Dass ein kunst- und kulturhistorisches Museum alles andere als langweilig sein kann, zeigt jetzt eines der bedeutendsten Museen in der Großstadt Bodensee. Anlässlich seines 150. Geburtstages wird im Rosgartenmuseum Konstanz die Jubiläumsausstellung „Schätze des Südens“ gezeigt, die durch Videoclips, spannende Führungen und „grüne Inseln“ einen kurzweiligen Gang durch 1.000 Jahre Geschichte des Bodenseeraumes verspricht.

„Was macht man, wenn man 150 wird?“, diese Frage stellte sich und seinem Team Dr. Tobias Engelsing, Direktor der Städtischen Museen Konstanz. „Aufpassen, dass es nicht zu langweilig wird!“, war die klare Antwort. Wohlwissend, dass sowohl Touristen als auch regelmäßig Einheimische das Museum besuchen, wurde die Dauerausstellung überarbeitet und durch sogenannte grüne Inseln ergänzt. Auf diesen sind kurze und prägnante Geschichten zu finden und Kurioses aus früheren Zeiten. Die Inseln erzählen unter anderem von der Sammelleidenschaft der Leiners (Apotheker Ludwig Leiner war Gründer des Rosgartenmuseums), von kostbaren Gemälden, falschen Papststühlen und versteinerten Krokodilen: Museumsgeschichten mitten aus dem Leben. An den einzelnen Stationen sind zudem teilweise Videoclips zu sehen, die etwa die Mitarbeiter

Rosgartenmuseum: Biedermeierzimmer

hinter den Kulissen bei ihren Aufgaben zeigen, an Bildschirmen kann interaktiv Geschichte erfahren werden. „Wir haben die Geschichte unseres Museums auf diese Inseln innerhalb der Dauerausstellung gestellt, damit die Besucher nicht überfrachtet werden“, erklärt Direktor Engelsing. Entstanden ist so ein lebendiger Spaziergang durch 1000 Jahre Bodensee-Geschichte mit Informationen zum Museum, zur Kunst und Geschichte des Bodenseeraumes. Im Vordergrund stand die Idee, dass ein Museum vor allem Spaß machen soll – ohne dabei den Bildungsauftrag, den es als öffentliche Einrichtung hat, zu vergessen. Der Spagat scheint gelungen.

Selfie auf dem Biedermeiersofa

Damit Geschichte im Museum Spaß macht, ist vor allem Interaktion gefragt. Neben den genannten Videoclips und Bildschirmen wurden noch weitere Erlebnisstationen eingerichtet wie etwa das Biedermeierzimmer. Die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts steht für eine eigene Kunst und Kultur des Bürgertums. Im Rosgartenmuseum wurde nun ein Wohnzimmer typisch Biedermeier eingerichtet. Und anders als sonst ist anfassen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Wer Lust hat, darf sich an den Kleidern aus dieser Zeit bedienen, die im Nebenzimmer hängen, und es sich für ein Selfie auf dem gestreiften Stilsofa bequem machen. Dafür hat Direktor Engelsing das Napoleonzimmer geopfert. „Schluss mit Monarchie!“, sagt er dazu schmunzelnd und überlässt das Thema über den französischen Kaiser ab sofort den Kollegen auf Schloss Arenenberg.

Rosgartenmuseum: Schätze aus dem Depot

Schätze des Südens

Die Jubiläumsausstellung zeigt aus der eigenen Sammlung im ganzen Haus und im Sonderausstellungssaal einmalige Gemälde und Skulpturen bedeutender süddeutscher Meister, frühe Buchkunst, Glas, Gold- und Silberarbeiten. Auf Leiterwagen rettete Ludwig Leiner einst selbst gotische Skulpturen, Tafelbilder, Chroniken, Mobiliar und Waffen vor dem Untergang. Vom eben ausbrechenden „Pfahlbaufieber“ der Zeit angesteckt, sammelte er auch eifrig Ausgrabungsgut, darunter die heute weltberühmten Rentier-Ritzzeichnungen auf Knochen aus dem „Kessler Loch“ bei Schaffhausen. Doch nicht nur die gezeigten Gegenstände, auch das Gebäude selbst ist sehenswert. Das Museum ist untergebracht in einem original erhaltenen spätmittelalterlichen Zunfthaus, und Räume wie der „Leiner-Saal“ mit seinen neugotischen Vitrinen und herausragenden vor- und frühgeschichtlichen Funden sind bezaubernde Zeugnisse aus der Gründungszeit des Rosgartenmuseums Konstanz.

bis 30.12.| Schätze des Südens – Kunst aus 1000 Jahren 150 Jahre Rosgartenmuseum Konstanz, Rosgartenstraße 3, D–78462 Konstanz |www.rosgartenmuseum.de

Zum Museums-Geburtstag ist ein Buch erschienen:

Tobias Engelsing: Leiners Erben
Biografie eines Museums
150 Jahre Rosgartenmuseum Konstanz
Südverlag Konstanz, Hardcover
ca. 250 Seiten, reich illustriert

Die spannend geschriebene Biografie erzählt vom Kampf einer kunstsinnigen Familie in dramatischen Zeiten: Zwischen Reichsgründung, zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus und den Neuanfängen in der noch jungen deutschen Demokratie bewahren die Leiners ihr Museum. Das Buch beschreibt zugleich ein bedeutendes Kapitel der jüngeren Kulturgeschichte des Bodenseeraums. Erhältlich im Buchhandel und im Museumsshop.

Text: Tanja Horlacher, Fotos: Rosgartenmuseum, Tanja Horlacher