D-Konstanz | 27.06.-22.09. | Mit seiner Arbeit „Total Recourse – Im Lauf der Dinge“ fasst Boris Petrovsky gleichermaßen das große Ganze, das System oder die Struktur von Bewegung und Bewegungen in den Blick und setzt sich im gleichen Zug mit den mikrokosmischen Kippmomenten auseinander.

Die Installation, ein „gebauter Film“, füllt eine ganze Fabrikhalle.
Containerwagen fahren selbsttätig mit Abstand auf einer in sich verschlauften Schienen-Endlosschleife und begegnen sich äußerst knapp auf der Kreuzung.

„Das Gleis verspricht die Entgleisung, die es zu verhindern vorgibt.“

 Marcus Steinweg, „Splitter“, Berlin 2017 

Wenn vom “Lauf der Dinge“ gesprochen wird, geht es ins Herz (in die Prozesse und Prozessoren) der Feedback- und Selbstreflexionsschleifen. Das heißt: Im Verlangen nach Störungsfreiheit der Systeme, nach größtmöglicher Ab- und Versicherung bei Steuerung in Echtzeit und allumfassender Regelung, scheinen sich Innen und Außen, Anwesenheit und Abwesenheit, Nähe und Ferne – Utopien und Dystopien übergangslos ineinander zu verstülpen.“ Doch welche Wirklichkeiten sind “wirklicher“ als andere? Für Petrovsky rückt der Faktor Zeit innerhalb der Analyse von Bewegung mehr und mehr ins Zentrum: „Endlosigkeit ist eine Frage des Zeitbegriffs. Heute, gestern und morgen sind zu einem Zeitkomplex verstülpt. Die ablaufende Zeit, ‚Chronos‘, und der Moment einer Gelegenheit, ‚Kairos‘ scheinen hier ineinander verschränkt zu sein.

An diese Überlegungen anknüpfend eröffnet „Total Recourse“ eine Vielzahl neuer Perspektiven in Form konkreter und unkonkreter Räume. Ist es eine Bedeutungsaufladungsmaschine, eine Wunschmaschine, eine Verteileranlage in einem Versandzentrum, eine Modelleisenbahnanlage, eine Ausstellung von Kunst, eine Industriemesse, ein Jahrmarkt? Sind es Modelle von Wirklichkeit oder ist es schon Wirklichkeit? 

Fiktionales und Faktisches, Biofrafisches und  Narratives, Abbild und Trugbild, Sprache und Bild verstülpen sich ineinander. Und: Wie läuft es mit »Der Lauf der Dinge« (Fischli und Weiss, 1987) im Lauf der Dinge? Mit der Ausstellung gibt Petrovsky auch einen persönlichen Einblick in Einflüsse, Denkweisen, Ansätze und Fragestellungen, die seine künstlerische Arbeit prägen.

ERÖFFNUNG: Donnerstag, 27. Juni 2019  //  19 Uhr  //

27.06.-22.09. | Gebäude 5, Halle 5 | Bücklestr.  1-5, 78467 Konstanz

Grußworte: Uli Burchardt, OB Konstanz

Öffnungszeiten: Freitag 13 – 20 Uhr  //  Samstag 11 – 20 Uhr  //  Sonntag 11 – 18 Uhr  //