… FÜR WIRKSAMES MANAGEMENT

Fredmund Malik ist einer der profiliertesten Management-Berater.Er ist in Lustenau (Vorarlberg) geboren, lehrte an den Universitäten St. Gallen, Wien und Innsbruck sowie in China und ist vielfach ausgezeichneter Bestsellerautor. Zudem ist er Gründer und Chairman des St. Galler Unternehmens Malik International, das für Unternehmen und Institutionen Management-Lösungen entwickelt. Im Interview mit akzent spricht er über Unternehmensführung und einen der größten Transformationsprozesse der Menschheit.

akzent: Herr Professor Malik, Sie feiern am 1. September Ihren 75. Geburtstag. Dies ist ein guter Anlass, um einen Blick auf Ihr Lebenswerk zu werfen. Wie würden Sie selbst es beschreiben?
Fredmund Malik: Ein großes, wunderbares Abenteuer mit vielen Überraschungen. Seit 40 Jahren berate ich Führungskräfte, befähige und begleite sie.
akzent: Ihre Management-Lehre unterscheidet sich von konventionellen Ansätzen. Was sind Ihre Grundaussagen?
Fredmund Malik: Im Kern geht es um die Frage, wie man Organisationen befähigen kann, zu funktionieren, damit sie ihre Zwecke immer besser erfüllen und sich erfolgreich an die neuen Bedingungen der „Großen Transformation 21“ anpassen. So nenne ich seit 1997 den fundamentalen Wandel, der die Alte Welt ablöst und zu einer Neuen Welt führt. Die Digitalisierung bedeutet, dass alles mit allem vernetzt wird – und zwar global. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte verlieren Zeit und Raum dadurch ihre Bedeutung. Wir können die damit entstehende Komplexität als Chance nutzen. Dazu müssen die meisten Organisationen lernen, neu und anders zu funktionieren, um die Transformation zu meistern.
akzent: Welches Management-System brauchen wir, um diesen Veränderungen gewachsen zu sein?
Fredmund Malik: Meine Art Management sehe ich als das „Operating System“ für Organisationen – als Zwillingsbruder der Digitalisierung. Die Grundlage für beide sind die drei Wissenschaften vom Meistern und Nutzen der Komplexität: Kybernetik, Systemtheorie und Bionik. Die wichtigste davon ist die Kybernetik. Die Digitalisierung wendet Kybernetik an auf Computer, und meine Management-Lehre ist die Anwendung der Kybernetik auf Organisationen.
akzent: Sie sind ein aktiver KIetterer. Was hat Bergsteigen mit Unternehmensführung zu tun?
Fredmund Malik: Ich meine hier das Bergsteigen in höheren Schwierigkeitsgraden und auch auf tagelangen Touren. Das erfordert Kenntnisse und Fähigkeiten, die im Management sehr helfen können. Diese kann man sich weitgehend aneignen – auch bei anderen Outdoor-Sportarten. Dazu gehören gründliche Vorbereitung auf alle Eventualitäten,die nötige körperliche und psychische Fitness, Ausdauer, Disziplin,Erfahrung mit möglichst vielen Situationen einschließlich der Erfahrung mit sich selbst und seinen vermeintlichen oder echten Grenzen.
akzent: Was zeichnet einen guten Manager aus?
Fredmund Malik: Der Schlüssel ist der Wille, sich selbst wirksam zu machen, das heißt, sich effektiv zu machen. Bildlich gesprochen „seine PS“ auf die Straße zu bringen und zwar bei allen Straßenverhältnissen.Es gibt so viele Menschen, die so viele gute Eigenschaften und Fähigkeiten haben, aber diese nie richtig nutzen, weil ihnen dazu das nötige Selbstmanagement fehlt. Aber diese Wirksamkeit kann jede und jeder lernen.
akzent: Was braucht jemand, der auf dem Karriereweg nach oben erfolgreich sein will? Ehrgeiz, Glück, eine gute Ausbildung oder noch etwas ganz anderes?
Fredmund Malik: Es kommt darauf an, wo für jemanden „oben“ ist.Das Fundament ist immer eine gute, ja exzellente Ausbildung. Dies beinhaltet auch ein ständiges Arbeiten an sich selbst. Hinzu kommt der Wille, etwas zu leisten und zu erreichen, und die Bereitschaft, dafür auch Opfer zu bringen und zu akzeptieren, dass nicht alles immer nur Spaß macht, genauso wie Training im Sport nicht immer Spaß macht. Wenn sich das Glück dann zufällig anbietet, kann man es ergreifen und nutzen.
akzent: Was dürfen Mitarbeiter von ihren Führungskräften erwarten – und was nicht?
Fredmund Malik: Von Chefs darf man erwarten: Charakterliche Integrität – ein Chef muss meinen, was er sagt und verlässlich so handeln. Das ist die Basis für das so wichtige gegenseitige Vertrauen. Ein Chef braucht auch die Fähigkeit, die Stärken der Mitarbeiter zu erkennen und sie genau dort einzusetzen, wo sie mit ihren Stärken Resultate und Erfolge erzielen können, statt in ihren Schwächen herumzubohren. Sie können erwarten, dass Chefs ihnen zeigen, wie sie sich selbst motivieren können und nicht ständig darauf warten, dass es ein anderer tut. Und wie sie damit über ihre eigenen, vermeintlichen Grenzen hinausgehen können,zu neuen Horizonten. Das führt zu einer Kultur der Wirksamkeit.
akzent: Noch ein persönliches Wort: Was bedeutet Ihnen der Bodensee?
Fredmund Malik: Ich bin kein Wassersportler, aber der See gehört zu meiner Heimat. Mich hat früh die kulturelle Geschichte des Bodensee-Raumes interessiert, die irischen Mönche und ihre Wirkstätten, die Reichenau und Mainau, St. Gallen und Vorarlberg, die historischen Kulturbauten, Konstanz und das Konzil. Mich fasziniert der See selbst als Naturschauspiel und generell als eines der Zentren der Alemannen. |TEXT: RUTH EBERHARDT

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