D – Konstanz/ Wahlwies | Der Jazz hat in Konstanz Tradition – und seine Historie ist spannend. Der Wahlwieser Uwe Ladwig, selbst Jazzmusiker, holt mit seinem gerade erschienenen Buch „Die Geschichte des Jazz in Konstanz“ allseits bekannte Namen und Lokalitäten aus der Vergessenheit, lässt einige Protagonisten ausführlich zu Wort kommen und beleuchtet die aktuelle Jazzszene. Fazit vorweg: Der große Rechercheaufwand hat sich gelohnt. Das Buch bringt Lese-Spaß und Erkenntnisgewinn nicht nur für Jazzfreunde.

Die Idee, die Konstanzer Jazzgeschichte niederzuschreiben, sei ihm im April dieses Jahres gekommen, erzählt Uwe Ladwig. Bei einem Konzert des Lake Side Jazz Orchestra mit Jürgen Waidele im Konstanzer Il Boccone. „In meiner Moderation hatte ich versucht, diese Historie ansatzweise zu skizzieren. Unter den Gästen waren einige, die die Jazzgeschichte seit den 1950er Jahren miterlebt und mitgestaltet haben. Sie boten mir an, mir ihre Erinnerungen und Fotos zur Verfügung zu stellen, um alles einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Ladwig begann unverzüglich mit der Recherche. Kaum ein halbes Jahr brauchte er bis zur Fertigstellung des Buches.

Ein Buch mit Namen, an die sich so mancher ältere Jazzfreund mit Wehmut erinnern mag. Zum Beispiel Werner Greiner, Jan Dix und die Brüder Steckeler in den 50ern, der Blütezeit des Konstanzer Jazz. Helmut Steckeler, damals der jüngste Kellermeister Deutschlands, war es, der 1952 in der Spitalkellerei die ersten Versuche mit Jazz-Musik unternahm. Der Dixie riss damals die Menschen mit. Uwe Ladwig: „Das war die Zeit des Aufbruchs. Jazz war Popmusik, da wollten alle hin, wenn irgendwo gespielt wurde.“

 

Dann die 60er Jahre mit den Halleluja Ramblers, die es mit ihrer Musik zu Konzertreisen bis in die USA schafften und in New Orleans gar die Ehrenbürgerwürde erhielten. „Als sie von einer dieser Konzertreisen zurückkehrten, wurden die Musiker in Konstanz so begeistert empfangen, als seien sie Fußballweltmeister. Ihre neue Platte war sofort vergriffen.“ Ein Name, der für eine andere Variante des Jazz stand, war Claus Veeser. Ein, so Ladwig, charismatischer Vertreter des Modern Jazz.

In den 70ern kamen die Jazzkneipen auf. Die „Bunte Kuh“ in Kaltbrunn, die „Seekuh“, der „Fischkopf“. Es gab die ersten Jazztage, Namen wie Jürgen Waidele und Bernd Konrad tauchten immer öfter auf, und auch Gaby Kemmler und Uli Körner.Franco Manzecchi verlegte mit seinem Sohn Patrick den Wohnsitz von Paris nach Konstanz. „Obwohl er schon nach zwei Jahren starb, hat Franco Manzecchi der Konstanzer Jazz-Szene wichtige Impulse gegeben“, erklärt Uwe Ladwig.

Und so geht es weiter mit Erinnerungen – bis in die Gegenwart. „Ich habe eine Menge Musiker persönlich getroffen. Wir haben zusammen Kisten von Speichern geholt, alte Fotos ausgegraben, sogar eine Musikkassette, die nie veröffentlicht wurde und die wir jetzt digitalisiert haben.“ Manche Details wie Nachnamen oder Todeszeitpunkt einzelner Musiker erfuhr der Autor nur über Umwege, durch intensives Recherchieren. Auf diese Weise erhalten dank Uwe Ladwigs Unermüdlichkeit und Hartnäckigkeit längst verstorbene Musiker jetzt späte Aufmerksamkeit. Und auch ein bisschen Ehre.

Ladwigs Chronik ist voller herrlicher Fotos, die bei den Betrachtern so manchen überraschten Lacher provozieren werden. Ein großer Teil des Buches besteht aus Statements bekannter Persönlichkeiten aus der Jazz-Szene, darunter Jürgen Waidele, Patrick Manzecchi, Thomas Banholzer und Gaby Kemmler. Beigelegt ist eine CD mit größtenteils unveröffentlichten Aufnahmen Konstanzer Jazzer. Ein Glücksfall ist das Buchcover: Es stammt von Otto Dix, ein nicht katalogisiertes Bild, das die Jazzband seines Sohnes Jan darstellt.

Wer die Chronik möglichst bald haben möchte, sollte sie direkt bei Uwe Ladwig bestellen: office@uwe-ladwig.de, +49 (0)7771 92 10 20, www.uwe-ladwig.de. Oder warten, bis sie in den Buchhandlungen liegt.

Text: Claudia Antes-Barisch