Trinkquelle, Waschmittel, Badeperle, Physikwunder, Energie­lieferant, ­Lebenselixier und vieles mehr: Wasser ist ein Alles­könner, der weltweit verschiedene, grundlegende Bedürfnisse erfüllt. Es gibt ­jedoch nur EIN Wasser, das für den Kreislauf auf der Erde von elementarer Bedeutung ist und das von der Natur selbst perfekt eingesetzt wird. 

Durch äußere, vom Menschen hervorgerufene Einflüsse – z. B. durch Chemikalien, Abwasser, Klimawandel und ähnliches – wird vor allem sauberes Wasser zu einem immer kostbareren Gut. Welche Wasserarten es gibt, warum der Bodensee eine optimale Trinkwasserquelle ist, auf welchem Weg das Wasser vom See in die Haushalte kommt und wie Trinkwasserbrunnen zur nachhaltigen Nutzung von H2O in der Vierländerregion beitragen, wird hier genauer betrachtet.

Trinkwasserarten

Doch welche Arten von Trinkwasser gibt es eigentlich und was sind die Eigenschaften dieser? 

Leitungswasser besteht aus zwei Dritteln Grundwasser und einem Drittel Oberflächenwasser. Neben zahlreichen Umwelteinflüssen und der erlaubten Aufarbeitung mit Chemikalien, legt das Leitungswasser häufig einen langen Weg durch das städtische Rohrsystem zurück und kann durch diese Gründe an Qualität einbüßen. 

Tafelwasser ist normalerweise kein ­Naturprodukt, sondern wird durch verschiedene Wasserarten und andere Zutaten hergestellt. Es gibt keine gesetzlichen Vorschriften für die Mischverhältnisse, bedarf keiner amtlichen Anerkennung und muss keine ernährungsphysiologischen Wirkungen aufweisen. Tafelwasser darf nicht mit dem Begriff „natürlich“ oder Brunnen- sowie Quellnamen bezeichnet werden und weder Angaben zur geografischen Herkunft noch zur chemischen Zusammensetzung enthalten.

Quellwasser wird direkt an der Quelle abgefüllt und ihm darf Kohlensäure entzogen oder hinzugefügt sowie Eisen und Schwefel abgetrennt werden. Trotz seiner Herkunft aus dem unterirdischen Wasservorkommen, muss Quellwasser nicht das Kriterium der ursprünglichen Reinheit erfüllen. In der Zusammensetzung muss es jedoch allen für Trinkwasser vorgeschriebenen Anforderungen entsprechen. 

Mineralwasser entspringt dem unterirdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasservorkommen. Es muss ebenfalls direkt an der Quelle abgefüllt werden. Die natürlich enthaltenen, wertvollen Mineralien sowie Spurenelemente machen es ernährungsphysiologisch wirksam. Als einziges deutsches Lebensmittel benötigt das Mineralwasser eine amtliche Anerkennung, die in über 200 Untersuchen geprüft und ständig überwacht wird.

Bodensee-Trinkwasser

130 Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr aus knapp 50 Milliarden Kubikmetern Wasser insgesamt: Der Bodensee ist eines der bedeutendsten Trinkwasserreservoirs in Europa. Vier Eigenschaften sind dabei besonders wichtig: Die Größe, die Tiefe, die kräftige Durchströmung und der gute Schutz machen den Bodensee zum idealen Trinkwasserspeicher. Einer der Vorteile ist, dass aus den meist unbesiedelten Höhenlagen der Alpen sauberes Schmelz- und Regenwasser in den See strömt. Das Trinkwasser ist dadurch schmackhaft, gesund sowie natürlich klar. Das Reservoir scheint zudem nahezu unerschöpflich: Rund 11,5 Milliarden Kubikmeter Wasser fließen jährlich in den Bodensee – der größte Anteil davon vom Alpenrhein. Falls Schadstoffe in den Bodensee gelangen, sorgt die ständig starke Strömung außerdem dafür, dass diese verdünnt und schnell wieder ausgespült werden. Die Gefahr für das Trinkwasser ist so äußerst gering und die Wasserqualität des Bodensees wird immer besser.

