Sie sind ein starkes Team: Birgit und Oliver Nolte, Ehepaar und Inhaber des NOLTES Theater in  Überlingen. Sie stehen seit über 25 Jahren zusammen auf der Bühne, seit 16 Jahren betreiben sie ihr eigenes Theater. Sie spielen Klassiker zu zweit, modernes Theater, Chanson-Theater und selbst geschriebene Komödien. Zwei unabhängige, theaterbegeisterte Freigeister, die auch und gerade in den von Corona gebeutelten Zeiten mit Teamgeist alles versuchen, um als Kulturbetrieb zu überleben. akzent hat sich mit Birgit und Oliver Nolte unterhalten:

akzent: Sie haben sich bereits während der Schauspielausbildung kennengelernt und sicherlich schon viel zusammen erlebt. Was ist das Besondere an der jetzigen Situation und welche Vor- (oder auch Nachteile) hat das Meistern der Krise als Paar?

Birgit Nolte: Wir sind ein eingespieltes Team – im wahrsten Sinne des Wortes – als Theatermacher und als Paar. Unser gemeinsames höchstes Ziel war und ist es, ein maximales Maß an Freiheit in unserer kreativen Arbeit zu erreichen. Das bedeutet auch, dass wir unser Handeln sowohl auf der Bühne als auch im Privaten permanent reflektieren. Und daher geht es dabei nie um das „Ob“, sondern immer um das „Wie gestalte ich?“.

Oliver Nolte: Das Besondere an dieser Corona-Situation ist, dass uns zum ersten Mal dieses selbständige Handeln entzogen wurde. Damit wurde von außen die Frage nach dem „Wie“ gecancelt und auch das „Ob“ durch ein rigoroses „Sorry, leider nein!“ ersetzt. Aber selbst das haben wir gemeistert und Noltes „Digitale Bühne“ erfunden. 

Noltes Theater

akzent: Apropos „Digitale Bühne“: Was erwartet die Zuschauer bei dem neuen Format?

Birgit Nolte: Das Format ist so gestaltet, dass wir so nah wie möglich das Erlebnis eines „analogen“ Theaterbesuches nachempfinden. Das heißt, der Zuschauer kommt über einen Link auf unsere Homepage sozusagen an eine digitale Theaterkasse und wird dort persönlich begrüßt. Danach wird er oder sie in ein digitales Foyer weitergeleitet. Hier können sich die Zuschauer, wenn sie es wollen, gegenseitig sehen und auch ein Schwätzchen halten, wie in einem richtigen Foyer. Sobald das Stück beginnt, werden alle Zuschauer in den digitalen Theatersaal weitergeleitet, die Mikrofone der Gäste ausgeschaltet und das Spiel beginnt.

Digitale Bühne

akzent: Was unterscheidet das digitale Spiel vom analogen?

Oliver Nolte: Interessanterweise erfährt das Spielen vor mehreren Kameras nochmal ganz neue Gestaltungsmöglichkeiten, und auch der Zuschauer erlebt neue Aspekte der Wahrnehmung. Wichtig ist uns, dass es live stattfindet (und nicht gestreamt ist) und dadurch der Theatercharakter des „Hier und Heute“ und des „Ihr und Wir“ erhalten bleibt.

akzent: Was hat Sie damals dazu bewogen, im beschaulichen Überlingen ein Theater zu betreiben?

Birgit Nolte: Wir empfinden die Bodenseeregion und Überlingen als eine aufgeschlossene und theateraffine Gegend. Entfernt von den großen Metropolen können sich viele kleinere Kunst- und Kultur- Initiativen etablieren und behaupten, weil sie ihr Publikum eben auch hier finden. Außerdem lieben wir die Nähe zum Publikum, die sich in großen Häusern nicht herstellen lässt.

akzent: Was denken Sie, was Sie aus dieser Zeit an positiven (Paar-)Effekten mitnehmen werden, die sich evtl. auch auf den Theaterbetrieb auswirken?

Oliver Nolte: Wir sind Theater. Das Theater ist unser Lebensimpuls. Das haben wir noch mal ganz deutlich gemerkt. Das digitale Theater ist ein neues, wirklich spannendes Mittel und soll auch für die Zukunft erhalten bleiben.

Die Noltes


Birgit und Oliver Nolte haben beide eine Schauspielausbildung und diverse Hochschulabschlüsse (u.a. Sprecherziehung, FILM Regie & Dramaturgie, Philosophie). Das NOLTES Theater in Überlingen wird seit 2014 von ihnen betrieben. Zuvor hatten sie in der Nähe von Stuttgart zehn Jahre ein eigenes Theater. Beide haben keine ausgesprochenen Lieblingsstücke – sie mögen Schauspiel, das mit wenig Mitteln auskommt. Inspirieren lassen sie sich gerne von der Schaubühne in Berlin.

Noltes Culture Lounge

Fun-Fact:

Spielfreude lässt sich nicht bändigen – seit Beginn der Corona-Pandemie reden die beiden deutlich häufiger in Zitaten aus ihren Theater-Dialogen. Morgens spielen sie auf dem Sofa ganze Szenen durch – für den Hund. Und mitunter antworten sie auch dem Fernsehmoderator oder dem Gesundheitsminister mit geflügelten Worten aus dem Theater.

Alles zum Programm und dem Digitalen Theater unter:
www.noltes.biz

Fotos: von NOLTES THEATER

Das Interview führte Britta Zimmermann