CH – Osterfingen | Die markante Trutzburg im Schaffhauser Weinland, die den Landgasthof von Ariane und Michael Meyer beherbergt, diente früher als Sommerresidenz des Abtes von Rheinau. In den zahlreichen, heimelig eingerichteten Stuben und Säli des bereits 1472 urkundlich erwähnten Gebäudes genießt man eine regionale Küche und köstliche Weine, die aus den Reben der umliegenden Weinberge gekeltert werden.

Die Damen vom Service empfangen uns sehr freundlich und bieten uns zum Apéro eine Spezialität des Hauses, den im kleinen Eichenfass ausgebauten weißen „Zwaa“ aus Eigenproduktion an. Voller Vorfreude auf den bereits vorbestellten Rehrücken, ordern wir zur Einstimmung auf lukullische Genüsse die in Olivenöl sautierten Steinpilze. Allerdings können wir das sonst so markante Steinpilzaroma nicht wahrnehmen und kaum herausschmecken, da sie in einem sonst sehr guten Olivenöl quasi ertränkt sind. Dazu gibt es frisches, im Holzofen selbstgebackenes Bauernbrot. Wir steigen nun auf den geschmeidigen roten „Badwy“ um, dessen Name an die bis 1927 genutzte Mineralquelle von Bad Osterfingen erinnert. Der Rehrücken, der mit Speck-Pilz-Brunoise, Rotkraut und einem aromatischen Topas-Apfel gereicht wird, erfüllt alle Erwartungen: Das Fleisch ist rosa gebraten und zerschmilzt buchstäblich auf der Zunge. Michael Meyer legt besonderen Wert darauf, dass die von ihm verarbeiteten Tiere nicht aus Treibjagd stammen, die das Wildfleisch durch den verursachten Stress hart und zäh werden lässt. Dazu gibt es die berühmten handgeschabten und in reichlich Butter und Semmelbrösel geschwenkten Spätzli, für die Spätzliliebhaber weite Wege auf sich nehmen. Etwas ungewöhnlich als Wildsauce ist die reichhaltige Rahmsauce. Sier erinnert in Konsistenz und Geschmack ziemlich an die französische Buttersauce „Beurre blanc“, die zu hellem Fleisch und Fisch serviert wird. Sie schmeckt an sich sehr gut, es haben sich aber unnötigerweise ein paar Dosenchampignons darin verirrt. Zu dem leider durchgebratenen Kalbsfilet, das wir als Tellergericht probieren, werden ebenfalls Spätzli und Rahmsauce gereicht. Da für den Rehrücken und seine Beilagen Nachservice angeboten wird, den wir uns nicht entgehen lassen wollen, genießen wir noch den roten „Zwaa“ („Zwei“) — ein Gemeinschaftswerk von Michael Meyer und Winzer Ruedi Baumann aus Oberhallau und Aushängeschild des Hauses. Darauf gönnen wir uns noch ein hervorragendes Halbgefrorenes vom Grand Marnier, das großzügig mit dem berühmten Orangenlikör aufgegossen wird. Die Degustation von hausgemachten Weinhefebränden und des Osterfinger Marc verlegen wir daher auf unseren nächsten Besuch.

Unser Fazit: Solide gutbürgerliche Küche mit guten Produkten und tolle Weine Ein Besuch lohnt auf jeden Fall. Wir wünschen uns allerdings eine größere Saucen- und Beilagenauswahl.

Unsere Wertung: 4 Löffel (von möglichen 6)

 

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