Doch einen Wermutstropfen gibt es: Durch die steigende Wasserqualität leiden Fische unter den immer weniger werdenden Nährstoffen. Die Bestände schrumpfen und mit ihnen die Anzahl an Bodensee-Fischern. Grund für die enorme Sauberkeit sind u.a. die Ringkanalisation sowie die effizienten Kläranlagen rund um den Bodensee. Sie verhindern, dass Düngemittel oder Fäkalien in den See gelangen und sorgen damit für einen sehr niedrigen und damit für Fische lebensabträglichen Phosphatgehalt. 

Bodensee-Wasserversorgung

Wie kommt das Bodensee-Trinkwasser eigentlich in die Haushalte der rund 4,5 Millionen Menschen, die jährlich damit versorgt werden? Der 1954 gegründete Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung entnimmt das Rohwasser in 60 Metern ­Tiefe des Bodensees, da das Wasser dort rein und klar ist sowie ganzjährig gleichbleibend niedrige Temperaturen von etwa fünf Grad Celsius hat. Das am Seeufer stehende Pumpwerk befördert anschließend mit seinen insgesamt sechs Pumpen bis zu 9.000 Liter Wasser pro Sekunde in die über 300 Meter höher gelegene Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg. Dort wird das natürlich hochwertige Bodenseewasser dann mit Mikrosieb-, Ozon- und Filteranlagen zu einem Trinkwasser sehr hoher Qualität aufbereitet. Rund 1.700 Kilometer Rohrleitungen befördern das Trinkwasser schließlich final in die deutschlandweiten Haushalte.

Um den durch demografische Veränderungen und Auswirkungen des Klimawandels steigenden Bedarf an Trinkwasser abdecken zu können, müssen die Anlagen der Bodensee-Wasserversorgung allerdings gerüstet werden. Aus diesem Grund wurde das Projekt „Zukunftsquelle“ initiiert. Ziel dieses ist es, die Trinkwasserversorgung auch für die nächsten Generationen sicherzustellen. Eine Reihe baulicher Vorhaben, die Modernisierung der einzelnen Anlagenbestandteile, Anpassungen bei der Stromversorgung und viele weitere Maßnahmen stehen in diesem Zusammenhang auf der Agenda. Die Projektdauer wird auf 15 Jahre veranschlagt und befindet sich aktuell in der Vorplanung. Als geschätzte Kosten wird ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag genannt, der innerhalb des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung auf den Wasserpreis umgelegt werden soll. 

Weltwassertag

Übrigens hat die UN 1993 den Weltwasser­tag ins Leben gerufen. Jedes Jahr am 23. März macht er auf die Bedeutung des Wassers als Lebensgrundlage aufmerksam und zeigt, wie wichtig das nachhaltige Management von Frischwasser-Ressourcen ist.  Zu den Aktionen zählen weltweit u.a. die Publikation von Dokumentarfilmen, die Organisation von Konferenzen und Seminaren sowie Ausstellungen rund um das Thema Wasser. Das Motto des Aktionstags 2020 lautete „Wasser und Klimawandel“. Die drei Apelle dabei: ­Jeder muss seinen Beitrag leisten, es kann nicht mehr abgewartet werden und Wasser kann bei der Bekämpfung des Klimawandels helfen. Denn: Ob schmelzende Gletscher, knappere Süßwasserressourcen, ansteigender Meeres­spiegel oder zunehmende Wetter­extreme wie Starkregen, Überflutungen, Dürreperioden oder Wirbelstürme – der Klimawandel ist allgegenwärtig und äußert sich meist durch Wasser­extreme von zu viel bis zu wenig. 

Weitere Informationen unter:

Trinkwasserbrunnen

Gratis Kostproben des Bodensee-Trinkwassers gibt es an zahlreichen Trinkwasserbrunnen: Von Konstanz und Sipplingen über St. Gallen und Schaffhausen bis nach Bregenz kann die kostenlose Erfrischung ganzjährig rund um den Bodensee genossen werden. Beim Spaziergang durch die Region findet sich schnell einer der vielen Trinkwasserbrunnen, an dem die mitgebrachte Glasflasche nachhaltig und bequem aufgefüllt werden kann. Um bereits von zuhause aus den bestgelegenen Brunnen auszusuchen, gibt es inzwischen zahlreiche Online-Portale mit Übersichten an Trinkwasserbrunnen und -spendern – –
in Deutschland sogar ein landesweites Verzeichnis dieser. Einfach mal ausprobieren und genießen – getreu dem Motto: „Wasser marsch!“

Text: Andrea Mauch
Fotos: Trinkwasserbrunnen: MTK