In 21 Punkten rechnet Winfried Kountz mit der aktuellen Corona-Politik ab. Unter der Überschrift: „Jetzt reicht‘s!“ hat er im Singener und Radolfzeller Wochenblatt eine halbseitige Anzeige platziert und für Gesprächsstoff gesorgt (wir haben sie zur besseren Lesbarkeit auf Mobilgeräten umgebaut, s. Link am Ende des Textes). Oliver Fiedler, Chefredakteur vom Wochenblatt, bestätigt, nicht von einem Shitstorm überrollt worden zu sein, sondern im Gegenteil ausnahmslos positive Zustimmungsmails erhalten zu haben.

Nun ist Winfried Kountz eigentlich aus ganz anderen als politischen Bezügen bekannt. Der größte Getränke-Verleger hier im Südwesten, der über 800 Gastro- und Handelspartner mit allen möglichen Getränken beliefert, der Inhaber der Weinkauff und Gefako-Getränkefachmärkte ist, selbst über 100 Gastrobetriebe verpachtet, sowie einige Hotels und Gasthäuser besitzt, ist mit der gesamten Gastro- und Hotellerie mitleidend an der Pandemie und bekommt als Unternehmen selbst keine staatlichen Hilfen.

Als Selfmade-Millionär hat er sich vom Getränkeausfahrer im väterlichen Betrieb hochgeschuftet. Wer ihm heute den Erfolg neidet, weiss nichts von seiner Biografie. Was Kountz auszeichnet, ist ein zahlen-analytischer Verstand. Und immer eine klare Position. Mit benachteiligender Politikumsetzung hat er seine liebe Mühe. Als die Vorfälligkeit der Sozialsicherungsbeiträge 2006 noch unter Schäuble durchgedrückt wurde, der neben einem hohen Verwaltungsaufwand die kleinen und mittleren Unternehmen finanziell und personell stark belastet, war er bis zum Schluss einer der Wenigen, die sich vehement gegen diesen buchhalterischen Taschenspielertrick mit allen Mitteln zur Wehr setzte. Seine mehrseitigen, scharfsinnigen Schreiben an Verwaltungen sind gefürchtet.

Doch zu einer eigenen öffentlichen Werbeanzeige als Bürger-Statement hat er noch nie greifen müssen. Jetzt in der Pandemie sieht er sich am Ende seiner Geduld: „Mir reicht es wirklich!“, befindet er. Und darum startete er die privat bezahlte und als „Bürger Winfried Kountz“ gekennzeichnete Anzeige. Kountz ist keiner Partei zugehörig, „schon gar nicht der AfD“, bekräftigt er. „Und ich habe bislang alles mitgetragen, aber das Fass kam zum Überlaufen, als im November alle Impfzentren fertiggestellt wurden und alles auf die Impflieferungen wartete – aber die kamen bekanntlich nie richtig ins Laufen. Beim wichtigsten Punkt ein derartiges Versagen auf ganzer Linie!“

Eigentlich wollte er die Anzeige auch im Südkurier platzieren, doch in Telefonaten wurde ihm beschieden: „Nicht vor der Wahl!“ Und nach der Wahl erfuhr er: „Jetzt auch nicht.“ Es gehe gar nicht!

„Das ist doch Meinungsunterdrückung“, findet der engagierte Unternehmer. „Ich stehe zu jedem Punkt und bin persönlich haftbar, und wenn mich jemand verklagen will, kann er das auch. Sie hätten auch dicke Balken über die eindeutig als solche erkennbare Anzeige setzen können und von mir aus schreiben: ‚Wir teilen die Meinung dieses Durchgeknallten redaktionell nicht‘ – oder was auch immer. Ich hatte auch angeboten, in ein oder zwei Punkten etwas abzuändern. Doch sie wurde abgelehnt. Warum kann man das nicht als Meinung bringen?“

Jetzt ist Winfried Kountz nicht nur sauer auf Verwaltungen und Politiker, sondern auch auf den Südkurier. „Vielleicht hätte ich mit AfD kennzeichnen sollen?!“, frotzelt er in Anspielung auf den jüngsten Skandal, der sich um die Produktion und Veröffentlichung einer AfD Zeitungs-Beilage dreht, der dem Konstanzer Medienhaus bis in den „Spiegel“ hinein einen deutschlandweiten Medien- und Social Media- Shitstorm beschert hat. Apropos: „Wenn‘s zeitlich geklappt hätte, wäre das Inserat auch im Spiegel erschienen, aber die brauchen zuviel Vorlauf“, erläutert Kountz.

Fürs Singener Wochenblatt hat‘s immerhin gereicht. Und dort hat man sich sogar darüber gefreut. Als man das AfD-Druckwerk zur Wahl dort ebenfalls veröffentlich hat, gab‘s übrigens – anders als beim Südkurier – keinen Shitstorm, weil man postwendend veröffentlichte, das eingenommene AfD-Geld komplett an Anti-Nazi-Programme zu spenden.

Die wortreichen Rechtfertigungen der Südkurier-Chefetage verfingen da allerdings weniger. Und die Meinungsvielfalt, die die AfD-Beilage im Südkurier und dem Wochenblattableger Südwest-Anzeiger abdeckt, endet bei beiden, wenn es um den – im Vergleich zur Tageszeitungsbeilage – eindeutig als solcher gekennzeichneten Meinungsbeitrag von Winfried Kountz geht. Der Südkurier hat sich zum Sachverhalt bislang nicht geäußert – Schweigen im Kommunikations-Haus.  

Man muss ja nicht mit allen Punkten wortgenau übereinstimmen, die Kountz in seiner Anzeige thematisiert, doch er spricht damit vielen Menschen gerade aus der Seele. Nicht nur beim Wochenblatt kamen ausnahmslos positive Reaktionen. „Ich habe schon viele Mails und Anrufe bekommen, die mir zustimmen“, sagt Kountz und ist selbst überrascht: „Keiner hat mich angegriffen bislang!“