D – Konstanz | 17.12. | Die a cappella-Band VIVA VOCE und die Südwestdeutsche Philharmonie präsentieren klassische Weihnachtslieder in völlig neuem Gewand.

Wenn eine A-capella-Band und ein Sinfonieorchester gemeinsam musikalische Weihnachten feiern, fängt nicht nur die Weihnachtsgans an zu flattern: Frosty der Schneemann hat an diesem Abend den Swing-Mantel gewählt, eine Weihnachtsgans irgendetwas völlig falsch verstanden, und auch kulinarische Problemzonen sind kein Tabu. Die Vokalkünstler von VIVA VOCE singen peppig, rhythmisch oder besinnlich gegen Konsumdruck und Geschenkewahn an und bieten zusammen mit der Südwestdeutschen Philharmonie mit „Symphonic Christmas – Wir schenken uns nichts“ eine Mischung aus hoher symphonischer Darbietung und gepflegter musikalischer Unterhaltung.

Was hinter dem Konzept der Reihe UNLIMITED steckt, in deren Rahmen VIVA VOCE auftitt, erklärt Intendant Beat Fehlmann im Interview.

Beat Fehlmann Bild: ©SWP | Fotograf Patrick Pfeiffer

akzent: Ein englischsprachiger Begriff mit der wörtlichen Bedeutung „unbegrenzt“ – was hat das denn mit klassischer Musik zu tun?

Beat Fehlmann: Ich finde, wir stehen ja nicht nur für klassische Musik, sondern für Musik von Menschen gemacht, die hier leben, also unsere Musiker. Natürlich stimmt es: Sie bedienen ein Instrumentarium, das aus der klassischen Tradition heraus kommt.

akzent: Das klingt nach einem „aber“ …?

Beat Fehlmann: Ja, stimmt. Denn diese Instrumente und die Fähigkeiten, die unsere Orchestermitglieder mitbringen, reichen eben weit darüber hinaus und über die Stile hinweg. Das Unbegrenzte meint ja hier vor allem ein Verlassen der Schubladen, was die Stilistik betrifft. Und einen Aufbruch in andere Regionen der Musiktradition.

akzent: Und wie kommt das dann in die Konzerte hinein?

Beat Fehlmann: Hier möchten wir einfach gern die spezifischen Qualitäten des jeweils anderen Stils – a cappella-Gesang, Rap oder Tango – mit den Besonderheiten eines Orchesters in Berührung und darüber hinaus zusammen bringen. Und da gibt es tatsächlich unendliche – oder besser: unbegrenzte – Möglichkeiten.

akzent: Also unbegrenzt in zweifacher Hinsicht: Im Hinblick auf die Zusammensetzung „wer mit wem“ und dann „was womit zusammen“?

Beat Fehlmann: Genau so, ja!

akzent: Und wie sind Sie dann auf diesen – für das Orchester doch besonderen – Ort, nämlich die Schänzlehalle, gekommen?

Beat Fehlmann: Also, das hat auch mehrere Gründe. Erst einmal brauchen wir einen Ort, der Platz hat auf der Bühne, damit dieses Miteinander auch funktioniert. Beim ersten Konzert zum Beispiel kommen die Jungs von VIVA VOCE als Ensemble und dazu kommt unser Orchester als Ensemble und zusammen sollen sie auch ein Ensemble sein und nicht einfach nebeneinander gestellt werden.

VIVA VOCE | Foto; Michael Vogel

akzent: Also auch Platz für Gestaltung sozusagen?

Beat Fehlmann: Ja, so habe ich es gemeint.

akzent: Gibt es denn noch einen Grund?

Beat Fehlmann: Na, wir brauchten dann auch einen Raum mit einer natürlichen Akustik. Da wir die Schänzelhalle schon kennen – als wir mit der HSG ihre neue Hymne eingespielt haben und auch bei unserer Kooperation mit dem Jungen Theater und der HSG bei unserem Familienkonzert im Mai 2017 bei den „Konstanzer Welten“ –, haben wir uns den Raum nochmal zugänglich gemacht.

akzent: Und er passt für eine solche Konzertreihe also?

Beat Fehlmann: Ja, vor allem haben wir eben Platz. Und der Raum wird für diese Gelegenheit erst einmal aufgebrochen. Wir sind einfach mal nicht im Festsaal Inselhotel oder im Konzil, sondern in einer Sporthalle. Da hilft uns das sicher auch: einen Raum zu erschließen für so etwas, was auch für uns neu ist.

akzent: Und was erwartet die Konzertbesucher bei diesen Unlimited-Konzerten in der Schänzlehalle, was sie sonst nicht so von der Philharmonie kennen?

Beat Fehlmann: Als erstes würde ich sagen, es ist mal eine ganz andere Atmosphäre. Es ist eine Tribüne für das Publikum da. Man kann also Facetten und auch Perspektiven erleben in Bezug auf das Orchester, die man sonst in den Abokonzerten zum Beispiel nicht hören kann. Und auch nicht sehen. Das Orchester sieht man mal von oben. Also sowohl optisch und akustisch wird es eine neue Erfahrung sein, aber auch stilistisch: man wird sehen und hören, dass das Orchester – oder besser: die Musiker – sehr flexibel ist und sind. Und das ist ja auch ein wichtiger Grund, weshalb ich es gut finde, wenn sie einmal zeigen können, wie sie unterschiedliche Stile spielen. Ein Orchester ist viel wandlungsfähiger, als viele denken. Man darf in jedem Fall gespannt sein!

Weitere Konzerte der Unlimited Reihe folgen mit …

17.12., 18 Uhr | „Symphonic Christmas – Wir schenken uns nichts“ | Schänzlehalle, Winterersteig 23, D-78462 Konstanz | +49 (0)7531 900-816 | www.philharmonie-konstanz.de