ältesten Stiftungen am Bodensee ist die Spitalstiftung in Konstanz. Seit dem Jahr 1220 hat sie sich der Pflege von Kranken und Alten verschrieben, heute arbeiten in ihren Senioreneinrichtungen 400 Angestellte und die Spitalstiftung hat große wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Stadt. Eine beeindruckende Geschichte steht hinter der Stiftung Valentina – gegründet von der gerade mal 25 Jahre alten Allgäuerin Isabel Peter, die dafür 2019 mit dem Preis „Goldene Bild der Frau“ der Funke Mediengruppe ausgezeichnet wurde und 10.000 Euro für ihr Projekt erhielt. Der Verlust ihrer jüngeren Schwester trieb sie an, mit ihrer Familie eine Stiftung ins Leben zu rufen. Valentina, nach der die Stiftung benannt ist, hatte den Kampf gegen Knochenkrebs mit 13 Jahren verloren. Sie konnte die letzten Wochen nicht zu Hause verbringen, wie sie es sich gewünscht hätte, da es kein entsprechendes Palliativteam gab. „Valentina war bis zum Schluss so positiv. Wir wollen etwas von der enormen Kraft, die sie hatte, weitergeben“, so Isabel Peter. In nur drei Jahren hat sie bereits über eine halbe Million Euro sammeln können, wovon bislang drei Einsatzwagen, medizinische Geräte und Tausende Plüschelefanten angeschafft wurden. Die Stiftung finanziert außerdem Schwestern und Mediziner für eine 24/7-Stunden- Rufbereitschaft. Mindestens 150 Kindern konnte die Stiftung so schon beim Abschiednehmen helfen.

Im September feierte Königin Silvia von Schweden, zusammen mit Stiftungsvorstand Bettina Gräfin Bernadotte, auf der Insel Mainau das 25-jährige Jubiläum der Mentor-Stiftung, die sie zusammen mit der WHO gegründet hat, um Heranwachsende in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen. Ihnen wird ein erfahrener Mentor zur Seite gestellt, der sie beim Erwachsenwerden respektvoll begleitet.

Ebenfalls seit 25 Jahren engagiert sich die Bodensee-Stiftung für Nachhaltigkeit und Naturschutz in der Region und darüber hinaus. Ihre Themen kreisen rund um erneuerbare Energien, Klima, Artenschutz und zukunftsorientierte Landwirtschaft.

Modekollektion Eagle Fashion entworfen von DLRG Jugendlichen

Die Stiftung Wasserrettung Bodensee mit Sitz in Liechtensteinund einer Repräsentanz in Konstanz unterstützt seit 2012 Gliederungen und Jugendgruppen der weitgehend ehrenamtlichen Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Dazu gehört ganz naheliegend zum Beispiel die Finanzierung von Schwimmkursen und Jugendleiter-Ausbildungen. „Unsere Stiftung zeichnet sich durch aktive Förderung aus. Heißt, dass die Jugendlichen nur mit aktiver Teilnahme an einem Projekt die Gelder bekommen. Dabei werden die Projekte nicht nur finanziert, sondern verfolgen vor allem lernorientierte Ziele“, erklärt Stiftungsratsvorsitzender Jürgen Wagner. So etwa derzeit ein eigenes Projekt zur Förderung der Social-Media-Kompetenz jugendlicher DLRG-Mitglieder, aber auch ein Buch wurde bereits veröffentlicht sowie eine Modekollektion, „Eagle Fashion“, von den DLRG-Jugendlichen 2 entworfen.

Modekollektion Eagle Fashion entworfen von DLRG Jugendlichen

Ein Sonderfall hingegen ist die Stiftergemeinschaft der Sparkasse Bodensee. Sie übernimmt die gesamte Administration hinsichtlich Finanzen und Steuern für mehrere Einzelstiftungen und schafft so Synergieeffekte, sodass mehr Geld für den eigentlichen Stiftungszweck übrigbleibt, trotzdem bleibt jede Stiftung finanziell eigenständig.

Sinn stiften!

Sein Vermögen einzusetzen, um zu einem Gelingen von Gesellschaft beizutragen, ist ein nobler Gedanke und vielleicht auch eine Verpflichtung. Wer sich in der Großstadt Bodensee mit dem Gedanken trägt, selbst eine zu gründen, sollte sich überlegen, ob es in Minirendite- Zeiten nicht sinnvoller wäre, eine der vielen bereits bestehenden durch eine größere Zustiftung zu unterstützen und damit auch der nicht unerheblichen Last der rechtlichen und administrativen Vorgaben zu entgehen. Es gibt in allen Anrainerstaaten Verbände, die Informationen bereithalten und Beratung anbieten, außerdem gibt es auf das Thema spezialisierte Anwaltskanzleien.

Ein Auszug der bekannten Stiftungen in der Großstadt Bodensee:

Bodensee-Stiftung (Umwelt): www.bodensee-stiftung.org

Mentor-Stiftung (Jugend): www.mentorstiftung.de

Spitalstiftung (Senioren): www.spitalstiftung-konstanz.de

Stiftung Wasserrettung Bodensee (Lebensrettung): www.villaprym.com

ZF Kunststiftung (Kultur): www.zf.com

Stiftung Valentina (Palliativpflege für Kinder zu Hause): www.stiftungvalentina.de

Stiftergemeinschaft: www.stiften-am-bodensee.de

Bundesverband Deutscher Stiftungen: www.stiftungen.org

Verband der Schweizer Förderstiftungen: www.swissfoundations.ch

Vereinigung liechtensteinischer gemeinnütziger Stiftungen: www.vlgst.li

TEXT: TANJA ADAMSKI, TANJA HORLACHER, FOTO: (1) BAHMAN SHAHOZAINI