Der Tag der Architektur im Juni ist immer eine gute Anregung für das Juni-Thema. Das Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ lässt viele Interpretationen zu, und die unterschiedlichsten Objekte können unter diesem Aspekt angeschaut werden.

An den Exkursionen und Besichtigungsfahrten kann jeweils nur ein kleiner Kreis von Interessenten teilnehmen – ein Bus pro Landkreis transportiert keine Massen. Da ist noch viel Luft nach oben. Deshalb können wir hier nur kurz auf einzelne Veranstaltungen hinweisen. Im Übrigen sind zum Redaktionsschluss der Rubrik noch nicht alle Veranstaltungen in den Landkreisen um den Bodensee bekannt.

Das Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ ist eher ein Anspruch als eine Zustandsbeschreibung. Zumindest die Bauten, die üblicherweise als „Investorenarchitektur“ bezeichnet werden, erfüllen diesen Anspruch nur selten. Dabei hat gute Architektur unter mehreren Aspekten das Potenzial, die Lebensqualität zu erhöhen: durch menschenfreundliche und gemeinschaftsfördernde Grundrisse und Raumprogramme, durch gute Baumaterialien (Holzbau, aber auch Beton oder konventionelles Mauerwerk), ökologische und nachhaltige Bauweise.

Die Architektenkammer postuliert dazu für die Arbeit der Architekten: „Sie schaffen Orte, an denen sich Menschen gerne aufhalten und sich wohlfühlen – auf öffentlichen Plätzen, im Stadtquartier, in einem Mehrfamilienhaus, einem Bürogebäude oder einer Produktionsstätte, in Kindergärten, Schulen usw. Individuelle, wohldurchdachte Lösungen sind gefragt und sie müssen sorgfältig geplant und gebaut werden. Nur so ist eine Steigerung der Lebensqualität aller Nutzer möglich.“

Das Trösch – ein Haus der Begegnung

Die zentrale Hauptstrasse in Kreuzlingen ist seit ein paar Jahren eine „Begegnungszone“, was seit 2002 in der Schweiz ein besonderer Status der verkehrsberuhigten Zone ist. Seit Anfang April steht etwa in der Mitte der Begegnungszone ein auffallender neuer Betonbau, dessen Name „Das Trösch“ #1# an das Kleidergeschäft erinnert, das vorher an dieser Stelle war. Die Stifter, Monika und Christof Roell, haben das Haus bewusst und ausdrücklich als „Begegnungszentrum“ konzipiert. Damit der Bau auch architektonische Qualität bekommt, haben die Geschwister Roell einen Architekturwettbewerb organisiert, bei dem der St. Galler Architekt Beat Consoni den ersten Preis bekam. Consoni ist in der Gegend bekannt durch den Neubau der Pädagogischen Hochschule und das Empfangszentrum für Asylbewerber, die sich beide fast ähnlich sehen. In diesem Fall hat sich der Architekt darauf eingelassen, in einem langen Diskussionsprozess ein Projekt zu entwickeln, das genau auf die vorgesehenen Nutzungszwecke abgestimmt ist. Dabei ist ein polygonaler Betonbau entstanden, der nicht zur Hauptstrasse schaut, sondern nach Süden. Nach außen und im Inneren ist „das Trösch“ sehr transparent, mit großen Glasflächen – und in der Mitte reicht ein Lichtschacht von oben bis unten durch das ganze Haus. Oben befindet sich als zusätzliche Gemeinschaftsfläche eine große Dachterrasse #2#, die von allen Besuchern frei genutzt werden kann. In den wenigen Wochen wurde das Begegnungszentrum gut angenommen, und die Architektur wird überwiegend positiv aufgenommen. Der Bau ist tatsächlich eine Bereicherung der Lebensqualität der südlichen Nachbarstadt von Konstanz.

www.dastroesch.ch

Farny Hotel – geb(r)aute Lebensqualität

Nur dogmatische Weintrinker (und Antialkoholiker) werden bestreiten, dass auch das Bier zur Lebensqualität gehört, vor allem im Sommer, wenn man etwa nach einer Radtour im Biergarten ein kühles Weizen trinkt. Das Kristallweizen wurde 1924 in der Edelweißbrauerei Oskar Farny in Dürren zum ersten Mal hergestellt. Das Hofgut Farny war früher ziemlich abgelegen im württembergischen Allgäu, zwischen Wangen und Kißlegg, lag aber schon früher an der alten Reichsstraße – und seit der Fertigstellung der Autobahn 96 im Herbst 2009 liegt die Brauerei mit der Brauereigaststätte in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Wangen-Nord. Um die Touristen wie auch die Geschäftsreisenden unterzubringen, wurde der Hof 2015 durch einen Hotelneubau #3# erweitert, der von Grath Architekten (Ravensburg) geplant wurde. Er setzt sich durch die kubische Form deutlich von den alten bestehenden Gebäuden ab, die unter Denkmalschutz stehen. Der Massivbau ist mit Holzschindeln verkleidet, sodass er aus der Nähe schon traditioneller wirkt. Die Hotelzimmer im 1. und 2. OG haben breite Loggien, deren Geländer ein Teil der Holzfassade sind. Die Fassade setzt sich nach oben so weit fort, dass die Lüftungsanlagen auf dem Flachdach von unten nicht sichtbar sind. Der Altbau und der Neubau bilden einen nach Süden offenen Winkel, in dem der Biergarten neu angelegt wurde. Durch einen weiteren Flügel wird der Hof durch einen weiteren Neubau zu einem U abgeschlossen. Im Zusammenhang mit dem Neubau wurde auch das alte Hofhaus mit der Brauereigaststätte denkmalgerecht saniert, was im letzten Jahr mit der Auszeichnung „Vorbildliche Erhaltung eines bäuerlichen Kulturgutes“ belohnt wurde.

Beim Tag der Architektur ist das Farny Hotel die letzte Station der Exkursion durch den Landkreis Ravensburg – vermutlich mit einem Hock im Biergarten.

www.grath-architekten.de, www.farny-hotel.com

Nach dem VAI im Mai feiert das Architekturforum Konstanz Kreuzlingen seine ersten 10 Jahre. Am 22. Juni gibt es dazu nachmittags einen Festvortrag des Architekten Matthias Sauerbruch, am Abend wird gefeiert. Das AFKK ist wohl das einzige grenzüberschreitende Architekturforum in Europa und trägt zusammen mit den anderen in der Region (z.B. St. Gallen) dazu bei, gute Architektur der Öffentlichkeit zu vermitteln.

www.architekturforumKK.org

Infos über den Tag der Architektur unter www.akbw.de/architektur