Es ist ja bekannt, dass es der Gesundheit mehr nützen würde, wenn man mehr Treppen steigen würde, statt mit dem Aufzug zu fahren – an manchen Treppen wird sogar ausdrücklich darauf hingewiesen (z. B. im Verwaltungsgebäude Laube in Konstanz). Treppen, die auch von ihrer Form her bemerkenswert sind, findet man in größeren Gebäuden, aber auch außerhalb und sogar in der Landschaft.

Die Treppe ins Nichts

Es kommt immer wieder vor, dass man die interessantesten Objekte durch Zufälle findet, so auch für dieses Thema: Bei der Fototour nach Feldkirch, um das riesige Dach der Zollstation an der Grenze nach Liechtenstein zu fotografieren, habe ich ein Objekt entdeckt, das auf den ersten Blick aussieht wie eine schräge Betonskulptur, aber sich auf den zweiten als etwas ganz anderes zeigt.

Das Landeskrankenhaus in Feldkirch stammt aus den frühen 70er-Jahren, mit entsprechender Architektur. Es ist aber später architektonisch aufgefallen durch das Mehrzweckgebäude von 1993, das als dominantes Element eine 180 Meter lange, geschwungene Lehmwand enthält und schon dafür einen Besuch wert ist. Im letzten Frühjahr wurde vor dieses Gebäude ein neues Beispiel der Kunst am Bau gestellt: die „Stiegenskulptur“ (Treppenskulptur).

Sie ragt auf der Wiese unterhalb des Promenadengangs einfach so in die Luft und bildet so einen Kontrapunkt zu dem langgestreckten Bau des Spitals. Von dessen Seite aus erkennt man erst die beiden Treppen, die rechte flacher, die linke etwas steiler. Wer hinaufgeht, findet am Ende keine Plattform, man kann nur auf der letzten Stufe in etwa drei Metern Höhe stehen bleiben und auf die Landschaft mit den nahen Bergen schauen, sich umdrehen und das Krankenhaus aus einer anderen Perspektive sehen. Das ist Kunst, wie sie sein soll – „zweckfrei“, aber sinnvoll!

Moderne Wendeltreppen

Treppen in mehrstöckigen Gebäuden müssen nützlich sein – und sie müssen dabei auch noch so (schön) gestaltet sein, dass sie die Leute dazu animieren, die Treppe zu benutzen, statt mit dem Aufzug zu fahren. Gerade die klassische Wendeltreppe, die man sonst eher aus engen Türmen kennt, macht es leichter als die Treppen, bei denen man sich bei jedem Stockwerk entscheiden kann, ob man weitergeht oder aufgibt. In zwei (mehr oder weniger) öffentlichen Gebäuden am Bodensee wurden in den letzten Jahren so großzügige Wendeltreppen eingebaut, die wie eine Skulptur im Raum wirken: Im Konstanzer Hotel RIVA (Grath Architekten, 2006) erschließt eine weiße Wendeltreppe aus dem Eingangsbereich des Restaurants die oberen drei Geschosse mit dem Pool auf dem Dach und das Untergeschoss mit den Tiefgaragen.

Der ovale Grundriss des Treppenhauses macht sie noch etwas eleganter als die traditionelle kreisförmige Form.

Zwei Jahre später wurde der Neubau der Friedrichshafener Zeppelin University (Architekt Fritz Hack, 2008) mit einer ebenfalls fünf Stockwerke verbindenden, markanten Wendeltreppe eröffnet. Hier steht die kreisförmige Treppe frei im Raum und verbindet so das ganze Gebäude. Durch die kräftig rote Farbe und den großzügigen Luftraum dominiert sie den ganzen Bau, als „roter Faden“ der Hochschule soll sie Orte der Kommunikation schaffen, was für ein Haus der Wissenschaft ja essenziell ist. Zu den äußerlichen Besonderheiten des Neubaus gehören die High-Tech-Glasfassade und die Sitz- und Liegemöbel auf der Grünfläche.

www.hack-architekt.com

Brücke ohne Treppen

Ganz neu in der Region ist die Taminabrücke in einem südwestlichen Seitental des Rheins, oberhalb von Bad Ragaz. Sie verbindet die beiden Dörfer Pfäfers und Valens, die bisher nur durch jeweils eine Straße auf beiden Seiten des Tals von Bad Ragaz aus erreichbar waren – oder durch eine Wanderung in die Schlucht, deren Grund man über lange Treppen erreicht, mit einem Ab- und Aufstieg von etwa 200 Höhenmetern.

Die neue, im Juni eröffnete Brücke ist mit einer Spannweite von 260 Metern die größte Bogenbrücke der Schweiz – und eine der elegantesten Brücken des Landes. Die Baukosten von etwa 37 Millionen Franken sind schön angelegt.

Text: Patrick Brauns

Fotos: Patrick Brauns, Fritz Hack