Die Diskussionen um die geschichtsträchtige Maschine gehen weiter. Anfang Januar meldete sich ein Unterstützerkreis, der sich für den Museumsstandort Friedrichshafen stark machen will. Auf Initiative des Landrats Lothar Wölfle (CDU) und des SPD-Politikers Norbert Zeller hat sich eine Gruppe von Persönlichkeiten der Region, ehemaliger Geiseln und von Befreiern des 1977 von Terroristen entführten Flugzeugs zusammengeschlossen. Sie wollen das Ausstellungsprojekt aktiv und konstruktiv begleiten.

Mit an Board ist nun auch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB), sie wird die Federführung bei der weiteren Planung übernehmen. Ihr Präsident, Thomas Krüger äußerte sich im Januar gegenüber der Schwäbischen Zeitung, dass die Standortfrage noch nicht abschließend geklärt ist und das Landshut-Projekt frühestens 2023 realisiert werden kann. Die Maschine selbst solle eine zentrale Rolle spielen, es brauche aber weitere Ausstellungsobjekte und Reflexionsangebote, um die Geschichte der Landshut zu erzählen.

Friedrichshafen – Pro & Contra

Nachdem der Bundestag im November 2020 fünfzehn Millionen Euro für das „Landshut“-Museum in Friedrichshafen bewilligt hat, gab es Proteste. So sprach sich die CDU-Kulturstaatsministerin Grütters gegen den Standort am Bodensee aus. Ihr Plan war es, die Maschine zu zerlegen und Teile an unterschiedlichen Orten auszustellen. Das wiederum bezeichneten neun ehemalige Geiseln, die sich im Dezember zu Wort gemeldet hatten, als „verrückte Idee“. Sie sähen die Landshut „am Stück“ gerne in einem Hangar auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof.

Der frühere Museumsdirektor und Stiftungsvorsitzende David Dornier hatte sich lange Jahre um die Ausstellung bemüht und hätte sie weiterhin gerne in Friedrichshafen. Das Dornier Museum unter neuer Leitung und die Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt möchten aber inzwischen nichts mehr mit den Ausstellungplänen zu tun haben. Schon im September 2020 hieß es, die „Landshut“ müsse sich vom See verabschieden. Unklar war, ob ihre Reise nach Berlin oder am Ende doch wieder nach München gehen würde, wo sie vor 50 Jahren getauft wurde. Der Traum, die Lufthansa-Maschine in Friedrichshafen auszustellen, schien geplatzt. Nach der unerwarteten Mittelvergabe im November kam dann wieder Hoffnung auf. Jahrelang hatte die Bundesregierung nach einem geeigneten Standort für den legendären Flieger gesucht. Offensichtlich zu lange, nun bleibt es weiter spannend.

Was bisher geschah

2017 wurde die „Landshut“ von Brasilien nach Deutschland gebracht. Für den Transport in einem Frachtflugzeug musste sie damals komplett zerlegt werden. Als Ausstellungsort erhielt das Dornier Museum zunächst zwar den Zuschlag, tatsächlich zu sehen war die „Landshut“ dort aber nie. Aktuell steht sie in einer Halle am Flughafen in Friedrichshafen. Hans-Peter Rienvor, der neue Direktor des Dornier Museums hatte das Kapitel „Landshut“ für Friedrichshafen im September für beendet erklärt, weil sich der Bund und die Dornier Stiftung lange Jahre nicht darüber einigen konnten, wer die Kosten für die begleitende Ausstellung zur Geschichte der Maschine tragen soll. Schließlich kam das Militärhistorische Museum in Berlin-Gatow als neuer Standort für eine Ausstellung ins Spiel. Außerdem war aus Bayern zu hören, dass die CSU im Münchner Stadtrat beantragt hatte, zu prüfen, ob der alte Flughafen Riem als Ausstellungsort in Frage kommt. Nach langem Hin und Her in Berlin bekam Friedrichshafen im November doch noch den Zuschlag. Die Absage des Dornier Museum sowie das Veto der Kulturstaatsministerin und der Einspruch der ehemaligen Geiseln lassen die alte Dame weiter nicht zur Ruhe kommen. Das Kapitel „Landshut“ ist noch nicht geschlossen.

Bewegtes Leben

Im August 1970 wurde die „Landshut“ am Münchner Flughafen Riem getauft. Wenige Jahre später bestimmten Bilder von ihrer Entführung tagelang weltweit die Fernsehnachrichten und Schlagzeilen. Denn im Oktober 1977 wurde die Maschine auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt von palästinensischen Terroristen entführt und nach tagelanger Odyssee durch das Spezialkommando GSG 9 auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt Mogadischu befreit. Danach flog die „Landshut“ noch bis 1985 unter gleichem Namen für die Lufthansa, wechselte schließlich mehrfach ihren Besitzer und gehörte bis zu ihrer Flugunfähigkeit einer brasilianischen Airline. (sg)

Foto: Landshut in Friedrichshafen, Felix-Kästle/ dpa