D – Konstanz | Nachdem kurz vor Weihnachten noch Fakten geschaffen wurden und der Vertrag mit Geschäftsführer Jochen Lohmar vorzeitig und sehr überstürzt beendet wurde, zaubert die Stadt-Spitze auch schon das nächste Kaninchen aus dem Hut: Ruth Bader.

Die bislang erfolgreiche Konzil-Festspiel-Managerin ist seit Ablauf des 600 Jahr Konzil-Jubiläums bei der Stadtverwaltung „geparkt“. Derzeit kümmert sie sich um das Vermächtnis „600 Jahre Tagungskultur Konzilstadt“, bei der es perspektivisch darum gehen soll, wie sich Bodensee-Forum und das stadteigene zweite Tagungshaus, „das Konzil“, gemeinsam mit den anderen Optionen in der Stadt als Tagungs-und Kongress-Hotspot am See entwickeln sollen. Das Konzil-Gebäude wird bald europaweit ausgeschrieben und wird noch in der Familientradition von Manfred Hölzl geleitet, der dies auch gerne weiter tun würde.  Baders offizieller Vertrag läuft noch einige Monate, bis dahin soll die „Konzilstadt“, über die der fünfjährige Festspiel-Millionen-Event gelaufen ist, als Eigenbetrieb der Stadt abgewickelt sein. Sie ist überdies in einem Arbeitskreis zum Bodensee-Forum aktiv und ist darum mit Thematik und Problematik vertraut. Sie ist regional gut vernetzt und weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, wie Stadt und Verwaltung politisch so ticken, so dass hier von allen Seiten keine bösen Überraschungen zu erwarten sein sollten – mit Ausnahme der Fragestellung, wie bequem man es sich auf dem Schleudersitz im Bodensee-Forums-Chefbüro eigentlich machen kann. Nachdem nun bereits – je nach Lesart – 2 bis 4 Geschäftsführer und Interimsleiter eher unbequem saßen, sicher kein leichtes Unterfangen. Mit der Personalie um Jochen Lohmar zum Jahresende, die parallel zu vertraulichen Verhandlungen zur Tagespresse durchgesickert sind, hat man sowohl das Renommee des Hauses, als auch Jochen Lohmars nachhaltig beschädigt.

Lohmar, der das Haus in ordentlicher Schieflage vor gut anderthalb Jahren übernommen hat, war es in der – leider zu kurzen Zeit – nicht gelungen, das schöne Tagungs- und Kongresshaus am Ufer überregional erfolgreich zu etablieren. Letztlich fiel der Berliner mit schottischen Wurzeln wohl auch den ungelenken Wahlkampf-Taktierereien von Gemeinderat und Oberbürgermeister Burchardt zum Opfer, spätestens bei den Kommunalwahlen dürfte nämlich, so die Befürchtung, der schicke Beton-Klotz einigen politisch auf die Füße fallen – wenn man nicht jetzt kündigungsfristgerecht noch vor Weihnachten Aktionismus zeigt. Als Grund für die vorzeitige Beendigung des erst vor 18 Monaten auf eigentlich fünf Jahre ausgelegten Vertrages, ist allerdings nicht etwa der ausbleibende Umsatz im Tagungs- und Kongressbereich kolportiert worden. Lohmar war hier bekanntermassen bis heute noch sehr im Wegräumen von Altlasten und dem enormen Bürokratie-Aufwand, den das Konstrukt „städtischer Eigenbetrieb“ mit sich bringt, eingebunden, statt dem eigentlichen Kernbereich der Neuakquise von Tagungen und Kongressen die volle Konzentration widmen zu können. Den Ausschlag gab letztlich der Unmut der Forums-Belegschaft, die sich verständlicherweise mit der langjährig-holprigen Gesamtsituation seit Anbeginn unzufrieden zeigt und dies nun auch am neuen Geschäftsführer festmacht: dessen Vertrag ist im Gegensatz zu den Mitarbeitern denn auch deutlich leichter kündbar.

Wobei in dem Kontext gerade einige städtische Beteiligte, Räte und auch Mitarbeiter mit dem Durchreichen vertraulicher Informationen beweisen, dass ihnen der kurze öffentliche Effekt um ihrer eigenen Sache willen wohl doch mehr am Herzen liegt, als die Zukunft des Hauses, die durch das Ausplaudern von Personalangelegenheiten und Internas nachhaltig beschädigt wurde. Derlei Vorgänge sind in einigen städtischen Bereichen, in denen ebenfalls Führungspersonen gegangen sind, bislang geschickter und dezenter gehandhabt worden . So wird der geplante Führungswechsel nun am Rheinufer deutlich höheren Wellenschlag erzeugen, als allen Beteiligten letztlich lieb sein kann.

Wesentlicher Grund hierfür ist sicher der Geburtsfehler des Hauses, dass man der Bevölkerung bei Kauf und Umbau ein „Nullsummenspiel“ versprach. Die berühmt-berüchtigte  „schwarze Null“ erreichen zu können ist hier unter Fachleuten ein höchst strittiges Thema: In Deutschland schafft das kaum ein städtisches Tagungs- und Kongress-Haus, am Bodensee kein einziges. Vielleicht wäre jetzt endlich die Gelegenheit, dem selbstgenügsamen und nicht gerade als innovationsfreundlich bekannten Konstanzer Wahlvolk diesen Sachverhalt ehrlich zu erläutern: Denn auch in Bregenz, Singen und Friedrichshafen weiß man, dass die Häuser an sich keinen Gewinn abwerfen, über Umlageerträge in Hotelerie, Gastronomie, Handel und Steuern allerdings sehr wohl „einen großen Gewinn für die Stadt darstellen“.

Neben Stadttheater und Philharmonie würde mit Ruth Bader dann übrigens eine weitere Frau die Geschicke eines städtischen Aushängeschildes leiten –vom Leid-Betrieb hin zum Leitbetrieb?!

Der Leidtragende Lohmar selbst hingegen gibt sich bislang eher bedeckt: Er möchte zumindest in Konstanz bleiben und sieht sowohl für sich, als auch das Bodensee-Forum trotz allem optimistisch in die Zukunft, wenngleich diese durch die bisherige Vorgehensweise für beide Seiten nicht leichter zu gestalten sein wird. Die Parallele zu Bundesliga- Fussballvereinen drängt sich auf: Letztlich ist der Trainer immer der Sündenbock! Und auch aus der Erfahrung solcher Vorgänge weiss man, dass es meist teurer und nicht einfacher werden wird. Nun wird es wohl erstmal Bader ausbaden…

Text: Markus Hotz