„So groß wie ein Babyelefant“ Abstand zu halten, reicht in Vorarlberg nicht mehr aus. In Österreich steigen die Zahlen der Neuinfektionen, deshalb verschärft Kanzler Kurz ab sofort die Maßnahmen. Ab 14. September muss in Österreich in allen Geschäften ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Auch im Dienstleistungsbereich, für die Beschäftigten in der Gastronomie aber auch in Behörden und in den Schulen außerhalb des Klassenzimmers gilt nun die Maskenpflicht. Bisher galt in Österreich nur in Supermärkten und öffentlichen Verkehrsmitteln eine Maskenpflicht.

Restaurants dürfen Speisen und Getränke im Innenbereichen nur noch an Sitzplätzen servieren. Im Veranstaltungsbereich wurden die Besucherzahlen stark reduziert. Ohne zugewiesene Sitzplätze liegt die maximale Personenzahl in Innenräumen bei fünfzig Personen, im Freien bei einhundert. Bei Großveranstaltungen innen mit festen Sitzplätzen dürfen eintausendfünfhundert Besucher teilnehmen, Open-Air sind es dreitausend. Kurz geht davon aus, dass diese Maßnahmen die Bevölkerung zumindest während des gesamten Winters begleiten werden und kündigte an, sie bei Bedarf zu verschärfen, um einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Bereits Anfang September hatte Kurz aufgerufen, soziale Kontakte zu reduzieren und überall dort Masken zu tragen, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann. Hier hatte er bereits angekündigt, dass strengere Regeln folgen könnten. Nun ist es soweit, denn Kanzler Kurz ist sich mit Blick auf die stetig steigenden Zahlen der letzten Wochen sicher, dass die Lage wieder ernst werden kann, ohne verschärfte Schutzmaßnahmen.

Ampel-Alarm

Mit dem neu entwickelten Warnsystem der Corona-Ampel soll der Bevölkerung in Österreich seit 4. September schnell vermittelt werden, in welchen Regionen das Infektionsgeschehen außer Kontrolle zu geraten droht. Die vier Farben der Corona-Ampel (Grün: geringes Risiko, Gelb: mittleres Risiko, Orange: hohes Risiko, Rot: sehr hohes Risiko) signalisieren, wo mit neuen Pandemieauflagen gegengesteuert werden muss.

Eine Woche nach Einführung der Corona-Ampel werden die meisten Regionen des Landes abseits der Ballungsräume grün eingestuft. Grün und damit ein geringes Risiko zeigt die Ampel aktuell auch in Vorarlberg. Es werden mit Stand vom 11. September auf der Corana-Ampelkarte auch sieben gelbe Regionen mit mittlerem Risiko ausgewiesen. Geplant ist, dass für jede Stufe konkrete Maßnahmen gelten sollen. Mit den neuen landesweiten Verschärfungen der Regierung findet nun aber kein gezieltes regionales Gegensteuern statt, das wird entsprechend von der Opposition kritisiert.

Zur Einstufung wird die Infektionslage in jeder Region wöchentlich von einer Expertenkommission analysiert und bewertet. Die Festlegung der Ampelfarben liegt aber bei der Regional- und Bundespolitik. Bei der farblichen Einstufung gibt es offensichtlich zum Teil noch Diskussionsbedarf. Damit die „Virus-Ampel“ zum offiziellen Werkzeug werden kann, fehlt noch ihre vollständige gesetzliche Verankerung. Diese soll mit der Novellierung des Epidemiegesetzes und des Covid-19-Maßnahmengesetzes rechtlich durchgesetzt werden. Ein Beschluss ist für den 23. September geplant.(sg)

Kriterien der „Corona-Ampel“

„Die Corona-Kommission orientiert sich bei ihren Entscheidungen an der epidemiologischen Situation in den jeweiligen österreichischen Regionen, schätzt das Risiko auf regionaler Ebene ein und fokussiert dabei sowohl auf das Verbreitungsrisiko von Covid-19 als auch auf das Systemrisiko.“
Verbreitungsrisiko: Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch die Verbreitung von Covid-19.
Systemrisiko. Gefahr der Überlastung des Gesundheitsversorgungssystems mit Covid-19-Patienten.


„Vier Analyse-Dimensionen“

  • Übertragbarkeit, gemessen an der Sieben-Tage-Inzidenz, Anzahl der „Cluster“
  • Quellensuche: Anteil der Fälle mit geklärter Ansteckung, Infektionsländer, lokale Übertragung
  • Ressourcen: Klinikauslastung, freie Intensivkapazitäten
  • Tests: Anzahl der Tests, Positivenrate
    (Quelle: Sozialministerium Österreich)