Die 1920er-Jahre – diese kontroverse Dekade des Aufbruchs und Umbruchs steht ab Ende November im Deutschen Hutmuseum Lindenberg im Fokus: in der vom Haus der Bayerischen Geschichte konzipierten Sonderausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“.

Zu sehen gibt es allerhand, denn die beleuchtete Zeit hat es in sich: Der junge Bert Brecht lässt 1929 siebenhundert Intellektuelle einen Öltank anbeten. Die amerikanische Tänzerin Josephine Baker erhält in München Auftrittsverbot. Der Putschist Adolf Hitler wird zu einem skandalös angenehmen Gefängnisaufenthalt verurteilt. Und der Rundfunk bringt das Land in die Wohnzimmer der Wohlhabenden.

Die Sonderausstellung zeigt die vielen Facetten des bewegten Jahrzehnts. Die Folgen des Ersten Weltkriegs, die Hyperinflation und die Extremisten von links und rechts belasten die junge Demokratie. Trotzdem: Wirtschaftlicher Aufschwung ermöglicht bescheidenen Wohlstand und zunehmende persönliche Mobilität, Aufbruch, Tempo, Tempo. Wie heute verändern neue Medien den Alltag: Schreibmaschine und Telefon sorgen für neue Arbeitsplätze – besonders für Frauen im Büro. Der Rundfunk informiert über die Ereignisse der Welt. Staubsauger und Föhn kommen in Gebrauch. Daher bestimmt die Elektrizität, wer sie nutzen kann oder nicht; das Land kann es oft nicht.

Die Zulassungszahlen für Automobile steigen rasant an – und damit auch die Unfallzahlen. Plakate und drastische Verkehrsfilme mahnen zu mehr Vorsicht. Das Tempo dieses Jahrzehnts wird auch an den neuen Tanzstilen, Musikinstrumenten und den bis heute populären Schlagern deutlich. Doch die Geschwindigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung wird auch kritisch gesehen, etwa von Thomas Mann und Sänger Weiß Ferdl.

Viele Filme, Musikbeispiele und Hörstationen ermöglichen den Besucherinnen und
Besuchern einen bunt gemischten Rundgang durch die 1920er. Die Ausstellung wartet mit einer aufwendig inszenierten Ausstellungspräsentation und einer Vielzahl von Originalexponaten auf. „Nach so langer Zeit mit so einem Highlight wieder zu starten, ist ein tolles Signal für uns und unsere Besucherinnen und Besucher“, freut sich Museumsleiterin Angelika Schreiber. „Dass wir nach dem Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg und dem Museum Industriekultur in Nürnberg der letzte Ausstellungsort sind, ehrt uns sehr.“


27.11.2021–29.05.2022
Deutsches Hut Museum Lindenberg
Museumsplatz 1
D-88161 Lindenberg
www.deutsches-hutmuseum.de

Beitragsbild: Blick in die Sonderausstellung „Tempo, Tempo – Bayern in den 1920ern“ | c) HDGB